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Wer zuletzt lacht … der Spiegel-Fauxpas mit dem lachenden George W. Bush

US-Präsident Bush und die beiden Spiegel-Cover: Wer hat hier was nicht richtig verstanden?

Dumm gelaufen. Auf Spiegel Online präsentierte die Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins stolz, wie sich der frühere US-Präsident George W. Bush angeblich über eine Spiegel-Titelstory aus dem Jahr 2008 amüsiert, ohne dass Bush der für seine Politik vernichtende Inhalt der Titelstory aufgefallen sei. Problem: Der US-Präsident hält auf dem Foto tatsächlich ein sechs Jahre älteres Cover in Händen – mit einer für ihn positiven Heftgeschichte.

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Dass Bush sich tatsächlich über eine Spiegel-Ausgabe aus Jahr 2002 freute, die ihn und seine Regierungsmannschaft als „Rambo“ und Aufräumer nach den Anschlägen des 11. September charakterisierte, war der Redaktion von Spiegel Online zunächst gar nicht aufgefallen.

Wie der Medienkritiker Stefan Niggemeier in seinem Blog darlegt, hat der Spiegel die Cover-Idee aus dem Jahr 2002 („Die Bush-Krieger – Amerikas Feldzug gegen das Böse“) im Jahr 2008 noch einmal aufgegriffen. 2008 allerdings wurde aus dem kraftstrotzenden „Rambo“-Bush ein gerupfter und geschlagener Krieger – Sinnbild für den verkorksten „Krieg gegen den Terror“. Die Schlagzeile 2008: „Ende der Vorstellung – Die Bush-Krieger“.

Bei Spiegel Online stellten sie es zunächst so dar, als habe Bush über jene zweite Geschichte gelacht und sogar noch 33 Poster mit dem Cover-Motiv bestellt. Es wurde der Eindruck erweckt, der US-Präsident habe nicht kapiert, dass der Spiegel hier ganz kritisch berichtet. In Wahrheit hatten sie beim Spiegel nicht kapiert, dass Bush im Jahr 2002 über die erste – für ihn viel freundlichere – Spiegel-Geschichte lacht. Beim Spiegel haben sie die Verwechslung zwischenzeitlich auch bemerkt und den Text entsprechend geändert. Dass die Pointe dabei nun nicht mehr recht funktioniert – who cares?

Unter dem Bild mit den gerupften Bush-Kriegern heißt es nun lapidar: „Die Reaktion von Bush und Co. auf dieses Titelbild ist nicht bekannt.“

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