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Millionen Facebook-Mitglieder wissen nicht, dass sie auch das Internet nutzen

Es ist eine spannende, aber auch fast schon beängstigende Entwicklung. Der US-News-Dienst Quartz hat Daten zusammengetragen, die den Schluss nahe legen, dass Millionen von Menschen – vor allem in weniger entwickelten Ländern – glauben, Facebook, aber nicht das Internet zu nutzen. Vor diesem Hintergrund erscheint Mark Zuckerbergs Internet.org-Stragie weit weniger philanthropisch, als klar geschäftlich getrieben zu sein.

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Auslöser für die Recherchen von Quartz waren schon ältere Umfrage-Ergebnisse des Marktforschungsinstitutes Galpaya in Indonesien. Diese brachten ans Tageslicht, dass es einige Menschen in dem asiatischen Land gibt, die die Frage verneinten das Internet zu nutzen, sich aber begeistert zu Facebook äußerten. Ähnliche Ergebnisse aus Afrika bestätigen die Galpaya-Ergebnisse.

Dem wollte Quartz weiter auf den Grund gehen und beauftragte Geopoll noch einmal in Nigeria und Indonesien genauer nachzuforschen. Die Resultate bestätigten die ersten Annahmen. In dem asiatischen Land sagten elf Prozent der Facebook-Mitglieder, dass sie das Social Network, aber nicht das Web nutzen würden. In Nigeria lag dieser Wert bei neun Prozent.

Für Mark Zuckerberg dürften diese Ergebnisse die Bestätigung einer alten Vision sein. Bereits in den Anfangstagen von Facebook, als er das Entwicklerprogramm F8 startete, sprach er davon, dass es sein Ziel sei, dass sein Network eine Art autarkes Eco-System innerhalb des Internets werden solle. Eine Art Betriebssystem für das Web.

In Schwellen- und Entwicklungsländern lassen sich also erste Ergebnisse dieses Strebens nachweisen. Tatsächlich gibt sich Facebook selbst längst größte Mühe diesen Effekt noch zu verstärken.

Wichtigster Hebel dabei dürfte das vermeintlich gemeinnützige Internet.org-Projekt sein. Ziel des Zusammenschlusses einiger Technologie-Firmen wie Ericson, Samsung, Nokia, Facebook und einigen mehr ist es, Menschen, die bislang noch keinen Zugang zum Internet hatten genau diesen möglichst günstig zu verschaffen. Dazu setzen die Partner auf eine klare Mobil-Strategie und eine spezielle App.

Für die Nutzung der Inhalte innerhalb der App fallen keine Telefon- oder Datentarif-Kosten an. Heißt: Die Facebook-Nutzung ist frei. Mit im Angebots-Set der App ist auch die Google-Suche. Hier steckt beispielsweise der Teufel aber im Detail. So ist die Nutzung der Suche gratis. Sobald ein Nutzer jedoch auf eines der Suchergebnisse drückt, verlässt er den geschlossenen App-Raum und es fallen Datenkosten an.

Auch wenn Internet.org tatsächlich helfen wird Millionen Menschen einen bezahlbaren Zugang zu mobilen Diensten zu verschaffen, sorgt das Projekt auch dafür, dass sie vor allem zu Facebook- und später erst – möglicherweise – zu Web-Nutzern werden. Der Effekt, dass immer mehr das US-Netzwerk für das Internet halten, dürfte sich also noch verstärken.

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