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Fitness first oder Big Brother AOK? Erste Krankenkasse zahlt für Apple-Watch

Die Apple Watch gilt bislang als Lifestyle-Accessoire: Krankenkassen setzten jetzt auf das Gesundheits-Potential durch Fitness-Apps

Es hört sich erst einmal verlockend an. Wie die FAZ berichtet, bezuschusst mit der AOK Nordost erstmals eine Krankenkasse den Kauf einer Apple Watch. Immerhin unterstützen die Uhr mit ihren Fitnesstracker-Apps einen gesünderen Lebensstil. Quasi durch die Hintertür könnten die Kassen allerdings auch so mehr Daten über ihre Kunden erhalten. Das Bundesversicherungsamt meldet bereits „ernste datenschutzrechtliche Bedenken“ an.

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Zunächst hört sich der Deal so an, als ob es an ihm nichts auszusetzen gäbe. Wer einen elektronischen Fitnessmesser oder Datenspeicher kauft, bekommt von der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Region Nordost (Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) einen Zuschuss von bis zu 50 Euro. Sogar bei den Gebühren für die entsprechenden Apps will die Kasse helfen. So gebe es dafür noch einmal 20 Euro im Jahr auf das „persönlichen AOK-Gesundheitskonto“. Wie die FAZ weiter berichtet, wird die AOK nicht lange allein sein mit diesem Angebot. Die Techniker Krankenkasse wolle nachziehen und wartet nur noch auf die Genehmigung.

Die Überlegungen hinter der Technik- und App-Offensive der Kassen ist verständlich: Alles, was den Menschen hilft, gesünder zu leben und mehr auf Prävention zu achten, spart am Ende Geld, weil es weniger Kranke gibt. Dieser Logik folgen schon heute viele Bonus-Programme und Vorsorge-Angebote von Barmer, TK & Co.

Die Überlegungen der gesetzlichen Kassen haben nur zwei Haken. Zum einen ist es sehr schwer zu überwachen, ob die Apps, Smartwatches oder Fitness-Armbänder überhaupt genutzt werden, und wenn ja, vom wem. Theoretisch stehen hier Betrug und Missbrauch Tür und Tor offen.

Das führt zum zweiten Haken. Wenn die Krankenkassen wirklich wissen wollen, wer die von ihnen bezuschussten Dienste nutzt, müssten sie die App-Nutzer auch irgendwie überwachen beziehungsweise müssten einen gewissen Zugriff auf deren Daten erhalten. Das ist rechtlich jedoch höchst bedenklich. So wiesen bereits das Bundesversicherungsamt und die Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Andrea Voßhoff, auf „erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken“ hin. „Allen Anwendern, die Fitness-Apps freiwillig herunterladen, rate ich, nicht unbedacht mit ihren sensiblen Gesundheitsdaten umzugehen, empfahl Voßhoff bereits vor Monaten. Man solle unbedingt den kurzfristigen finanziellen Vorteile gegen die langfristigen Gefahren abwägen.

Ihre Kritik bezog sich damals auf private Anbieter, denn deren Apps erfassen schon länger sehr viele, recht sensible Krankendaten. Im Gegenzug verringert sich der Beitrag. Ein Deal, der vor allem für junge und gesunde Kunden sehr verlockend ist.

Grundsätzlich setzen Versicherungen immer stärker auf einen Mix aus freiwilliger Datenkontrolle bei den Kunden und damit einhergehenden Ermäßigungen. So gibt es auch bei den Autopolicen sogenannte Telematik-Tarife. Mit Hilfe einer kleinen Black-Box tracken die Versicherungen das echte Fahrverhalten ihrer Kunden und berechnen dementsprechend die Tarife. Schon bald sollen die Smartphones des Fahrers den Job der kleinen schwarzen Kästen übernehmen. So gesehen bezuschussen dann die KFZ-Versicherer vielleicht auch schon bald den Kauf eines Smartphones.

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