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PR-Desaster für Team Merkel: von Guardian bis Titanic – die Reaktionen auf #MerkelStreichelt

Mit ihrer Reaktion auf die Geschichte eines Flüchtlingsmädchens hat sich Angela Merkel ein Eigentor geschossen. In den Sozialen Netzwerken wird unter dem Hashtag #merkelstreichelt hitzig diskutiert und im Laufe des heutigen Donnerstags zeichnete sich immer deutlicher ab: #Merkelstreichelt wird für die Bundeskanzlerin zu einem handfesten PR-Desaster.

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Mit der Kampagne „Gut leben in Deutschland – Bürgerdialog zur Lebensqualität“ wollte Angela Merkel in Zeiten der Griechenlandkrise und Flüchtlingsproblematik ihr Image aufpolieren. Zuerst gab sie YouTube-Star LeFloid ein Interview, dann besuchte sie eine Schule in Rostock, um mit knapp 30 Schülern über Regierungsfragen zu diskutieren. Dabei kamen Themen wie Ehe für alle und Gleichberechtigung auf den Tisch – und auch die Asylpolitik.

Als die zwölfjährige Reem, die mit ihrer Familie über den Libanon nach Deutschland geflüchtet ist, ihre Verzweiflung schildert und von ihrer Angst spricht, Deutschland verlassen zu müssen, bleibt Angela Merkel zunächst betont rational und versucht dem Kind, mit Sätzen wie „Es muss einer Entscheidung zugeführt werden“ ihre Politik zu erklären. Als Reem in Tränen ausbricht, gerät die Bundeskanzlerin sichtlich ins Straucheln, „streichelt“ ihr über die Wange und betont, das habe sie doch „prima gemacht“.

„Widerwärtig ist ein Wort, das nicht stark genug ist“

Die Süddeutsche Zeitung kritisiert: „Auf die Tränen des Mädchens antwortet Merkel mit ausweichenden Sätzen. Geht halt nicht anders, wir können ja nicht alle aufnehmen. Die Kanzlerin ergeht sich in Allgemeinplätzen. Und streicheln – das hilft vielleicht.“ Blogger Thomas Knüwer wird drastischer: „Da fällt das Leben eines jungen Mädchens in ein Loch. Sie bricht in Tränen aus. Und woran denkt Angela Merkel? Dass dieses Mädchen weint, weil es auf seine Außendarstellung bedacht ist, auf die Rolle, die es in Rahmen einer Fernsehsendung spielen soll.“ Angela Merkel sei auf einem neuen Tiefpunkt angekommen: „Widerwärtig ist ein Wort, das nicht stark genug ist für diese Reaktion. Wie weit von dem, was wir Menschlichkeit nennen, muss man sein, wie verblendet, wie elfenbeintürmig?“

Zwar werden auch verteidigende Stimmen laut, so betont die FAZ zum Beispiel, das Video in voller Länge würde zeigen: „Zunächst ist festzuhalten, dass Reem und ihre Familie nicht in jedem Fall abgeschoben werden. Außerdem spricht Merkel vor diesem Ausschnitt für mehrere Minuten mit dem jungen Mädchen, über Asylanträge und Integration, darüber, dass der Libanon nicht als ein Land gilt, in dem ein Bürgerkrieg herrscht.“ Und auch der Moderator des Dialogs zwischen Merkel und den Kindern erklärt im Gespräch mit der Süddeutschen: „Sie hat menschlich reagiert, auf ihre Art“. Er empfinde Respekt, dass die Bundeskanzlerin „den Mut hatte, einem Kind deutlich die politische Situation zu erklären. Viele Kollegen hätten da weichspülerisch drum herumgeredet.“

Doch in den Sozialen Netzwerken überwiegt die Empörung über #Merkelstreichelt und auch die internationale Presse ist mittlerweile auf die Szene aufmerksam geworden:

Ungeschickte Reaktion der Bundesregierung

Die Bundesregierung stellt das Treffen mit den Schülern in einem Blogbeitrag als Erfolg dar – und behauptete zudem, Reem habe „vor Aufregung“ geweint. Als diese Aussage bei Twitter die Runde machte und kritisierte wurde, wurde die entsprechende Passage kommentarlos gelöscht:

Nach der Aufregung kommt die Häme

Wer den (PR-)-Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu Sorgen – auch, oder gerade, Angela Merkel nicht: Wie zu erwarten, kursieren mittlerweile zahlreiche hämische Tweets, Kommentare und Memes zu #Merkelstreichelt.

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