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Wirtschaftskrimi in Lachsrosa: So lief der finalen Bieter-Kampf um die FT zwischen Springer und Nikkei

Rückzieher: In letzter Minute stach Nikkei Springer-CEO Döpfner beim Bieter-Kampf um die FT aus

Wieder nix mit dem großen Sprung für Springer. Axel Springer unterlag im Bieter-Kampf um die Financial Times in letzter Minute. Den Zuschlag im Wirtschaftskrimi erhielt die japanische Mediengruppe Nikkei für umgerechnet 1,2 Mrd. Euro. Die Financial Times selbst hat die heiße Phase ihres eigenen Verkaufs minutiös festgehalten.

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Am Donnerstagnachmittag überschlugen sich die Ereignisse. Die britische Financial Times veröffentlichte zuerst ein Hintergrundstück in dem zu lesen war, dass die Verhandlungen zwischen Springer und Pearson über den Kauf der FT in einem “fortgeschrittenem Stadium” seien. Springer wurde in dem Text als klarer Käufer-Favorit beschrieben. Allerdings brachte die FT hier auch schon Nikkei als weiteren Bieter ins Gespräch.

Was die FT-Reporter da noch nicht wussten: Am Donnerstagnachmittag wurde Springer von dem Gebot der Japaner informiert und stieg aus. Nikkei bot 1,2 Mrd. Euro in bar, also rund 1,3 Mrd Dollar. Pearson hatte zuvor 1,6 Mrd Dollar als Wunschpreis ins Spiel gebracht. Der nun festgelegte Preis bewegt sich sehr nah an den hohen Vorstellungen des Verkäufers. Vor allem wenn man bedenkt, dass die 50-Prozent-Beteiligung der FT-Group am Economist und das FT-Gebäude in Top-Lage an der Londoner Themse nicht inkludiert sind. Für Springer war das offenbar zu teuer. Dabei sitzen die Berliner selbst auch auf einem Haufen Geld. Der Verkauf des Großteils ihres Printgeschäfts an Funke hat ihnen eine knappe Milliarde Euro eingebracht.

Der FT-Kauf sollte für Springer also eigentlich machbar gewesen sein. Aber letztlich wollte CEO Mathias Döpfner offenbar keinen Deal um jeden Preis. Wenn es um ein Medien-Juwel wie die FT geht, hätte aber klar sein können, dass Preise jenseits der Ökonomie aufgerufen werden.

Beim Nieman Lab rechneten sie vor, dass der Kaufpreis von 1,3 Mrd. Dollar etwa dem 43-fachen des Gewinns der FT entspricht. Das ist ein überaus ambitionierter Preis für ein Zeitungsunternehmen mitten im digitalen Umbruch. Aber die FT ist keine x-beliebige Zeitung, sie ist eine Institution. Rupert Murdoch griff 2007 noch tiefer in die Tasche und zahlte fünf Mrd. Dollar für eine andere Institution, das Wall Street Journal.

Institutionen gibt es nicht zum Schnäppchenpreis, auch nicht in der Krise. Die britische FT wurde 1888 gegründet, genießt weltweites Ansehen und ist gut profitabel. Dieses Ding kaufen zu können, ist eine einmalige Gelegenheit, die nicht wiederkommt. Laut der FT selbst, befand sich Springer-CEO Mathias Döpfner bereits seit vergangenem Jahr in Gesprächen mit Pearson bezüglich der FT. Zuerst sei es um eine Minderheits-Beteiligung gegangen, recht schnell hätten sich die Verhandlungen aber in Richtung Komplett-Übernahme entwickelt.

Für Döpfner und Springer hätte der Deal in jeder Beziehung Sinn ergeben. Springer wäre auf einen Schlag ein Medienhaus mit globalem Aufschlag geworden. Die FT ist eine weltweite Top-Marke mit einem journalistischen Ruf wie Donnerhall. Außerdem setzt die FT konsequent aufs Digitalgeschäft und Paid Content und ist erfolgreich damit. Auch das entspricht exakt Döpfners Strategie.

Nikkei, die in Japan u.a. ein Wirtschaftsblatt herausbringen, das auch den gleichnamigen japanischen Aktienindex erstellt, tauchte wohl erst später als Bieter auf. Allerdings haben die Japaner schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Der finale Bieter-Kampf dauerte laut FT nur zehn Minuten. Nikkei machte sein Bar-Gebot, Springer zog zurück.

Minuten nachdem Nikkei das Geld auf den Tisch legte, gab Springer eine Pressemeldung heraus, in der “Spekulationen” dementiert wurden, man würde die FT kaufen. Sieben Minuten später, so die FT, sei der Deal mit Nikkei dann von Pearson öffentlich gemacht wurden. Wie die FT schreibt, hätten die Springer-Bosse wegen der Niederlage “getaumelt”.

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