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Immer wieder Panzer-Probleme: ZDFheute.de zeigt falsche Russenpanzer zu Ukraine-Ticker

Ersetzte ein altes Panzerbild durch ein nicht ganz so altes: die Online-Redaktion von "ZDF heute".

Die Online-Redaktion der „ZDF heute“-Nachrichten hat in seiner Ukraine-Berichterstattung geschummelt. Vergangenen Donnerstag berichtete das Portal unter Berufung auf das ukrainische Militär von 50 in die Ukraine einfahrenden russischen Panzern und zeigte dazu Fotos – allerdings solche aus Georgien aus dem Jahre 2009. Auch nach Behebung des redaktionellen Fehlers passt die Bildberichterstattung nicht zur aktuellen Lage.

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Ins seinem „Liveblog“ tickerte ZDFheute.de vergangene Woche zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Friedenskonferenz in Minsk, an der neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Frankreichs Regierungschef Francois Hollande, der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko und Wladimir Putin teilnahmen.

Eine Nachricht und Aufmacher des Blogs war eine Meldung des ukrainischen Militärs, dass 50 russische Panzer registriert worden seien, die die Grenze zur Ukraine überschritten haben sollen (auch andere Medien wie Focus Online, Tagesspiegel.de oder Zeit Online griffen die Nachricht auf). Zur gleichen Zeit verhandelten die Staatsoberhäupter über einen Waffenstillstand in der umkämpften Ostukraine. Problem der Redaktion: Offenbar gab es zu dieser Meldung kein Bildmaterial. Also griffen die Journalisten auf knapp fünf Jahre altes Archivmaterial zurück, wie das Blog Blauer Bote Magazin berichtete. Das vom ZDF verwendete Bild finde man auch in einem Beitrag eines koreanischen Blogs, das 2009 über russische Panzer in Georgien berichtet habe. Das ZDF bezog sich auf die Bildquelle „ZDF/imago“.

Nachdem das Blog über das falsche Panzerbild berichtet hatte, änderte die Redaktion ihr Aufmacherfoto und ersetzte es durch ein aktuelleres – aber kein aktuelles. In der Bildunterschrift weist die Redaktion auf den Fehler hin. Das neue Bild zeigt „Russische Soldaten in Kamensk-Schachtinski nahe der Grenze zur Ukraine“. Das Foto stammt vom August vergangenen Jahres. Offen bleibt die Frage, ob es Bildmaterial zur eigentlichen Meldung gibt. Offensichtlich nicht.

Auf Nachfrage von MEEDIA schiebt das ZDF den Fehler auf die Bilredaktion. „Der Fehler entstand, weil ein Grafiker aus Unachtsamkeit aus georgischen Panzern von 2009 russische Panzer ohne Datum machte. Der zuständige heute.de-Redakteur konnte beim Verwenden des Bildes diesen Fehler aber nicht erkennen, da im Alt-Text nur noch ‚russische Panzer‘ stand“, so ein Sprecher. Weshalb auch das neue Foto kein aktuelles ist, erklärt das ZDF wie folgt: „Das Liveblog ist keine Meldung, sondern bildet einen längeren Zeitraum ab. Deshalb wechseln Bilder und Vorspanntexte häufig. Nicht zu allen inhaltlichen Veränderungen liegen uns aber Agenturbilder vor. So müssen wir auf Bilder zurückgreifen, die für ein Thema insgesamt stehen können.“ In diesem Fall sind Headline und Teaser aber eindeutig der Panzer-Meldung zuzuordnen. Für Leser ist das zumindest verwirrend.

Weiter bestätigt das ZDF die Annahme, dass es zur Meldung der 50 Panzer kein Fotomaterial gibt. Auf die Frage nach der Quelle antwortet das ZDF: „‚Kiew‘ ist für uns keine Quelle genauso wenig wie ‚Moskau‘ oder ‚Washington‘. Als Quellen dienen die Nachrichtenagenturen, dazu Infos über unsere Studios und Korrespondenten vor Ort. Es gilt wie immer das Zwei-Quellen-Prinzip. Dabei ist uns sehr bewusst, wie verworren die Nachrichtenlage ist.“

„Die Flut der verfügbaren Bilder überfordert sicher viele Medien“

Immer wieder fallen Redaktionen auch auf falsches Material herein. So wurde beispielsweise auch dieTagesschau(s. auch hier) kritisiert. Ihr wurde sogar vorgeworfen, Nachrichten bewusst zu lenkenAuch die Frage nach russischen Panzern auf ukrainischem Boden wird immer wieder thematisiert. Eine der wenigen Nachweise lieferte vergangenes Jahr die Nato anhand von Satellitenbildern. Doch auch diese Aufnahmen sind vor allem für Laien schwer zu deuten. Immer wieder fällt auf, dass bei Panzer-Meldungen auf Symbolfotos zurückgegriffen wird. Das Blaue-Bote-Blog kurzerhand, dass es keine Fotos russischer Panzer auf ukrainischem Boden gebe. Die flüchtige Arbeit etablierter Medien vereinfacht Verschwörungstheoretikern ihre Arbeit und kostet vor allem Vertrauen.

„Die Flut der verfügbaren Bilder überfordert sicher viele Medien“, erklärt das ZDF auf Nachfrage, weshalb sich Fehler in der Berichterstattung mehren. Und weiter: „Durch die Sozialen Medien ist es außerdem viel einfacher geworden, bewusst manipulierte Informationen und Bilder zu verbreiten, um Unsicherheit zu schüren und Propaganda zu betreiben. Beim ZDF prüfen wir diese Bilder und Informationen sehr intensiv. Dafür wenden wir beispielsweise bei YouTube-Videos spezielle Recherchemethoden, aber auch technische Werkzeuge an. Leider gibt es immer das Risiko, dass ein Mensch einen Fehler macht. So war es auch in diesem Fall. Er ist Anlass, alle Mitarbeiter/innen an ihre Sorgfaltspflicht zu erinnern – zu der auch ein Vier-Augen-Prinzip vor Veröffentlichung gehört.“ Auf welche zweite Quelle sich das ZDF bei der Panzermeldung bezieht, teilte es nicht mit.

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