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Kontrollstaat Katar: ARD-Reporter wurden mehrere Tage festgehalten

Kontrollstaat Katar: ARD-Reporter Florian Bauer und sein Team wurden mehrere Tage festgehalten.

Öffentlichkeit unerwünscht: ARD-Reporter des „Morgenmagazins“ reisten ins WM-Land Katar, um von den Umständen vor Ort zu berichten. Der Trip endete beim Verhör mit dem Staatsanwalt, offenbar weil die Reporter ohne Drehgenehmigung gearbeitet hatten. Das Team durfte das Land mehrere Tage lang nicht verlassen, ihr Material wurde größtenteils gelöscht.

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ARD-Reporter Florian Bauer sowie ein Kameramann, ein Toningenieur und ein Fahrer waren in Katar unterwegs, um Aussagen der Regierung zu überprüfen. Vor rund einem Jahr sicherte Katar zu, die Bedingungen für Gastarbeiter zu verbessern. Der Wüstenstaat wird 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten, wofür derzeit zahlreiche Stadien errichtet werden.

Eigenen Aussagen zufolge habe Bauer „alles getan, was man tun muss, um eine Drehgenehmigung zu bekommen“. So seien u.a. Behörden informiert und Gesprächspartner angefragt worden. Eine Erlaubnis gab es allerdings nicht, woraufhin sich die Reporter entschieden, ihrer Arbeit trotzdem nachzugehen.

Beim Dreh Ende März geriet das Reporterteam dann in Konflikt mit den katarischen Behörden. Begleitet vom Staatsschutz seien sie zuerst auf die Polizeiwache gebracht und anschließend vom Staatsanwalt verhört worden, so Bauer. Das Material sei beschlagnahmt und erst vier Wochen nach Festnahme wieder ausgehändigt worden. Das Team durfte zwar nach 14 Stunden wieder gehen, ausreisen durften die Journalisten jedoch – offenbar nach Interventionen der deutschen Botschaft – erst wenige Tage später. Ihr gefilmtes Material habe der Staatsschutz gelöscht, Bauer habe lediglich einen USB-Stick verstecken können. Bis heute sei ihnen der offizielle Grund für die Festnahme nicht bekannt.

Katar liegt auf der Rangliste der Pressefreiheit, die jährlich von Reporter ohne Grenzen (ROG) herausgegeben wird, auf Platz 115 von 180 beobachteten Staaten. Ohne Genehmigung der Behörden ist journalistische Arbeit im Golfstaat untersagt. Bei Verstoß drohen unter Umständen langjährige Haftstrafen. Die Journalistenorganisation kritisiert den Umgang mit den deutschen Berichterstattern. „Wer wie Katar mit sportlichen Großveranstaltungen die internationale Bühne sucht, sollte sich auch einer kritischen Weltöffentlichkeit stellen“, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Zu genaueren Umständen habe sich die deutsche Botschaft in Katar auf Nachfrage von Reporter ohne Grenzen noch nicht geäußert.

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