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Unfreiheit der Kunst: Berlin geht juristisch gegen Nazi-Olympia-Satire vor

Satire darf alles, aber nicht in Berlin. Das Mehrautoren-Blog Metronaut wollte lustig sein und montierte Logos der aktuellen Berliner Olympia-Bewerbung auf alte Nazi-Olympia-Plakate von 1936. Im dazugehörigen Text wurde so getan, als seien dies neue Werbemotive für die aktuelle Berliner Olympiabewerbung, der Beitrag war als Satire gekennzeichnet. Die Quittung sind mehrere Unterlassungsbegehen.

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Eine Privatperson, das Land Berlin sowie der Berliner Senat setzten Anwälte in Marsch. Das Land Berlin wird laut Tagesspiegel in der Sache von dem bekannten Medienanwalt Christian Schertz vertreten. Die drei Unterlassungsbegehren werden damit begründet, dass Metronaut wahrheitswidrige Angaben macht. Eine etwas schräge Sicht, immerhin handelt es sich um Satire. Dass Satire-Texte einer Wahrheitspflicht unterworfen sind, wäre in der Tat neu. Um das zu wissen, muss man den Nazi-Witz von Metronaut nicht lustig finden (was er in der Tat auch nicht ist).

Die Redaktion des Blogs schreibt:

Weil wir nicht genügend Kohle haben, diesen Rechtsstreit vollumfänglich auszutragen, hat Metronaut als Reaktion auf die beiden Anwaltsschreiben alle Personen- und Kampagnenamen im Artikel herausgestrichen und alle Motive/Logos geschwärzt.

Stattdessen taucht in dem Artikel auf den Nazi-Motiven nun überall das Wort „zensiert“ auf. Metronaut weiter:

Die Metronaut-Redaktion sieht die anwaltlichen Schreiben des Landes Berlins und des Senats als Akt der Zensur, der auch zeigt, dass ein kritischer und offener Umgang mit der nationalsozialistischen Olympia-Vergangenheit Berlins nicht erwünscht ist. Die harsche Reaktion ist auch ein Vorgeschmack, was Berlin blüht, wenn die Olympiade wirklich hierher kommt. Satire darf alles, hieß es ja allerorten noch vor Kurzem. Für die Berliner Olympia-Bewerbung gilt das jedenfalls nicht.

Der Vorgang ist durchaus bemerkenswert. Die Satire der Metronauten darf man durchaus unlustig und auch geschmacklos oder ärgerlich finden. Dass Berlin sofort mit juristischen Mitteln dagegen vorgeht, zeigt eine befremdliche Geisteshaltung. Die Freiheit der Kunst darf sich schließlich nicht an Geschmacksfragen orientieren. Wäre das so, dann wären Verweise auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 in Deutschland tatsächlich angebracht. Schade, dass Metronaut in dieser Sache nicht die juristische Auseinandersetzung gesucht hat. Die Freiheit der Kunst ist manchmal nur soviel wert, wie eine Unterlassungserklärung kostet.

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