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Erst „Pasta-Vorhölle“, dann Presse-„Bedroher“: die PR-Chaoten von Vapiano

Vapiano setzte Anwälte in Marsch, um eine Recherche der Welt am Sonntag zu "begleiten"

Die Pizza- und Nudelkette Vapiano arbeitet hart daran, ihren Ruf zu ruinieren. Nach dem wenig souveränen Umgang mit einem humorig gemeinten Vapiano-Verriss bei stern.de, setzten die Nudeliers vor einer Veröffentlichung in der Welt am Sonntag Medienanwälte in Marsch. Und machten die Story damit größer, als sie eigentlich ist.

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Der Komiker Micky Beisenherz nahm sich für seine stern.de-Kolumne neulich die Pizza- und Nudelkette Vapiano sprachgewaltig zur Brust (“Pastavorhölle”). Der darauf einsetzende Shitstorm wurde im Social Web zum “Nudelgate” hochgejazzt, Vapiano-Chef Gregor Gerlach behaupetet danach in einem Interview „Unsere Fans stehen gerne an“. Man kann schlauer mit so etwas umgehen.

Als die Welt am Sonntag nun für einen Artikel über Vapiano recherchierte, zeigte sich das Nudelhaus erneut unsouverän. Wie die Welt in ihrem Investigativ-Blog dokumentiert, setzte Vapiano die Kanzlei von Medienanwalt Matthias Prinz in Marsch und ließ diese merkwürdige Schreiben versenden. Man wolle den Vorgang “begleiten, um sicherzustellen, dass die Recherche fair abläuft.” Dass die Reporterin den Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern von Vapiano gesucht hat, wurde von der Kanzlei als “fragwürdig” bezeichnet. Es wäre an dieser Stelle in der Tat einer Frage würdig, welches Verständnis von Pressefreiheit und Journalismus in gewissen Kanzleien vorherrscht.

Am vergangenen Sonntag nun erschien der begleitete Artikel über Vapiano in der Welt am Sonntag, der „chaotische Zustände“ konstatierte alles in allem aber nicht besonders spektakulär war. Die Kette kämpfe mit schnellem Wachstum, vor allem in Berliner Filialen gebe es zunehmend Kundenbeschwerden, die Fluktuation unter Führungskräften sei hoch. Es gibt positivere Meldungen aber ein Skandal ist nicht zu erkennen. Sogar Vapiano-Chef Gerlach kommt ausführlich zu Wort.

Man darf davon ausgehen, dass die Welt am Sonntag auch ohne Post vom Anwalt eine offizielle Anfrage gestellt hätte. Von Seiten Vapianos war es keine gute Idee, vorschnell Medienanwälte zu bemühen. So wirkt die Sache nun, als habe das Unternehmen versucht, unabhängige Berichterstattung zu behindern oder zu beeinflussen. Die Berichterstattung über die Berichterstattung erhielt mehr Brisanz als die eigentliche Nachricht vom gerade unrund laufenden Geschäft mit der Nudel.

Update: Vapiano-Chef Gregor Gerlach äußerte sich folgendermaßen zu dem Sachverhalt: „Zwei Franchisepartner, unsere HR-Leiterin, unser Deutschland-Chef und ich haben der Redakteurin stundenlang Rede und Antwort gestanden. Wir haben ihr sogar angeboten, mal in einem Restaurant mitzuarbeiten. Schließlich hat unser Unternehmen nichts zu verbergen. Vapiano geht es gut. Aber offenbar wird jetzt das Schreiben unserer Anwaltskanzlei missbraucht, um dem Artikel die Aufmerksamkeit zu bescheren, die er aus sich heraus nicht hervorgerufen hat.“ Vapiano habe „vorsorglich“ eine Hamburger Anwaltskanzlei eingeschaltet, „um ehemalige und bestehende Mitarbeiter zu schützen“. Mehrere Mitarbeiter von Vapiano hätten sich durch Anfragen mittels Telefon und E-Mail belästigt gefühlt. Vapiano habe daraufhin nicht nur eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, sondern auch den Datenschutzbeauftragten des Axel Springer Verlags.

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