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120 Milliarden Börsenwert verbrannt – und vier weitere erstaunliche Fakten zum Apple-Crash

Apple-CEO Tim Cook

An der Wall Street wieder unter Druck: Apple-CEO Tim Cook

Tief, tiefer, Apple! Der Kurssturz des iPhone-Herstellers gewinnt immer weiter an Dynamik. Auch gestern wurde der wertvollste Konzern der Welt an der Wall Street hart abverkauft – weitere vier Prozent gingen in der Spitze verloren. Apple ist damit an der Börse so schwer unter Druck geraten wie seit dem Crashjahr 2013 nicht mehr. Vor allem eine Frage muss sich CEO Tim Cook gefallen lassen: Hat er sinnlos 130 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden verbrannt?

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Die alten, bösen Geister sind zurück. Die lang aufgestauten Sorgen, wie lange Apples beeindruckende Erfolgsstory noch weiterlaufen kann, entluden sich gestern in einer neuen, noch hemmungsloseren Verkaufswelle von Apple-Aktionären.

All die Euphorie der letzten Monate über Rekordgewinne, immer höhere Kursziele, vermeintlich unbegrenzte Wachstumschancen in China und die Fantasie über angeblich zukünftige Produkte wie ein iCar – sie scheinen wie weggeblasen. Wie in dunkelsten Crashzeiten der Jahre 2012 bis 2013 taumelte die Apple-Aktie in einem stagnierenden Marktumfeld Dollar um Dollar tiefer – bis auf ein neues 6-Monatstief bei 113,25 Dollar. Fünf bemerkenswerte Fakten zum Kurssturz:

1. Fünf Tage Verluste in Folge – längste Negativserie seit Anfang 2013

Die Dynamik des Ausverkaufs ist brutal. Seit fünf aufeinanderfolgenden Tagen notiert die Aktie im Minus. Tatsächlich sind sogar in 10 der letzten 11 Handelstage Verluste angefallen – es ist die längste Negativserie seit Februar 2012

2.  Minus 15 Prozent in neun Tagen verloren

In den vergangenen neun Handelstagen hat Apple allein 15 % verloren – von 133 Dollar direkt vor Bekanntgabe der jüngsten Quartalsbilanz bis gestern auf 113 Dollar.

3. Größter Kursverlust in 30 Monaten

Vom bisherigen Allzeithoch bei 134,54 Dollar hat die Aktie gar mehr als 16 Prozent verloren. Das ist der größte Kurseinbruch seit dem schweren Crash der Krisenjahre 2012-2013

4. 120 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet

Das Ausmaß der Verkaufswelle ist in Dollar und Cent kaum fassbar: Unglaubliche 120 Milliarden Dollar hat Apple in den vergangenen zwei Wochen an Börsenwert vernichtet. Das entspricht dem Börsenwert von eBay, Tesla, LinkedIn, Twitter und GoPro zusammen!

5. Aber: immer noch wertvollster Konzern der Welt

Mindestens ebenso erstaunlich: Trotz des drastischen Kurssturzes ist Apple weiter wertvollster Konzern der Welt – und zwar mit Abstand. 650 Milliarden Dollar ist Apple auch noch nach den crashartigen Verkäufen wert – rund 200 Milliarden Dollar mehr als die Nummer zwei der Börsenwelt – Google.

Hustet das iPhone, bekommt die Apple-Aktie eine Lungenentzündung

Doch die Sorgen der Wall Street vor dem iPhone 6s-Launch werden von Tag zu Tag größer. Am Ende des Tages lässt sich die Kaffeesatzleserei über die Zukunft von Apple auf eine Frage reduzieren: Kann das iPhone weiter wachsen? Wenn nicht, wird auch der stolze Techpionier aus Cupertino, der im nächsten Jahr sein vierzigjähriges Firmenbestehen feiert, in der Gesamtheit nicht mehr wachsen können – zu unbedeutend sind längst die anderen Konzernsparten des iPad, des Mac und der bislang sehr verhalten aufgenommenen Apple Watch.

