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Downgrades für Apple: Analysten warnen vor iPhone-Abschwung

Apple CEO Tim Cook, Nachfolger des iPhone 6: Analysten arwöhnen, dass die Ausbaustufe "6s" kein so großer Verkaufshit wird wie das Vorgängermodell

Ungewohntes Bild beim wertvollsten Konzern der Welt: Gleich zweimal wurde Apple vergangene Woche an der Wall Street von Analysten herabgestuft. Der Grund: Die Banken sorgen sich um die anhaltende Anziehungskraft des iPhones. Während der unbekanntere Finanzdienstleister Raymond James mit Einführung des iPhones 6s sogar erstmals mit rückläufigen Verkäufen rechnet, will die französische Großbank Société Générale schon aktuell eine ungewöhnlich große Nachfrage nach dem Vorgängermodell iPhone 5s ausgemacht haben.

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Es ist die Mutter aller Abstiegsszenarien für den aktuell mit Abstand wertvollsten Konzern der Welt: Was passiert eigentlich, wenn die Nachfrage nach dem Kassenschlager iPhone einmal nachlässt? Diese Sorge trieb Anleger vor zwei Jahren so sehr um, dass sich die Apple-Aktie binnen eines halben Jahres fast halbierte: Apple schien mit dem iPhone 5 und dem kleinen Update 5s nicht die Smartphones zu besitzen, die sich Kunden wirklich wünschten – nämlich die großen Phablet-Modelle.

Im vergangenen September revidierte Apple den Malus in ungewohnter Weise mit gleich zwei neuen Modellen: dem 4,7 Zoll großen iPhone 6 und dem sogar 5,5 Zoll großen iPhone 6 Plus, die sofort einschlugen und sich in Rekorddimensionen verkauften. Allein im Weihnachtsquartal konnte Apple enorme 74,5 Millionen Einheiten absetzen – ein sattes Plus von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Wall Street-Erwartungen an die nächste iPhone-Generation sind gedämpft

Zwei Wochen vor Bekanntgabe der nächsten Quartalsbilanz für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende März schlagen erste Analysten nun doch Alarm. Dass Apple den gigantischen Verkaufserfolg im Weihnachtsquartal kaum wiederholen kann scheint absehbar, auch wenn wiederum das chinesische Neujahrsfest den Umsatzrückgang von Quartal-zu-Quartal abfedern dürfte.

Doch was passiert in den nächsten fünf Monaten, bevor die neue iPhone-Generation auf den Markt kommt – und vor allem: was passiert danach? Dass Apple zumindest optisch kaum Veränderungen an seiner Produktlinie vornehmen wird, gilt als ausgemacht.

iPhone 6s, iPhone 6s Plus dürften so aussehen wie die aktuellen Modelle und nur unter der Oberfläche in Form eines schnelleren, ausgerechnet von Samsung hergestellten Prozessors und einer besseren Kamera überholt werden, während das 4-Zoll-Modell als iPhone 6c sich eher in der Namensgebung und bei der Chipverbauung vom gegenwärtigen Plastik-iPhone unterscheiden dürfte.

Raymond James rechnet 2016 erstmals mit iPhone-Verkaufsrückgängen

Bleibt die alles entscheidende Frage: Reicht das, um den iPhone-Absatz dann auch im neunten Jahr noch mal zu steigern? Skeptisch äußerte sich dazu am Freitag der Finanzdienstleister Raymond James. Analyst Tavis McCourt warnte Kunden in einer Mitteilung, dass die iPhone-Verkäufe in Apples Fiskaljahr 2016, das bereits im Oktober dieses Jahres beginnt, erstmals seit Debüt des Kultsmartphones 2007 von für 2015 geschätzten 226 Millionen Einheiten auf dann 215 Millionen Stück zurückgehen würden.

Die Sorgen teilt auch die französische Société Générale. Analyst Andy Perkins erklärte in der vergangenen Woche gegenüber Bankkunden: „Das große Loch in den vorangegangen iPhone-Portfolios“ – gemeint sind die größeren Modelle – „wurde gefüllt“. In anderen Worten: Der Anreiz, ab September ein iPhone 6s zu kaufen, dürfte bei Besitzern eines iPhone 6 kaum vorhanden sein. Bleibt nur die Frage, ob Apple nach 12 Monaten mit dem iPhone 6 und 6 Plus noch genügend Kunden mobilisieren kann, die noch ein iPhone 5 und 5s besitzen nun noch nach zweijähriger Vertragslaufzeit auf ein iPhone 6s und 6s Plus umsteigen zu wollen.

Société Générale rechnet mit ungewöhnlichem iPhone 5s-Comeback

Doch Perkins ist bei seinen Nachforschungen bereits jetzt auf eine ungewöhnliche Veränderung im Bestellverhalten bei den Zulieferern gestoßen: So soll das nur 4 Zoll große Vorgängermodell iPhone 5s im abgelaufenen Quartal ein höchst ungewöhnliches Comeback erlebt haben. Nach Erhebungen des Société Générale-Analysten sollen sich die Absätze des kleineren iPhones von 10 auf 20 Prozent im Dreimonatszeitraum Januar bis März verdoppelt haben.

Das würde im Umkehrschluss bedeuten: Apple hätte am kleinen iPhone auch entsprechend weniger verdient, wird das iPhone 5s doch mit einem Abschlag von 100 Euro / Dollar zum iPhone 6 und sogar mit einem Abschlag  von 200 Euro / Dollar zum iPhone 6 Plus verkauft. Ergo: Beide Analysten sehen schwierigere Zeiten auf die Apple-Aktie, die binnen des vergangenen Jahres stolze 71 Prozent an Wert gewonnen hat, zukommen – und stufen den Techpionier daher herab.

Für Andy Perkins von der Société Générale wie auch für Branchenkollegen Tavis McCourt ist Apple daher nur noch eine Halteposition – Perkins nennt als Kursziel die 130 Dollar-Marke, in deren Nähe die Aktie aktuell tendiert. McCourt, der bei Apple inzwischen „mehr Risiko als mögliche Belohnung“ sieht, weist zudem auf einen weiteren Störfaktor hin, der in der vergangenen Woche in den ersten Testberichten offenbar wurde: Die Apple Watch könnte möglicherweise den turmhohen Erwartungen des ersten Produktlaunches seit 2010 nicht entsprechen.

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