Anzeige

Wie Zeit Online auf verschlungenen Pfaden den Pegida-Freunden nachspürt

Pegida-Demonstranten

Zeit Online versuchte, die Freunde der Pegida-Bewegung mit Hilfe von Facebook zu durchleuchten. Die Retourkutsche von Harald Martenstein gegen Stefan Niggemeier fanden einige nicht gut. Und Hubert Burda gab ein interessantes Geburtstagsinterview. Unser Wochenrückblick.

Anzeige

Sag mir, wen Du “likest”, und ich sage ich Dir, wer Du bist! Nach diesem Motto funktioniert die Website Pegida-mag-dich.de, die auf Basis von Like-Übereinstimmungen und Schätzungen aufgrund des Facebook-Ad-Managers Statistiken zu Pegida-Fans erstellt. Bei Zeit Online ist das Investigativ-Team auf die Seite aufmerksam geworden und hat eine große Story daraus gebastelt: “Dürfen wir vorstellen: Die Freunde von Pegida” Zu Beginn des Stücks heißt es, Wissenschaftler hätten bislang vergeblich versucht, herauszufinden, wie sich die Anhängerschaft von Pegida zusammensetzt. Aber zum Glück gibt es Zeit Online und die sind auf den Facebook-Trichter gekommen. Wenn man sich die Grafiken und Erkenntnisse des Artikels so anschaut, dann entsteht allerdings der Eindruck, dass die meisten Erkenntnisse schlicht aufgehübschte Grafiken und Daten von Pegida-mag-dich.de sind. Die Zusammenarbeit mit der Website wird in dem Zeit Online Artikel auch erwähnt. Unter jeder Grafik ist Pegida-mag-dich.de als Quelle angegeben.

Die Neue Zürcher Zeitung hat auf ihrer Website neulich aufgeschrieben, warum solche statistischen Schlussfolgerungen aufgrund von Facebook-Analysen mit gehöriger Vorsicht zu genießen sind. Mit Blick auf Pegida-mag-dich.de schreibt die NZZ:

Zudem ist die Datengrundlage der onlineaffinen Demonstranten bei der Erfassung der demographischen Daten ungenügend. Die Kommentatoren räumen ein, sich nur auf die in den Nutzerprofilen öffentlich verfügbaren Angaben und auf Schätzungen des Facebook Ads Managers stützen zu können. Dies relativiert die Aussagekraft der Studie. Hilfreicher wäre zusätzlich die Nutzung des Facebook Graph Search gewesen, der aber nur in englischer Sprache verfügbar ist. Nicht zuletzt werden die Studienresultate durch einen weiteren bedeutenden Umstand verzerrt: Ein «like» muss keine Zustimmung zu einem politischen Anliegen bedeuten, sondern kann aus reiner Neugier und Beobachtungsmotiven geschehen.

Bei Zeit Online wird die Methodik am Endes des Artikels aufgeschlüsselt. Dort wird auch erläutert, dass eine Stichprobe von Leuten untersucht wurde, die einen Beitrag auf der Pegida-Facebook-Seite geliked haben. Die Autoren erklären selbst: “Das ist in keiner Weise repräsentativ.” Finden aber, “dass es einen Einblick in die Haltung der Menschen, die die Ansichten von Pegida teilen” gibt. Weiter vorne im Text gibt es noch so eine Einschränkung: “Facebook-Daten sind nicht repräsentativ. Nicht alle, die Pegida auf Facebook mögen, gehen zu den Demonstrationen und nicht alle, die demonstrieren, sind Mitglied bei Facebook.”

Dafür dass das alles im doppelten Sinne nicht repräsentativ ist und sowieso mit einigen Fragezeichen versehen werden muss, präsentiert sich der Text mit doch sehr eindeutigen: Schlussfolgerungen, die herrschende Meinungsbilder über Pegida vortrefflich bestätigen:

Pegida-Fans sind männlich, zwischen 25 und 49 Jahre alt, sie leben in Sachsen, waren bei der Bundeswehr, sind selbstständig, lesen die Bild-Zeitung oder die Junge Freiheitund sind Anhänger der AfD oder von politischen Gruppen, die noch weiter rechts stehen. Sie machen gerne Party, interessieren sich für Fußball, Autos, Sex, Actionfilme und Mario Barth.

Und sie lesen natürlich weder Zeit, Zeit Online noch NZZ.

Deren Zeit-Magazin-Kolumnist Harald Martenstein hat diese Woche seinem Kritiker, dem Blogger und Medienjournalisten Stefan Niggemeier, eine Kolumne gewidmet. Auf Twitter und Facebook kam diese Idee Martensteins eher nicht so super an. Bemerkenswert fand ich diesen Tweet dazu:

Am kommenden Montag hat Hubert Burda Geburtstag und wird 75. Schon an diesem Freitag erschien im SZ Magazin ein lesenswertes Interview mit Burda, in dem dieser erstaunlich offen über sein verkorkstes Privatleben spricht, das er selbst vermutlich nicht verkorkst nennen würde. Aber: Ach Du liebes bisschen! Der Vater ein despotischer Weiberheld, die Mutter eine hysterische Person, die mit Aschenbechern und Spaghetti-Tellern um sich schmiss. Die Hochzeit mit Maria Furtwängler – keine euphorische Angelegenheit. Das Verhältnis zu den Brüdern: schwierig. Die erste Frau: davongelaufen. Zum Glück läuft es nun schon länger besser für ihn. Nico Hofmann sollte sich trotzdem schnell die Filmrechte sichern.

Ihnen ein ganz und gar unverkorkstes Wochenende!

Anzeige