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Welt-Chef Peters zur Germanwings-Katastrophe: Warum ich den Namen des Co-Piloten nicht nenne

Gerade in Katastrophen wie dem Absturz der Germanwings-Maschine zeigt sich, dass der Journalismus lebt. Leidenschaftlich wird berichtet und debattiert, wie man mit der Trauer, den Opfern und der Identität des Co-Piloten umgehen soll. In einer internen Mail, die MEEDIA vorliegt, erklärt Welt-Chef Jan-Eric Peters seinen Standpunkt, den vollen Namen nicht zu nennen: „Journalisten sind nicht zwingend Zyniker“.

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Wir dokumentieren die Mail von Jan-Eric Peters im Wortlaut:

 Liebe Redaktion,

auch gestern wieder: eine große Teamleistung! Wir haben schnell und umfangreich berichtet, zugleich angemessen und gehaltvoll. Auf allen Kanälen besser als die Konkurrenz, sehr gut, vielen Dank!

Wir haben gestern entschieden, weder den vollen Namen des Co-Piloten zu nennen noch sein Gesicht unverpixelt zu zeigen (obwohl wir sein Foto als erste sogar vor „Bild“ hatten). Eine gute und richtige Entscheidung, davon bin ich auch heute noch überzeugt, auch wenn sie vielleicht ein bisschen altmodisch erscheint und manch andere Medien anders verfahren sind.

Der Kommentar der NZZ zu diesem Thema: „Niemand fragt, ob die Faktenlage schon eindeutig klar ist und ob aus dem Mund der französischen Staatsanwaltschaft stets die Worte Gottes zu hören sind. Stumm sind jene zahlreichen Akteure, die sonst stets kritisch die Stimmen von Staatsvertretern kommentieren. Eine gewisse Vorsicht bei der Einordnung, Einschätzung und Wiedergabe von hochaktuellen Ereignissen wäre ein Gebot der selbstkritischen Vernunft.“

So werden wir es auch weiter halten. Vor der Metaebene der Medienberichterstattung kommt heute wieder die Berichterstattung selbst. Wir werden je nach Nachrichtenlage berichten, seriös und angemessen. Das kann natürlich auch bedeuten, dass wir das Foto des Co-Piloten zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. Unsere Zeitungen sollten nach jetzigem Stand wieder in die normale Seitenstruktur zurückkehren.

Ich werde gleich für viele Stunden in einem Flugzeug sitzen mit hoffentlich fitter Crew. Ulf und Arne sind in charge.

Viel Erfolg!

Shalom!
jep

In einem PS heißt es unter anderem:

Es sind schwierige und traurige Tage. Aber auch Tage, die zeigen, dass der Journalismus lebt. Und dass Journalisten nicht zwingend Zyniker sind.

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