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„Auf Distanz“: Warum das Spiegel-Exklusiv-Zitat von Ferdinand Piëch nicht im Spiegel steht

Ein Zitat mit erdbebenähnlicher Wirkung für den Volkswagen-Konzern hat Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dem Spiegel geliefert. Nur in das Blatt schaffte es der Text nicht. Die Redaktion freut sich trotzdem.

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In der Blattkritik des Nachrichtenmagazins Der Spiegel am Montagmorgen spielte die Berichterstattung über die Zukunft des VW-Konzerns nur kurz eine Rolle, berichten Teilnehmer. Dabei haben Medien im ganzen Land in den vergangenen Tagen vor allem von einer Handvoll Zitate gelabt, die Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dem Spiegel-Redakteur Dietmar Hawranek in den Block diktiert hatte. Er sei „auf Distanz“ zu Winterkorn, so Piëch. Der Volkswagen-Konzern bebte wenige Augenblicke später, der Wirtschaftsjournalismus in Deutschland ebenfalls.

Doch wer die Zeitschrift aufschlägt, kann lange durch den dreiseitigen Artikel blättern – ein aktuelles Zitat Piëchs findet sich nicht. Das Problem: Piëch war erst nach Drucklegung des Magazins zu sprechen. Hawranek lieferte den Text mit explosivem Inhalt an Spiegel Online. Die digitale Ausgabe des Heftes etwa für Tablet-Computer wurde nachträglich am Ende um einen Hinweis ergänzt. Doch im Nachrichtenmagazin fand sich die Nachricht nicht.

In der Spiegel-Konferenz am Montag wurde die gute Zusammenarbeit in der Sache zwischen Blatt und Online-Redaktion gelobt. Ein Zeichen dafür, dass sich die Grabenkämpfe zwischen Print und Online mit dem jüngsten Chefredakteurswechsel von Wolfgang Büchner zu Klaus Brinkbäumer beim Blatt gelegt haben könnten.

Dennoch: Das Kaufargument für die Zeitschrift war an diesem Samstag geschwächt. Vielleicht war Piëch einfach entgangen, dass das Blatt seit Januar mittlerweile samstags statt montags erscheint. Mit dem Schritt will der Verlag den sinkenden Verkaufszahlen entgegnen.

Bei Spiegel Online ist am Montag weiterhin davon die Rede, dass Piëch das Zitat dem Spiegel gegeben habe, nicht Spiegel Online. Montag ist vielleicht doch noch ein bisschen Spiegel-Tag.
Von Martin Dowideit
Dieser Text erschien ursprünglich bei Handelsblatt.com

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