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Ex-dapd-Chef Peter Löw will Handelsblatt-Redakteure ins Gefängnis bringen

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Berichterstattung über seine Aktiengeschäfte durch einstweilige Verfügungen stoppen zu lassen, will Ex-dapd-Chef Peter Löw nun die Handelsblatt-Investigativ-Redakteure Sönke Iwersen und Jan Keuchel sowie den ehemaligen Unternehmensressortleiter Wolfgang Reuter per Privatklage ins Gefängnis bringen.

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Als seine Nachrichtenagentur dapd im Oktober 2010 ihr Berliner Büro eröffnete, sang Inhaber Peter Löw ein Hohelied auf den Journalismus. „Sie befinden sich hier an einem Hotspot der Pressefreiheit“, sagte Löw im Beisein von illustren Gästen wie dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Heute ist klar: Es war nur ein Lippenbekenntnis.

Seit Monaten versucht Löw, drei Journalisten des Düsseldorfer Handelsblattes ins Gefängnis zu bringen. Ihr „Verbrechen“ nach Meinung von Peter Löw: Sie berichteten unangenehme Details aus dem Geschäftsgebaren von Peter Löw.

Handelsblatt-Investigativ-Chef Sönke Iwersen und Handelsblatt-Reporter Jan Keuchel schilderten 2014 in mehreren Artikeln Löws dubioses Verhalten im Zusammenhang mit Aktienverkäufen des Unternehmens Gigaset und beim Börsengang der Adler Modemärkte. Löw wertete dies nicht als Freiheit der Presse sondern als illegale Attacke. Er engagierte Bub Gauweiler & Partner, die Kanzlei des ehemaligen stellvertretenden CSU-Vorsitzender Peter Gauweiler.

Die Kanzlei bemühte zunächst das Presserecht. Anwalt Michael Philippi versuchte gleich in sechs einstweiligen Verfügungsverfahren an drei verschiedenen Gerichtsstandorten (Berlin, Düsseldorf, Köln), Passagen aus den Handelsblatt-Artikeln untersagen zu lassen. Doch Philippi scheiterte auf breiter Front – in allen sechs Verfahren entschieden die Gerichte gegen ihn oder Philippi nahm seine Anträge nach eindeutigen Hinweisen der Gerichte selbst zurück. Es bleibt noch die Möglichkeit, Hauptsacheverfahren anzustrengen.

Klage wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung

Löw will sich aber mit dem Presserecht nicht begnügen. Er sieht in der Berichterstattung des Handelsblattes ein handfestes Verbrechen, für das die „Täter“ ins Gefängnis sollen. An seinem Wohnsitz Starnberg betreibt der Schlossbesitzer deshalb nicht nur gegen Iwersen und Keuchel, sondern auch gegen Wolfgang Reuter ein strafrechtliches Privatklageverfahren wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung. Reuter leitete bis vor kurzem das Handelsblatt-Ressort Unternehmen & Märkte, in dem die Artikel von Iwersen und Keuchel erschienen.

Die Bestrafung der Journalisten, die über ihn berichteten, müsste nach Ansicht von Löw relativ hoch ausfallen. Sein Anwalt Philippi nannte in seiner Klageschrift zunächst ein Strafmaß von einem  Jahr. Wegen der „besonderen Schwere der Tat“ sei in diesem Falle eine doppelte „Strafschärfung“ gegeben – und deshalb auch fünf Jahre Gefängnis für die Handelsblatt-Redakteure möglich.

Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs will sich durch die Drohkulisse nicht einschüchtern lassen. „Herr Löw definiert nicht die Pressefreiheit in Deutschland. Wir berichten über ihn genauso kritisch wie über jeden anderen auch. Ich habe vollstes Vertrauen in meine Redakteure.“
Tatsächlich wird das Handelsblatt bereits seit Jahren häufig ausgezeichnet, Ingwersen und Keuchel zuletzt mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse.

Peter Löws Vorstellungen vom Zeitungsgeschäft waren dagegen nicht mit der Realität übereinzubringen. 2012 sei „das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte!“ gewesen, sagte er seinen Mitarbeitern beim Sommerfest im September 2012. „Wir sind auch einer der größten Jobmotoren in dieser journalistisch geprägten Branche.“ Am 2. Oktober 2012 stellte die dapd einen Insolvenzantrag.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Seite 3 des heutigen Handelsblatt.
MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. 

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