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Lustige Lügenpresse-Medienkritik mit der FAZ: Dahinter steckt immer ein grauer Kopf

Die FAZ bat zum Reizthema „Lügenpresse“ zum Bürgergespräch ins Holzfoyer der Frankfurter Oper. FAZ-Mann Werner D’Inka, ZDF-Chefredakteur Peter Frey, Lügenpresse-Experte Professor Wolfgang Donsbach und Medienkritiker Stefan Niggemeier stellten sich kratzbürstigen Grauköpfen. Ein Ortstermin.

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Kann es eine bessere Location geben für die Veranstaltung eines Holzmediums als ein Holzfoyer? Vermutlich nicht. Wobei nicht ganz klar ist, warum das Holzfoyer der Frankfurter Oper (nicht die Alte!) Holzfoyer heißt. Wegen dem Holzboden? Oder wegen der riesigen Holz-Paneele, die damoklesschwertgleich über den Köpfen der Medien-Vertreter baumelten? Wer weiß das schon …

Gut besucht war es, das Bürgergespräch der FAZ, das zwischendurch fast schon ein Wutbürger-Gespräch war. Aber weil die FAZ’ler schlau sind, verlangten sie namentliche Anmeldung. Das schreckt die schlimmsten Wirrköpfe ab. Die altklugen Grauköpfe im Publikum waren trotzdem für das Thema angemessen widerborstig aufgelegt.

„Journalisten, die kommentieren, schreiben zu 90 Prozent Schwachsinn!“ schäumte ein Herr, der vieles besser zu wissen schien oder es zumindest glaubt. Er fühle sich belehrt! Meinungen zu haben, gehöre aber schon irgendwie auch zur Idee von Journalismus, kommentierte Moderator Jürgen Scharrer (im Hauptberuf Horizont-Chefredakteur) nicht unzutreffend.

Ein anderer wusste zu berichten, dass seine 19-jährige Tochter jedesmal aus dem Wohnzimmer rennt, wenn ARD oder ZDF laufen. Und auch er selbst müsse sich bis 22 Uhr regelecht quälen, um bei den Öffis dranzubleiben, „bis dann endlich mal was Interessantes kommt“. Hatte zwar jetzt nicht direkt was mit „Lügenpresse“ zu tun aber die Gebühren-Diskussion regt bei solcherlei Veranstaltungen unweigerlich auch ihr hässlich Haupt. ZDF-Chefredakteur Peter Frey legte seine glatte Stirn in Falten. Soll das Fräulein Tochter eben Radio hören oder was vom ZDF in diesem Internetz angucken. Denn dafür werden auch Gebühren, Pardon: Beiträge, gezahlt. Zum Glück verkniff sich Frey einen Hinweis auf das in der Mache befindlichen ARD/ZDF Jugenddingsbums im Internet.

Eine rüstige Dame mit rumpelndem Ost-Akzent sprach irgendwas schwer Verständliches über Schrott-Reaktoren, Brennstäbe und die Firma Westinghouse. Vermutlich ein Skandal, den die anwesenden Medienfuzzis mal wieder versäumt hatten aufzuklären. So genau wurde man nicht schlau daraus. Vielleicht war es auch Udo Ulfkotte, der Schelm, als Frau verkleidet. Falls ja, dann hat er einen verdammt guten Job gemacht.

Apropos: Wie es denn sein könne, dass ein so langjähriger FAZ-Mann wie Udo Ulfkotte von der Fahnen geht, wollte ein anderer Graukopf wissen. Herr D’Inka erklärte ganz sensibel, dass er da zwar viel zu sagen könne, dies aber nicht hier vor allen Leute sagen wolle. Ganz schön stilvoll, diese Zurückhaltung. D’Inka konnte sich die aber auch leisten. Immerhin hatte schon Ex-Herausgeber-Kollege Nonnenmacher die Vorwürfe des Ulfkotte öffentlich „lächerlich und abstrus“ gelabelt und Ulfkotte weit weniger zurückhaltend einen Persönlichkeitswechsel nach schwerer Krankheit attestiert. Vulgo: Irrsinn.

Ja, sie waren kritisch, die Bürger aber auch ein wenig wirr. Oder wie es FAZ-Herausgeber D’Inka ausdrückte: „Das Publikum ist auch manchmal merkwürdig.“ So forderte eine blonde Dame, die nach eigener Auskunft sogar ein Volontariat absolviert hatte, also gleichsam fast vom Fach war, man möge bei der „Tagesschau“ und „heute“ doch bitte auf das ständige Vorlesen der Lottozahlen verzichten und auch auf den Wetterbericht. Zumindest an Tagen, an denen das Wetter „normal“ sei. Das sei dann „flexibler“. Da vibrierten die melierten und sehr straff sitzenden Haarspitzen des Herrn Frey und er verwies drauf, dass der Verzicht auf den Wetterbericht vermutlich mehr Beschwerden nach sich ziehen würde, als so manch dicker Panzer-Patzer in der vermaledeiten Ukraine-Berichterstattung. Da hat er wohl recht.

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