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„Das große Schlüpfen“, Kerner und eine renitente Vogelspinne

Ihr Name war "Rambo"

Man muss ja froh sein. Es hätte alles viel, viel schlimmer kommen können bei der ZDF-Show „Das große Schlüpfen“. Die Verpflichtung von Johannes B. Kerner, die grundbescheuerte Idee, in einer Live-Show Eier ausbrüten zulassen, die hochnotpeinlichen Video-Clips, die im Vorfeld vom ZDF lanciert wurden. Alles deutete auf ein Festival der Peinlichkeiten hin. Aber das fiel gottlob genauso aus wie das „große Schlüpfen“.

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Wer zur Hölle kommt auf so eine Idee: In einer Live-Show werden Tier-Eier beim Ausbrüten beobachtet und man hofft, dass während der Show möglichst viele Tierchen schlüpfen. Dazu gibt es einen „Schlüpf-Alarm“ in Form eines pulsierenden Eis, das eingeblendet wird, wenn es mal wieder soweit ist. Blöd halt, dass während der Show kein einziges Tier so ganz aus dem Ei rauskommen wollte. Man konnte es den Tierchen kaum verdenken – bei dem Show-Eier-Tanz, der um sie herum veranstaltet wurde …

Ein einziges Mal wurde der „Schlüpf-Alarm“ ausgelöst, aber auch da wollte der kleine Vogel Strauss nicht wirklich aus dem Ei. Ein Helfer zog das Tierchen ein bisschen am Kopf raus – natürlich total artgerecht – damit das ZDF wenigstens einmal die für diesen Anlass vorbereitete süßliche „Ein Leben ist geboren“-Musik einspielen konnte.

Kerner rannte emsig hin und her, versicherte, man werde der „Natur ihren Lauf lassen“ und das hier sei eben „Leben live“. Wie hoch denn nun die Wahrscheinlichkeit sei, dass im Laufe der Sendung vielleicht doch noch irgendwer aus irgendeinem Ei käme, wollte er dauernd von dem Tierexperten wissen, der ein ums andere mal die Achseln zuckte. Wer weiß? Ein paar Stunden? Ein paar Tage? So ist es halt, „das Leben“!

Hätte man in guter alter Big-Lebowski-Manier jedesmal einen White Russian gekippt, wenn Kerner „schlüpfen“ oder „das Leben“ gesagt hätte, man hätte das Ende der 90-Minuten-Show nicht bei Bewusstsein erlebt.

Als prominente Gäste warten Armin Rohde, Sonja Zietlow und Magdalena Neuner geladen. Rohde hat für einen Filmbeitrag ein Bartgeier-Nest in den Hohen Tauern von ziemlich weit weg durchs Fernglas gesehen. Magdalena Neuner war nach Norddeutschland gereist, um für Storch „Peter“ ein Nest zu bauen. Doch der ließ sich nicht blickeN, hing laut Peilsender irgendwo bei Syrien fest. Hoffentlich nix mit dem IS.

In der Show sollte Frau Neuner dann eine monströs ausschauende Vogelspinne auf die Hand gesetzt bekommen. Man kennt das: Person mit Spinnenangst bekommt riesige Vogelspinne auf die Hand gesetzt. Spinne tut nix. Person ist begeistert, wie leicht und „kuschelig“ die Spinne doch ist. Noch nicht einmal das klappte beim „großen Schlüpfen“. Die Vogelspinne hatte keine Lust, wollte partout nicht auf die Hand von Magdalena Neuner und versuchte dann noch ihren Pfleger zu beißen, das Mistvieh. So ist es, „das Leben“.

Aber natürlich waren die kleinen Küken und das Baby-Chamäleon possierlich anzuschauen. Die Küken durften sich freuen: Weil im ZDF alles so megamäßig artgerecht zuging, wurden die männlichen Küken nicht vor laufender Kamera geschreddert, wie das sonst in industriellen Tierhaltungskreisen üblich ist.

Bei aller Spöttelei: Die gute Absicht bei dieser Show war erkennbar. Der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen wurde ernstgenommen. Die Tiere in der Sendung waren sicher gut versorgt. Man hat so ein bisschen interaktiven Klimbim vor und nach der Show veranstaltet. Dass sie beim ZDF jetzt für sowas halt keinen Moderator mit Witz haben, sondern immer wieder bloß den Kerner – ja mei.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass das so ein Format besser halb so lang als produzierte Sendung funktioniert hätte. Und dass „das Leben“ sich standhaft weigerte, ins Sendeschema des ZDF gequetscht zu werden. Letztlich dann doch eine frohe Oster-Botschaft. Und Gruß an die renitente Vogelspinne!

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