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ZDF-Umfrage: Leser empfinden die Bild-Zeitung als nicht glaubwürdig

Das Vertrauen in die Medien ist erschüttert, immer wieder werden Vorwürfe laut, die deutsche Presse sei nicht glaubwürdig. In einer neuen Umfrage wurde gezielt nach der Glaubwürdigkeit der Bild-Zeitung gefragt – mit einem eindeutig negativen Ergebnis. Das Vertrauen in die anderen Tageszeitungen sowie in Wochenmagazine und öffentlich-rechtliche Sender sei allerdings nach wie vor groß.

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Das erschütterte Vertrauen der Deutschen in die Medien ist mittlerweile auch durch Umfragen belegt. Nachdem eine Studie der Zeit vor wenigen Wochen zu dem Ergebnis kam, dass nur vier von zehn Deutschen „sehr großes“ oder „großes“ Vertrauen in die Politik-Berichterstattung haben, nahm die Forschungsgruppe Wahlen im Juni für das ZDF die Glaubwürdigkeit der Mediengatten sowie einzelner Medien unter die Lupe. Explizit wurde dabei nach der Bild-Zeitung gefragt – mit einem eindeutig negativen Ergebnis: 24 Prozent der Gesamtbefragten stuften das Boulevardblatt als nicht glaubwürdig ein. Nur ein Prozent bewerteten die Zeitung als sehr glaubwürdig.

Im Gespräch mit MEEDIA erklärt Alexander Stock, Leiter der ZDF-Unternehmenskommunikation, warum die Bild als einzige Zeitung extra abgefragt wurde: „Die Bild ist die größte nationale und damit relevanteste Tageszeitung.“ Außerdem sei die Umfrage zunächst gar nicht zur Publikation gedacht gewesen, sondern für interne Zwecke. Da die Ergebnisse – vor allem das Verhältnis klassischer Medien – jedoch sehr spannend seien, habe sich ZDF-Intendant Thomas Bellut entschieden, sie in einem Gastbeitrag für die FAZ zu veröffentlichen (Paid Content).

Die Glaubwürdigkeit anderer überregionaler Tageszeitungen wurde nicht gesondert abgefragt, sondern zusammengefasst. Insgesamt kam heraus, dass die öffentlichen-rechtlichen Sender, regionale und überregionale Tagszeitungen und wöchentliche Nachrichtenmagazine im Durchschnitt durchaus als glaubwürdig eingestuft werden.

Bei der Bewertung wurde die gleiche 11er-Skala benutzt wie bei den Politkern im Politbarometer: von –5 (unglaubwürdig) bis +5 (glaubwürdig). Dementsprechend war eine Berechnung von Durchschnittswerten möglich. Die Umfrage fand im Juni 2015 mit insgesamt 1019 Befragten statt und ist repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren.

Tageszeitung am glaubwürdigsten, Bild am unglaubwürdigsten

Die Tageszeitungen sind dabei am glaubwürdigsten: Regionalausgaben liegen im Durchschnitt bei +2,5 und überregionale Tageszeitungen wie Süddeutsche, Faz und die Welt bei +2,4. Wöchentliche Nachrichtenmagazine wie Spiegel und Focus wurden mit +2,2 bewertet und die öffentlich-rechtlichen Sender mit +2,0. Abgeschlagen – aber immer noch im positiven Bereich – sind die privaten Sender mit +0,1. Die Bild-Zeitung steht mit einem Durchschnittswert von -2,0 am schlechtesten dar.

Als besonders glaubwürdig stuften die Befragten mit +2,7 und +2,6 außerdem die Nachrichten von ARD und ZDF ein. Sat.1 wurde dabei mit +1,3 und RTL mit +1,1 beurteilt.

Soziale Netzwerke kaum glaubwürdig

Außerdem wurde auch nach den Sozialen Netzwerken gefragt, die mit -1,4 als kaum glaubwürdig eingestuft wurden. Wie das ZDF gegenüber MEEDIA betonte, sei dies besonders bemerkenswert, da bei der Auswertung deutlich erkennbar gewesen sei, dass ältere Menschen mit „weiß nicht“ auf die Frage nach Social Media geantwortet hätten. Diese wurden dementsprechend bei der Berechnung der Durchschnittswerte nicht berücksichtigt. Das heißt, dass auch diejenigen den Sozialen Netzwerken wenig vertrauen, die sie selbstverständlich nutzen.

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