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Warum Apples iPhone 6s-Verkaufsrekord die Wall Street enttäuscht

Wird das iPhone 7 doch noch weiß?

Apple hat wieder einmal seine eigenen Rekorde verbessert: 13 Millionen verkaufte iPhone 6s und 6s Plus vermeldete der iKonzern am Startwochenende – immerhin 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Und doch reagierte die Wall Street enttäuscht: Die Apple-Aktie fiel um zwei Prozent zurück. Der Grund: Auf den zweiten Blick ist der vermeintliche Verkaufsrekord gar nicht mehr so rekordverdächtig, weil der Absatz in China und eine längere Vorbestellungsphase die Bilanz schönen.

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8.30 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit, 14.30 Uhr deutscher Zeit: Technologie- und Wirtschaftsjournalisten wissen, was jetzt, am Montag nach dem Verkaufsstart neuer iPhones, jede Sekunde über die Newsticker laufen wird – die mit Hochspannung erwartete Pressemeldung von Apple über die Verkaufszahlen am Startwochenende.

Es ist die mit Abstand wichtigste Kennziffer für Apple-Aktionäre auf Sicht der nächsten vier Monate, bis der Techpionier seine Geschäftszahlen für das so wichtige Weihnachtsquartal vorlegt, in das die Verkäufe der neuen iPhones einfließen. Die Verkaufszahlen des ersten Wochenendes sind ein erster Fingerzeig, der deutlich macht, wohin die Reise geht.

Erstes Verkaufswochenende: Absatzsteigerung um 30 Prozent

Und die kann beim wertvollsten Konzern der Welt natürlich nur in eine Richtung gehen: weiter nach oben. „Die Verkäufe von iPhone 6s und iPhone 6s Plus sind phänomenal gewesen und übertreffen sämtliche früheren Verkaufsergebnisse an einem ersten Wochenende in der Geschichte von Apple“, feierte Apple-CEO Tim Cook den iPhone 6s-Verkaufsstart.

Zum Vergleich: Vor einem Jahr freute sich Apple am ersten Verkaufswochenende über 10 Millionen verkaufte iPhone 6 und iPhone 6 Plus. Eine Steigerung von 30 Prozent sieht also nach einem deutlich besser als erwarteten Start aus, zumal in den vergangenen Wochen immer mehr skeptische Stimmen die Oberhand gewonnen hatten.

China Treiber des neuen Verkaufsrekords 

Jedoch: Der Vergleich zum Vorjahr hinkt.  Die Vorbestellungsphase und der Verkaufsbeginn in China, neben den USA der wichtigste Absatzmarkt der Welt, begann schließlich dieses Jahr anders als 2014, als sich der Launch um einen Monat verzögerte, zeitgleich mit dem Rest der Welt.

Mit anderen Worten: In diesem Jahr sind in den Vorbestellungen auch Millionen iPhones aus dem Reich der Mitte dabei, die im vergangenen September noch fehlten. Zwei Millionen vorbestellte iPhones konnte Apple im vergangenen Jahr in China im Oktober vermelden, dazu kommen noch die Ladenverkäufe am ersten Wochenende – macht allein also geschätzte zwei bis drei Millionen Einheiten zusätzlich. „Ohne China wären die iPhone 6s-Vorbestellungen wahrscheinlich eine große Enttäuschung“, legte das Wirtschaftsportal Quartz schon vor zwei Wochen den Finger in die Wunde.

Und das ist nicht der einzige Unterschied zum Vorjahr. Der Verkaufsbeginn der neuen iPhones erfolgte ungewöhnlicherweise am 25. September und damit eine ganze Woche später als im Vorjahr, obwohl die Vorbestellungsphase am 12. September und damit nur einen Tag später begann.

Analysten gespalten über Rekordwochenende –Aktie fällt weiter zurück

In der quarzgenau getakteten Apple-Welt unter Tim Cooks Ägide dürfte das kaum ein logistischer Zufall sein: Durch die um sechs Tage längere Vorbestellungsphase staute sich vor dem Verkaufsstart entsprechend die Nachfrage – mehr Vorbesteller hatten die Chance, sich für ein neues iPhones zu interessieren.

Entsprechend erscheinen die 13 Millionen verkauften iPhone 6s und iPhone 6s Plus in einem anderen Licht: Sie können kaum überdecken, dass die Nachfrage exklusive China wohl eher auf Vorjahresniveau lag – oder möglicherweise sogar leicht darunter.

Wenig überraschend reagierten Wall Street-Analysten gespalten auf den neuen Verkaufsrekord: Die Aktie gab um zwei Prozent nach und liegt bei 112 Dollar damit 17 Prozent unter den einstigen Höchstkursen, die im April dieses Jahres aufgestellt wurden.

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