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Fake-News bei Facebook: Hetze gegen Flüchtlinge mit gefälschten Fotos

In rechtsradikalen Facebook-Gruppen kursieren gefälschte Meldungen über Flüchtlinge

Die Facebook-Hetze gegen Asylbewerber hat ein neues Level erreicht: Flüchtlingsgegner fälschen Fotos und Berichte, um zu signalisieren: Den Geflohenen geht es in Deutschland viel zu gut und außerdem werden wir strategisch von der „Lügenpresse“ manipuliert. Diese Bilder posten sie in rechtsradikalen Foren und heizen den Hass damit immer weiter an.

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Vor einem Jahr zeigte die Redakteurin Ellen Häring in einer Deutschlandradiokultur-Reportage, wie schwer es für Flüchtlinge ist, mit Lebensmittelgutscheinen einzukaufen. Die Reportage wurde auf der Webseite des Senders veröffentlicht – gemeinsam mit einem Foto, das Häring bei ihren Recherchen zeigt. Darauf hält sie drei der Lebensmittelgutscheine in die Kamera.

Einige Monate später tauchte dieses Bild bei Facebook wieder auf und zwar völlig aus dem Zusammengang gerissen: Ellen Härings Bild wurde verpixelt, darunter stand im Stil einer Zeitungs-News und in holpriger Sprache die Headline: „Junge Flüchtlinge mit Herz, schenken Obdachlosen deutschen Frau ihre Einkaufsgutscheine.“ Der Text unter dem Foto beschreibt, wie sich eine „Marlies T.“, obdachlos und leberkrank, über die Gutscheine von großzügigen afrikanischen Flüchtlingen freut.

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Gefunden hat Ellen Häring das Foto von sich in einem rechtsradikalen Forum bei Facebook. Im Gespräch mit Deutschlandradiokultur erklärt sie, der Sub-Text des verfälschten Fotos sei klar gewesen. „Er sollte sagen: ‚Denen geht es viel zu gut.'“ Die Reaktion waren zahlreiche fremdenfeindliche Kommentare, erzählt Häring: „‚Die klauen sich doch sowieso alles zusammen. Wozu brauchen die noch Lebensmittelgutscheine?‘ Dann werden oft auch so sexuelle Anspielungen gemacht. Zum Beispiel stand auch darunter: ‚Die kaufen sich Frauen mit Lebensmittelgutscheinen.'“

Doch das ist bei weitem nicht das erste und einzige Mal, dass gefälschte Fotos und Schlagzeilen bei Facebook verbreitet werden, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Die Masche ist dabei immer dieselbe: In rechtsradikalen Foren werden vermeintlich positive Meldungen über Asylbewerber verbreitet. Der Verein Mimikama hat sich darauf spezialisiert, Falschmeldungen im Internet zu dokumentieren und stellte fest: Vor allem werden Geschichten erzählt, in denen Flüchtlinge Geld finden und dieses daraufhin spenden. Mit den Meldungen solle gleich dreierlei signalisiert werden: 1. Den Flüchtlingen geht es wohl zu gut/Wozu brauchen sie unser Geld noch? 2.Wie kann es sein, dass sie ständig etwas „finden“? 3. Die „Lügenpresse“ hintergeht uns.

Die Betreiber von Mimikama erklären auf ihrer Webseite: „Man soll überflutet werden mit ‚Findermeldungen‘. Man soll diese Meldungen letztendlich für unglaubwürdig halten, so dass man irgendwann jede Meldung über Asylbewerber für unglaubwürdig hält, die im Positiven über jene berichtet.“

Dafür veröffentlichen sie nicht nur ihre eigene gefälschte Meldung, sondern auch das Original – um zu zeigen: Die „Systempresse“ verschleiert Informationen und manipuliert:

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Ellen Häring gab den Fall mit dem gefälschten Foto an den Justiziar von Deutschlandradiokultur weiter, der Fake-Beitrag ist mittlerweile gelöscht. „Ich bin natürlich in der komfortablen Situation, dass sich das bei der Arbeit ergeben hat. Andere erfahren vielleicht gar nichts davon oder können sich auch nicht dagegen wehren“, sagt Häring.

Die Fälscher wollen die Facebook-Nutzer verwirren und ihnen das Gefühl vermitteln, niemandem trauen zu können – außer den sogenannten „alternativen“ Medien, die durch diese neu gewonnen Macht immer mehr Menschen mit ihrem Hass und ihrer Hetze erreichen können.

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