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Sag mir, wen du likest … Alan Poseners Facebook-Frühjahrsputz in Sachen Pegida

Der Journalist und Redakteur bei Axel Springers Die Welt, Alan Posener, hat seine Facebook-Seite aufgeräumt. Facebook-”Freunde”, die die Seite der Pegida-Bewegung oder andere dubiose Vereinigungen “liken” hat er öffentlich benannt und entfreundet. Mit seinem Frühjahrsputz stieß er eine Diskussion über die Like-Kultur bei Facebook an.

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Alan Posener recherchiert gerade für einen Text über die Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling, die gerne Oberbürgermeisterin von Dresden werden möchte. Als er bei Facebook zu Recherchezwecken die Pegida-Seite bei Facebook aufrief, sei er, wie er sagt, geschockt gewesen. Das Soziale Netzwerk zeigte ihm, dass einige seiner Facebook-”Freunde” offenbar auch Pegida-”Freunde” sind. Muss nicht sein, dachte sich Posener, machte die Pegida-F unter seinen Facebook-”Freunden” öffentlich und kündigte an, sie zu entfreunden.

Und folgenden „Freunden“ gefällt die offizielle PEGIDA-Seite. Da das eine bewusste Entscheidung ist, gibt es keine…

Posted by Alan Posener on Mittwoch, 15. April 2015

Unter dem Posting entwickelte sich eine Diskussion darüber, was es eigentlich bedeutet, wenn man eine Facebook-Seite liked. Einige erklärten, sie seien aus “investigativen Gründen” Fans der Pegida-Seite, um herauszufinden, wie die Pegida tickt. Ein Argument, das Posener nicht gelten lässt. Im Gespräch mit MEEDIA sagt er: “Das ist doch Quatsch! Wenn man das will, kann man auch ohne zu liken auf deren Facebook-Seite gehen. Ich will auf meiner Facebook-Seite keine ‚Freunde‘, die sich offen zu Pegida bekennen.“

Posener reklamiert für sich und seine Facebook-Seite ein digitales Hausrecht. Wer sich daneben benimmt, fliegt raus. Den Vorwurf des Facebook-Prangers lässt er auch nicht gelten: „Für mich ist Facebook so eine Art öffentliches Wohnzimmer. Wer dort etwas liked, der macht das öffentlich und sollte sich auch dazu bekennen. Oder schämen sich die Leute, die Pegida liken etwa dafür? Dann sollten sie das auch nicht liken.“

Der Welt-Journalist benannte auch Facebook-”Freunde”, die Mitglied der geschlossenen Gruppe “Pegida – jetzt erst recht” sind. Weitere 15 seiner Facebook-”Freunde” drückten “Gefällt mir” bei der rechtsextremen und islamfeindlichen “German Defence League”. “Was haben die nur für seltsame Interessen”, schreibt Posener.

15 meiner „Freunde“ machen bei der „German Defence League“ den Daumen hoch. Aber natürlich nur, weil es sie „interessiert“. Was haben die nur für seltsame Interessen?

Posted by Alan Posener on Donnerstag, 16. April 2015

Im analogen Leben käme vermutlich niemand auf die Idee, zum Beispiel eine rechtsradikale Zeitung zu abonnieren, ohne die entsprechende Gesinnung zu teilen. Im Analogen sind die Hürden höher. Ein Facebook-Like ist dagegen schnell geklickt und er wirkt so unverbindlich. Vielleicht sollten man tatsächlich ein wenig mehr darüber nachdenken, dass man beim Klick auf den Gefällt-mir-Knopf in der Tat ein öffentliches Bekenntnis abgibt und die entsprechenden Gruppen stärkt, ihnen eine weitere Stimme gibt, dafür sorgt, dass sich deren Ansichten verbreiten.

Insofern ist so ein Frühjahrsputz bei Facebook gar keine schlechte Idee.

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