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Politiker-Statements, Negativ-Meldungen: Das nervt die Zuschauer an der „Tagesschau“

Zuletzt stiegen die Zuschauerzahlen sogar leicht. Doch selbst die „Tagesschau“-Macher wissen, dass es an der Zeit ist, die Sendung zu überarbeiten. Denn der leichte Quoten-Boom liegt an der Nachrichtenlage (Germanwings-Absturz, Charlie Hebdo-Anschlag) und nicht an der inhaltlichen Qualität der TV-Institution. Nach einer TNS Emnid-Umfrage nervt die Zuschauer an der „Tagesschau“ am meisten die vielen Politiker-Statements, Negativ-Meldungen und zu viel Außenpolitik.

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Die Meinungsforscher befragten die Zuschauer im Auftrag von Bauers TV-Zeitung Auf einen Blick. 29,2 Prozent aller Befragten antworteten, dass sie die vielen Wortmeldungen von Politikern stören würden. Gefolgt von den vielen Negativ-Meldungen (28,6 Prozent).

Diese Zahl ist deshalb schon interessant, weil sie wohl einer der wichtigsten Gründe für die positive Quoten-Entwicklung der Nachrichten-Sendung ist. Nach einer Auswertung der Marktforschungsfirma Media Control verbesserte das ARD-Nachrichten-Flaggschiff seine durchschnittliche Zuschauerzahl von 5,29 Millionen (Marktanteil: 17,1 Prozent) pro Ausgabe im Jahr 2014 auf aktuell 5,36 Millionen (17,4 Prozent). Auch die “heute”-Sendung um 19 Uhr gehörte zu den Gewinnern der ersten Monate des Jahres.

Gegenüber Auf einen Blick sagte Christian Nitsche, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell, zum Thema Bad-News: „Dass die Nachrichten immer wieder von Negativ-Meldungen geprägt waren, war durch die gravierenden Entwicklungen im Ausland unvermeidbar“. Er verspricht jedoch: „Dennoch bemühen wir uns, Positivbeispiele in die Berichterstattungen aufzunehmen.“

Weiter stören sich die Zuschauer an zu wenigen Themen aus Deutschland (25,1 Prozent) und zu viel Sport (20,2 Prozent). Allerdings sagen auch 15 Prozent, dass Fußball & Co. zu wenig Platz in der Sendung einnehmen würden. Immerhin 13 Prozent kritisieren die „Tagesschau“ für ihre unverständliche Sprache und zwölf Prozent stören sich an der Eingangsmusik.

Nicht gefragt hat die Studie nach der – gefühlten – Objektivität der Berichte. In den vergangenen Monate wurde die „Tagesschau“ wieder für die angebliche Einseitigkeit vieler Beiträge, vor allem im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt, kritisiert. Chefredakteur Kai Gniffke reagierte bereits und kündigte Veränderungen an: Es könne darauf hinauslaufen, dass die Redaktion in Zukunft die Zahl der Themen reduzieren wird, um die verbleibenden ausführlicher aufzubereiten. “Die Möglichkeiten für Jedermann, unsere Arbeit zu überprüfen und nachzurecherchieren, haben sich durch das Internet und soziale Netzwerke erheblich ausgeweitet”, so Gniffke.

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