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„Abfällig, arrogant, von oben herab“: B.Z.-Krawall-Kolumnist kläfft Tagesspiegel-Chef an

Seit einigen Wochen sorgt der Chefredakteur des Tagesspiegels, Lorenz Maroldt, für Abwechslung in den Mail-Postfächern einiger tausend Berliner und Medien-Interessierter. Sein täglicher Morgen-Newsletter „Checkpoint“ ist kein knapper Info-Happen, sondern eine ausgewachsene Mini-Lokalzeitung mit reichlich Meinung. Das scheint die Berliner Konkurrenz zu wurmen. Zumindest B.Z.–Kolumnist Gunnar Schupelius macht seinem Ärger nun so richtig Luft.

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Als Hauptvorwurf packt der Springer-Mann, der für seinen krawalligen Stil bekannt ist, gleich das ganz große Geschütz aus. Schupelius wirft dem Konkurrenten nichts weniger als den ultimativen Regional-Hochverrat vor: Maroldt schreibe „pampig“ über Berliner. Das geht natürlich gar nicht. Die klassische Ausgangsposition jeder normalen deutschen Lokalzeitung ist immer, dass die Gegend über die man berichtet, die schönste, interessanteste oder immerhin unterschätzteste Region ist.

Mit diesem Grundvorwurf ist der Ton gesetzt: Auf der einen Seite, die hochnäsigen Tagesspiegel-Leute, die sich als Leit- und Entscheider-Medium der Hauptstadt verstehen und auf der anderen Seite die ehrliche und bodenständige B.Z.

Aber der Reihe nach. Auslöser der Kolumne, die unter der Schupelius-Rubrik „Mein Ärger“ läuft, ist zum einen der Umstand, dass Schupelius jetzt den „Checkpoint“-Letter unaufgefordert bekommt, dass die Mail ausgedruckt zehn Seiten Din-A4-Seiten lang ist und das Berliner im Letter zu schlecht wegkommen würden.

Am meisten ärgert sich Schupelius über die Sprache des Tagesspiegel-Chefs: „Ich fragte mich, wie Lorenz Maroldt diese Arbeit bewältigt: Jede Nacht schreibt er alles auf, was in Berlin geschieht und dann noch mit ganz viel Witz! Zugegeben, da lese ich vieles, was ich schon aus anderen Zeitungen kenne, insbesondere aus der B.Z.. Aber ich frage mich dennoch: Schläft der Mann denn nie, oder hat er Mitarbeiter, die auch nie schlafen?“

Weiter giftet er: „Der Ton macht die Musik. Auch in der Zeitung und in einer E-Mail. Der ‚Checkpoint‘ klingt gerne etwas abfällig, arrogant, von oben herab. Das ist nicht die Berliner Art. Das ist nicht der Berliner Witz. Wir führen uns hier nicht gegenseitig vor. Wir werten uns nicht ab. Wir putzen uns nicht runter.“

Nach der Lektüre der Kolumne hätte man fast den Eindruck, dass genau das vielleicht doch die Berliner Art ist. Schupelius endet säuerlich empört: „Für Humor habe ich viel übrig, für dumme Sprüche weit weniger.“

Und wie reagiert der Kritisierte? Gegenüber MEEDIA erwiderte Maroldt nur knapp: „Auch schlecht gelaunte Real-Satiren wie die von Gunnar Schupelius haben Ihren Platz in der Medienlandschaft.“

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