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„100% Kill Rate“ – die Plagiatsjäger aus dem Netz und die Verteidigungsministerin

Im Visier: die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen

Die Plagiatsjäger der Internet-Plattform VroniPlag haben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Visier genommen. Auf knapp der Hälfte von von der Leyens Doktorarbeit haben die VroniPlag-Leute Plagiate gefunden. Die Ministerin weist die Vorwürfe zurück und lässt die Medizinische Hochschule Hannover ihre Arbeit prüfen. Plagiatsvorwürfe sind für amtierende Politiker extrem gefährlich. Für Bundesminister besonders.

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Den Anfang machte auch ein Bundesminister der Verteidigung: Karl Theodor zu Guttenbergs Name ist dauerhaft mit seiner Plagiatsaffäre verknüpft. Ihm wurden Abschreibereien in großem Stil vorgeworfen und auch zu Guttenberg dementierte, gab sich unschuldig. Am Ende musste er doch abtreten, nachdem ihm das Plagiat zweifelsfrei nachgewiesen war. GuttenPlag nannte sich die kollaborative Website, auf der Freiwillige akribisch zusammengetragen hatten, welche Stellen aus zu Guttenbergs Doktorarbeit wo abgeschrieben waren.

Das war 2011. Nach dem Vorfall bekamen die Plagiatsjäger Hinweise auf Ungereimtheiten bei der Doktorarbeit von Veronika Saß, der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Wegen dieses Falls wurde GuttenPlag in VroniPlag umbenannt, der Name hielt sich bis heute (auch Veronika Saß wurde der Doktortitel aberkannt).

Weitere prominente „Opfer“von VroniPlag waren die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis und Margarita Mathiopoulos sowie der CDU-Politiker Matthias Pröfrock und der frühere Leipziger Jugendamtsleiter Siegfried Haller (SPD). Plagiats-Verdachtsfälle gegen den SPD-Politiker und amtierenden Außernminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) wurden dagegen nicht bestätigt. Allerdings wurden die Verdächtigungen in den beiden letztgenannten Fällen auch nicht von VroniPlag geäußert, sondern von Einzelpersonen. Steinmeiers Doktorarbeit war zwar von VroniPlag untersucht worden, die Plattform entschied sich aber gegen eine Veröffentlichung, da nur wenige Stellen unter Plagiatsverdacht fielen und diese auch „lässliche Sünden“ darstellten.

Im Fall von Lammert fand die Untersuchungskommission der Uni Bochum lediglich „handwerkliche Fehler“ aber keine Plagiate. Auch die Doktorarbeit der früheren Bildungsministerin Annette Schavan war von den VroniPlag-Leuten untersucht worden und man entschied sich dort gegen eine Veröffentlichung. Ein einzelner Mitarbeiter der Plattform scherte aber aus und veröffentlichte die Plagiatsvorwürfe gegen die CDU-Politikerin auf SchavanPlag auf eigene Faust. Mit dem Ergebnis, dass auch Schavan den Doktortitel verlor und ihr Amt aufgeben musste – bei einer Bildungsministerin besonders bitter.

Bild.de-Chef Julian Reichelt twitterte im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Ursula von der Leyen von einer „100% Kill Rate“.

Das stimmt zwar nur, wenn man es auf amtierende Bundesminister bezieht, aber wenn sich VroniPlag zu einer Veröffentlichung entschließt, sind sich die Leute dort sehr sicher, dass es um gravierende Verstöße gegen wissenschaftliche Standards geht. Der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland über von der Leyen: „Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert.“ Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte VroniPlag-Mitarbeiter Gerhard Dannemann:“Es ist eine Arbeit, die wissenschaftlichen Maßstäben nicht genügt.“ Der Mann ist Professor für Englisches Recht, Britische Wirtschaft und Politik an der Berliner Humboldt-Universität. Die VroniPlag-Leute sind zum großen Teil anerkannte Akademiker und keineswegs „Internet-Aktivisten“, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums meinte.

(swi)

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