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Middelhoff-Kaution: Marseille-Kliniken verlangen vom Spiegel 199,20 Euro für Journalisten-Anfrage

Der Spiegel-Redaktuer Gunther Latsch stellt eine Presseanfrage an die Hamburger Marseille-Kliniken. Er will wissen, ob Unternehmer Ulrich Marseille die Kaution für den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gestellt hatte. Statt einer anständigen Antwort bekommt er einen Kostenvoranschlag: Denn beim Klinik-Verbund sind Presseanfragen seit letztem Jahr kostenpflichtig.

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„Für die Beantwortung der Anfrage, Recherche“ sowie die „Auswertung von Unterlagen“ veranschlagte das Unternehmen 148 Euro, berichtet das Handelsblatt. Hinzu kamen 20 Euro „Schreibgebühr“. Insgesamt stellte das Presseteam des Unternehmens dem Spiegel-Redakteur so 199,20 Euro in Rechnung.

Den Preis erachteten die Kliniken offenbar sogar als recht günstig. Wie es in einem Begleitschreiben an Latsch heißt, habe man „entgegenkommender Weise“ nur die Mindestsätze der Preisliste veranschlagt.

Der Redakteur zahlte natürlich nicht, sondern schaltete das Hausjustiziariat ein. Das wiederum teilte den Marseille-Kliniken mit, dass man keine Gebühr entrichten werde. Die Pressestelle antwortete  mit erneutem Verweis auf das „Sonderangebot“: „Wir bieten Ihnen ausdrücklich unsere Dienstleistung an, damit Sie Ihre Berichterstattung über Herrn Middelhoff verkaufsfördernder gestalten können.“

Die gestellte Presseanfrage wurde letztlich nicht beantwortet, der Spiegel brachte seine Meldung zur Middelhoff-Kaution ohne eine Stellungnahme der Marseille-Kliniken. Auf eine Anfrage des Handelsblatt zur Pressepolitik reagierte das Unternehmen nicht.

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