Hustet das iPhone, bekommt die Apple-Aktie eine Lungenentzündung – so einfach ist der Vergleich, der sich auch nach den jüngsten Quartalszahlen wieder aufdrängt. Am Ende waren 47,5 Millionen verkaufte iPhones (immerhin: eine  Absatzsteigerung von 35 Prozent) dafür verantwortlich, dass 120 Milliarden Dollar Börsenwert bis heute vernichtet wurden – so gnadenlos ist die Logik die Wall Street, die mindestens 2,5 Millionen mehr verkaufte iPhones sehen wollte.

Hat Apple 130 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe verbrannt? 

Gleichzeitig illustrieren die panikartigen Verkäufe der vergangenen Tage einmal mehr eindrucksvoll die Mechanismen der Börsenwelt: Dreht der Trend, gibt es nichts und niemanden, was den Stimmungswechsel aufhalten kann – nicht die Unterstützung des erfolgreichsten Investors der Welt, Carl Icahn, der in den letzten zwei Wochen etwa eine Milliarde Dollar mit Apple-Aktien an Wert eingebüßt hat, und auch nicht das gigantische Aktienrückkaufprogramm der Wirtschaftsgeschichte, das 130 Milliarden Dollar Kapital verbraucht hat.

Der Fondsmanager Eric Jackson warf bereits am Wochenende erneut die Frage auf, ob Apple die 130 Milliarden zum Fenster hinausgeworfen hat:

Tatsächlich sieht es so aus. Was helfen der angeschlagenen Apple-Aktie die zurückgekauften Anteilsscheine heute? Die seit 2012 dafür aufgewendeten 130 Milliarden Dollar sind Geschichte, zum kleineren Teil ausgezahlt an Aktionäre in Form von Dividenden mit einer Minirendite von weniger als 2 Prozent pro Jahr, zum anderen verbraucht in Aktienrückkäufen, die sich in der Vergangenheit stützend auf den Kurs ausgewirkt haben.

Wirkung von Aktienrückkäufen überschätzt

In der Gegenwart angekommen, fehlt Tim Cook indes das nötige Pulver, um den gierigen Leerverkäufern, die in diesen Tagen ihre Chance auf immer tiefere Kurse wittern, Einhalt zu gebieten. Der Kurssturz zeigt indes, dass die durchschnittlich fünf Milliarden Dollar, die Apple zum Rückkauf eigener Aktien pro Quartal aufwendet, vollkommen verpuffen – die Dynamik des aktuellen Ausverkaufs gleicht der der Crashjahre 2012–2013.

Was nützen 5 Milliarden Dollar Kaufkraft pro Quartal – also rechnerisch gerade mal 55 Millionen Dollar pro Handelstag – bei Marktumsätzen von mehr als 10 Milliarden Dollar an Handelstagen, an denen Käufern dämmert, dass sie retten wollen, was nach Kurszuwächsen von über 100 Prozent in den vergangenen zwei Jahren noch zu retten ist?

Angst vor einem stürmischen iPhone 6s-Herbst wächst

Apple-Aktionäre haben die Macht der Masse, die einfach nur noch aus dem Markt möchte, vor nicht allzu langer Zeit schon einmal zu spüren bekommen: in den Crashjahren 2012 bis 2013. Der Anfang gleicht dem aktuellen Kurssturz fatal: Es dauerte Monate, bis die Gewinnstagnation mit dem Weihnachtsquartal 2012 nachgereicht wurde.

Aktionäre müssen nun zittern, dass zumindest die erste Indikation der neuen iPhone-Verkäufe nicht zum Bumerang wird: Überbietet Apple mit dem iPhone 6s den Verkaufsrekord des iPhone 6-Startwochenendes nicht, dürfte sich  der perfekte Sturm zusammenbrauen, der mit täglich neuen Abgesängen auf das iPhone auf Tim Cook einstürmt.

Es könnte ein langer, ungemütlicher  Herbst bis zur Gewissheit im Januar 2016 werden. Die Verkaufswelle der vergangenen Tage drückt diese neue Sorge der Apple-Aktionäre aus. Bleibt nur eine Frage: Kauft Carl Icahn, der Apples wahren Wert bekanntlich bei 240 Dollar je Aktie – also mehr als doppelt so hoch – sieht, eigentlich weiter nach?

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