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“Schreibtischideologen Schönauer und Niggemeier”: Bild.de-Chef Julian Reichelt wirft Bildblog Verleumdung vor

Bild.de-Chef Julian Reichelt wirft dem Bildblog Verleumdung vor

Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt hat in einem langen Facebook-Posting Stellung zu einem Artikel des Bildblog bezogen, den er als Verleumdung empfindet. Namentlich kritisiert Reichelt die beiden Bildblog-Journalisten Mats Schönauer und Stefan Niggemeier.

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Mats Schönauer, der verantwortliche Redakteur bei Bildblog, hat den Beitrag “Wie Bild den Hass auf Flüchtlinge schürt” am vergangenen Freitag veröffentlicht. Bildblog-Mit-Gründer Stefan Niggemeier verbreitete den Beitrag auf Twitter.

In dem Text zeigt Schönauer einen Widerspruch bei Bild-Berichten auf. In Kommentaren, u.a. von Julian Reichelt, und Texten mache sich die Zeitung in jüngerer Zeit immer wieder für Flüchtlinge stark. Andererseits gibt es Artikel, die Feindbilder und Ressentiments gegen Flüchtlinge schüren würden. Als Beispiel dient ein Bild-Artikel, der sich damit befasst, dass der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) aus “Angst vor schlechter Presse” bei schwarzfahrenden Flüchtlingen “ein Auge zudrückt”. Allerdings zeigt sich der HVV nicht nur gegenüber Flüchtlingen ohne gültigen Fahrschein nachsichtig, sondern gegenüber allen Reisenden, die Sprachprobleme haben oder aus “anderen guten Gründen” kein gültiges Ticket haben. Das Bildblog dokumentierte die aufgebrachten und wütenden Reaktionen auf den Artikel, die sich gegen die vermeintlich schwarzfahrenden Flüchtlinge richten.

Auch der HVV habe nach dem Bild-Bericht Hassbriefe und -mails bekommen, so ein HVV-Sprecher gegenüber Bildblog, die meisten seien “offen rassistisch” gewesen. Fazit des Bildblogs:

Die Hütte brennt, „Bild“ schüttet Benzin nach, und Julian Reichelt steht davor und tut so, als wolle er löschen.

Dieser Satz ist Bild.de-Chef Julian Reichelt offenbar übel aufgestoßen. Es handle sich bei dem Bildblog-Artikel um eine “Verleumdung übelster Sorte”. Auf Facebook erklärt er nun ausführlich, was er persönlich, seine Kollegen und Bild im Allgemeinen alles für Flüchtlinge tun. So betreibe die Bild in der syrischen Provinz Aleppo mit „Ein Herz für Kinder“ mehrere Schulen, in denen nahezu ausschließlich Flüchtlingskinder betreut werden.

** Ein Statement des BILD.de-Chefredakteurs Julian Reichelt zum Vorwurf, er würde Hass gegen Flüchtlinge schüren.**Es…

Posted by Bild on Montag, 17. August 2015

Reichelt beschreibt eigene Eindrücke aus Aleppo und erzählt Begebenheiten, bei denen er selbst und Kollegen persönlich Flüchtlingen geholfen und diese unterstützt haben.

Reichelt: “Sollten Mats Schönauer und Stefan Niggemeier sich auf ähnliche Weise engagiert haben, würde ich das gern hören.” Niemand bei Bild erwarte für das Engagement für Flüchtlinge einen Dank, so Reichelt: “Was ich persönlich allerdings erwarte, ist, dass wir dafür nicht von Schreibtisch-Ideologen wie Mats Schönauer und Stefan Niggemeier verunglimpft und als Flüchtlingshasser verleumdet werden.”

Wenn Schönauer und Niggemeier “nur einen Funken von dem Anstand hätten, den sie uns absprechen, würden sie sich für ihre üblen, völlig haltlosen Unterstellungen entschuldigen. Aber das wird nicht passieren”, schließt Reichelt seine Ausführungen.

Gegenüber MEEDIA sagt Bildblog-Macher Mats Schönauer: „Julian Reichelt will das Problem und meinen eigentlichen Vorwurf nicht verstehen. Ich werfe Bild und ihm ja nicht vor, ‚Flüchtlingshasser‘ zu sein. Sondern den Hass zu schüren, indem sie bewusst Fakten verschweigen oder verdrehen, um aufregende Schlagzeilen präsentieren zu können – die dann wiederum in Sozialen Netzwerken und den Köpfen vieler Leser die Stimmung gegen Flüchtlinge anheizen.“ Es gehe ihm nicht um das persönliche Engagement von Reichelt und seinen Kollegen, sondern um die publizistische Verantwortung der Bild-Zeitung, so Schönauer.

Zu den konkreten Vorwürfen bezüglich der unterschiedlichen Tonalitäten in der Bild-Berichterstattung hat sich Reichelt in seiner Facebook-Stellungnahme nicht geäußert. Von MEEDIA darauf angesprochen, erklärt Reichelt:

„Es ist sicher nicht unsere Aufgabe, Sachverhalte zu verschweigen oder gar aus dem Internet zu tilgen. Wir berichten über das, was ist. Hasserfüllte, fremdenfeindliche Kommentare dazu in den sozialen Medien – so wie zum Beispiel auch Til Schweiger gerade erleben muss – erfüllen auch uns mit Abscheu, aber unsere Haltung zu dem Thema könnte klarer kaum sein, und sie ist klar seit vielen Jahren. Wir sind nicht nur der Meinung, dass Menschen in Not geholfen werden muss, wir werden auch selber immer wieder aktiv. Wer anhand einzelner Nachrichtengeschichten, die ihm nicht in sein Weltbild passen, etwas anderes behauptet, verdreht schlichtweg die Realität.“

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