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Compliance-Kodex: Presserat sieht Initiative vieler DAX-Unternehmen als Ergänzung

Beim Presserat sind im vergangenen Jahr weniger Beschwerden eingegangen

Der Deutsche Presserat begrüßt den neuen Compliance-Kodex, der innerhalb eines Unternehmens den Umgang mit den Medien regeln soll. Die Richtlinien, an der zahlreiche Dax-Konzerne mitgewirkt haben, seien eine „sinnvolle Ergänzung zu den etablierten und anerkannten ethischen Grundsätzen des Pressekodex.“

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Mit Veröffentlichung des Compliance-Kodex zeigte sich die Wirtschaft um die Unabhängigkeit der Medien besorgt, weil es mittlerweile zu einfach geworden sei, sich redaktionelle Berichterstattung zu erkaufen. Experten aber sehen auch die Wirtschaft in der Pflicht, ihren Einfluss auf die Presse zu reglementieren und unterstützen die Idee.

Dem schließt sich das Gremium des Deutschen Presserats offenbar an. Er stehe für die Freiwillige Selbstkontrolle von Journalisten. Er könne jedoch nicht die Versuche der Einflussnahme von außen auf die Redaktionen verhindern, heißt es in einer Mitteilung. „Der Kodex für Unternehmen greift die anerkannten ethischen Grundsätze auf, die der Presserat seit Jahrzehnten verteidigt“, so Presseratsprecher Tilmann Kruse.

Im neuen Compliance-Kodex ist aufgeführt, wie sich Unternehmen gegenüber der Presse zu verhalten sollten. So sollen Journalisten beispielsweise keine direkten oder indirekten Vorteile gewährt werden, um die Entscheidungsfreiheit der Medien über redaktionelle Inhalte nicht zu beeinflussen.

Während es keine wesentlichen Kritiken am Compliance-Kodex gibt, verschärft er das Bild einer immer unglaubwürdigeren Presselandschaft. Dort würden Anzeigenabteilung und Redaktion nicht mehr nur auf dem Papier zusammenwachsen, „sondern vor allem auf weiteren Geschäftsfeldern wie Podiumsdiskussionen, Kongressen, Preisverleihungen, wo die Teilnehmenden zahlen müssen“, kritisiert Roland Tichy im Gespräch mit MEEDIA. Ein Aufweichen der Grenzen erkennt Bernd Ziesemer, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatt, aber auch seitens der Unternehmen. Was Redaktionen angeht, ist sich Ziesemer aber sicher: „Wer die Trennung aufgibt, schaufelt sein eigenes Grab.“

Eine ähnliche Regelung hat auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) in seine Richtlinie „PR und Journalismus“ aufgenommen. Der DRPR hat den Deutschen Kommunikationskodex für den PR-Bereich bereits im Jahr 2012 vorgestellt.

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