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„Für Rückfragen wenden Sie sich an Jan Böhmermann“: So reagiert eine Grünenpolitikern auf eine Bild-Umfrage

Tabea Rößner, Medien-Sprecherin der Grünen, findet auf eine Bild-Umfrage eine ganz eigene Antwort. Foto: Stefan Kaminski / Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Bild fragt Bundestagsabgeordneten, wie sie zu einem möglichen dritten Hilfspaket für Griechenland stehen. Auch Nicht-Antworten würden dokumentiert. Tabea Rößner, Grünen-Sprecherin für Medien macht die Umfrage öffentlich und reagiert mit der Gegenfrage, wie lange Bild ihre „andauernde Kampagne“ gegen Griechenland noch fortführen wolle.

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Die Bild-Zeitung hat Mitglieder des Bundestages dazu aufgefordert, an einer Griechenland-Umfrage teilzunehmen. Die Politik-Redaktion von Springers Boulevardblatt möchte von den Abgeordneten wissen, „ob sie auch einem möglichen dritten Hilfspaket für Griechenland zustimmen würden.“ Wie im Bundestag sollen die Politiker mit Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung antworten.

Bild stellt die Frage offenbar, weil der griechische Ministerpräsident Alexander Tsipras in Brüssel gerade um neue Hilfsgelder von den EU-Staaten verhandelt hat, und nutzt die Gelegenheit um nochmals deutlich zu machen, wie viele Euros bereits an den Krisenstaat gegangen sind. „Für den deutschen Steuerzahler stehen bereits 71 Milliarden Euro auf dem Spiel. Das sind rund 850 Euro für jeden Bürger Deutschlands – und nach Aussage des Bundes der Steuerzahler insgesamt mehr, als Griechenland allen seinen privaten Gläubigern weltweit schuldet“, schreibt die Bild an die Abgeordneten. Gleichzeitig erinnert sie an den Artikel 38 aus dem Grundgesetz, nach dem Abgeordnete nicht an Aufträge und Weisungen gebunden sind, sondern ihrem Gewissen unterworfen.

Für Rößner war das offenbar eine Provokation. Sie antwortet auf die von Bild-Umfrage öffentlich und macht deutlich, dass sie ihre Entscheidung „sorgfältig prüfen und dann abstimmen“ werde. Und dass derzeit noch kein Hilfspaket, über das entschieden werden könne, bereit liege.

Dann erlaubt sich Rößner in Anspielung auf die Grundgesetz-Bemerkung der Bild eine Gegenfrage:

Als Zeitung haben Sie nach Art 5 Grundgesetz das Recht zur freien Berichterstattung unter Berücksichtigung journalistischer Sorgfaltspflichten. Vor diesem Hintergrund möchte ich alle Bild-Journalisten bereits heute fragen, ob die BILD-Zeitung beabsichtigt ihre andauernde Kampagne, in der pauschal ein ganzes Volk stigmatisiert und diffamiert wird, fortzuführen – und wie begründen Sie das?

Die „Kampagne“, die Frau Rößner meint, bezieht sich auf die Griechenlandberichterstattung der Bild-Zeitung aus den vergangenen Wochen. Bild positioniert sich ganz klar gegen weiteres Geld für Griechenland, legt einen Ausstieg aus der Euro-Zone nahe. Vor zwei Wochen sorgten die Bild-Macher mit einer Selfie-Kampagne für Aufsehen, mit der sich Leser gegen Griechenlandhilfen aussprechen sollten. Die Aktion sei eine „politische Kampagne“ und damit ethisch nicht korrekt gewesen, lautete die Kritik vom DJV.

Zur Ethik erlaubt sich Rößner auch noch einen Satz. „Für Rückfragen bezüglich journalistischer Ethik wenden Sie sich gerne an: DJV, DJU, den BILD-Blog oder Jan Böhmermann.“

Bei Twitter bekommt die Antwort der Bundestagsabgeordneten viel positive Resonanz. Im Netzwerk meldete sich auch Bild.de-Chef Julian Reichelt zu Wort:

Dass es sich bei Rößners „Hinweis auf Gesetze“ lediglich um eine Replik im selben Duktus wie die Bild-Umfrage (Inklusive Deadline) handelt, ist Reichelt dabei offenbar entgangen.

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