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Interessenskonflikt: Krautreporter arbeitet auch für die Bundesregierung

Danijel Višević (l.), Krautreporter Chefredakteur Alexander von Streit

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Die Sache mit der Transparenz ist nicht ohne Tücken. Am Dienstag veröffentlichte Krautreporter-Chefredakteur Alexander von Streit einen Beitrag in eigener Sache. Er teilt mit, dass der Krautreporter-Spezialist für Kriegsfolgen und Start-ups, Danijel Višević, auch für die Bundesregierung arbeitet, nämlich für das Video-Format „Die Woche der Kanzlerin“. Der Interessenskonflikt hat zu internen Diskussionen bei dem Online-Magazin geführt. Višević lässt seine Tätigkeit für Krautreporter nun ruhen.

Krautreporter-Chefredakteur von Streit schreibt:

Meine Einschätzung über das Konfliktpotenzial einer solchen PR-Tätigkeit war falsch. Was Sebastian und ich nicht beachtet haben: Eine dauerhafte Tätigkeit für das Bundespresseamt überschneidet sich fast mit fast allen Themen, die wir bearbeiten.

So hat Višević u.a. über posttraumatische Belastungsstörungen von Bundeswehrsoldaten berichtet. Ein Hinweis, dass der Autor auch für die Regierung tätig ist, fehlte bei dem Stück, wurde mittlerweile aber nachgereicht. Von Streit, Herausgeber Sebastian Esser und Geschäftsführer Philipp Schwörbel hätten bei den Krautreportern zwar Bescheid gewusst, aber nicht alle Redaktionsmitglieder waren über die Tätigkeit von Višević für die Regierung informiert. Dies bezeichnet von Streit nun als Fehler.

Da die Krautreporter keine Vollzeitstellen finanzieren, habe man sich bei der Gründung bewusst gegen einen Ausschluss von zusätzlichen, bezahlten Tätigkeiten entschieden. Alle Krautreporter arbeiten laut von Streit noch für andere Auftraggeber. In den Redaktionsrichtlinien der Krautreporter ist aber festgeschrieben, dass Autoren ihre journalistische Tätigkeit für das Online-Magazin von Tätigkeiten in der PR oder für andere Auftraggeber getrennt halten sollten. Sollte es einen Interessenskonflikt geben, sei dieser zu kennzeichnen.

Soweit, so klar. Nur war es eben offenbar so, dass im Falle von Višević diese Selbstkontrolle versagte. Weder der Autor noch die Redaktionsleitung waren bei der Veröffentlichung auf die Idee gekommen, dass seine Texte eine Offenlegung benötigt hätten. Nun lässt Višević seine Tätigkeit für die Krautreporter ruhen, so lange er noch für „Die Woche der Kanzlerin“ arbeitet. Von Streit kündigt außerdem an, eine Liste der bezahlten Nebentätigkeiten in PR und Öffentlichkeitsarbeit der Krautreporter-Stammautoren zu veröffentlichen. Eine Maßnahme, die unweigerlich an den unglücklichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück erinnert. Die Krautreporter haben gerade keinen besonders guten Lauf.

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