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Undercover im Flüchtlingsheim: NDR-Reporterin deckt furchtbare Zustände auf

Die NDR-Reporterin Aline Jabarine verbrachte fünf Tage undercover in einem Flüchtlingsheim

„Sie schlafen auf Stühlen, liegen auf dem Tresen, schaukeln ihre kleinen Kinder. Alle warten, warten, warten. Worauf und bis wann, das weiß ich nicht.“ Alena Jabarine hat fünf Tage in der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Hamburg-Harburg gelebt – als Zeyna Mahameed aus Gaza. Ihre Beobachtungen sind erschütternd.

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Die NDR-Reporterin hat sich undercover unter die vielen Flüchtlinge gemischt und die chaotischen Zustände dort am eigenen Leib erlebt: überforderte Wachmänner, kein Platz zum Sitzen, zu wenig Betten und Müllberge neben den Sanitäranlagen.

„Es gibt zwei Toiletten für Hunderte Menschen, für Frauen und Männer. Auf dem Boden schwimmt Urin. Vor dem Toiletteneingang eine riesige Mülltonne. Drumherum liegt ein großer Haufen Müll. Fliegen und Wespen. Daneben schläft ein Kind“, berichtet Alena Jabarine in der Hörfunk-Reportage „Undercover im Flüchtlingsheim“ für NDR info. Die Unterkunft in Hamburg wird von dem Unternehmen „fördern und wohnen AÖR“ betrieben. Auf NDR-Nachfrage erklärt ein Sprecher, die Sanitäranlagen würden regelmäßig gereinigt und die Reinigungsintervalle bei Bedarf erhöht.

Vom ersten Tag an war Alena Jabarine alias Zeyna Mahameed unsicher. Oft wusste sie nicht, was als nächstes passiert oder was von ihr erwartet wird – obwohl sie die Sprache der Sicherheitsmänner spricht. Den anderen über Hundert Menschen ergeht es ähnlich: „Niemand weiß, wo er hinkommt. Der Mangel an konkreten Informationen macht den Flüchtlingen zu schaffen“, sagt die Reporterin. Ein Flüchtling berichtet: „Es gibt kaum Übersetzer, keiner sagt uns, wo wir hingehen  sollen.“

Überforderung und Frustration auf allen Seiten. Zwar erklärt die Hamburger Innenbehörde auf NDR-Anfrage: „Fördern und wohnen stellt laufend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Unterkunft- und Sozialmanagement der Erstaufnahmen ein, um den stark gestiegenen Flüchtlingszahlen und dem dadurch erhöhten Bedarf an Beratung gerecht zu werden. Derzeit sind noch nicht alle erforderlichen Stellen besetzt, zumal kurzfristig neue Standorte entstehen.“ Doch das Personal in Hamburg kann der Menschenmasse nicht gerecht werden. Die Geflohenen warten und warten: auf die Nahrungsausgabe, den Arzt und teilweise sogar Wochenlang auf die Möglichkeit sich zu registrieren – ein für sie essentieller Prozess.

Für viele der Flüchtlinge sei vor allem der Umgang mit dem Wachdienst ein Problem, erfährt die NDR-Reporterin. Ein syrischer Zahnarzt glaubt: „Sicher, einige sind sehr bemüht, aber sie sind eben nicht ausgebildet für den Umgang mit Flüchtlingen, das sind Security-Leute. Wir aber brauchen ausgebildete Mitarbeiter, die verstehen, was uns in unserer speziellen Situation hilft.“ Auch die Sicherheitsbeamten sind frustriert – und genervt. Alena Jabarine: „Einige bewahren ein Lächeln, ein anderer spricht davon, die Tiere im Zaum zu halten.“

Die fünf Tage im Hamburger Flüchtlingsheim haben der Journalistin mit Sicherheit viel Mut und Nervenkraft abverlangt – schließlich war die Gefahr, entdeckt zu werden, hoch: Alena Jabarine spricht zum einen fließend deutsch und hatte zum anderen in einigen Situationen Schwierigkeiten, sich an ihren neuen Namen zu gewöhnen und auf ihn zu reagieren. Dass das Sicherheitspersonal nicht begeistert davon ist, von einer vermeintlich ausländischen Frau sehr wohl verstanden zu werden, dürfte sich angesichts der Äußerungen, die Jabarine mitgehört hat, von selbst erklären.

Die NDR-Reporterin hat mit ihrer Undercover-Reportage vorbildliche journalistische Arbeit geleistet und es geschafft, die für viele Europäer schwer vorstellbare Situation in den Flüchtlingsheimen zu veranschaulichen und durch ihre eigenen Emotionen greifbar zu machen. Ihre Zuhörer werden in der Hörfung-Reportage für einige Minuten in die verzweifelte und frustrierte Lage der vielen Flüchtlinge versetzt.

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