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Rechte tappen in PR-Falle und werben unfreiwillig für Aussteigerprogramm

Rechten wird oft unterstellt, etwas tumb und schwer von Begriff zu sein. Umso lustiger, wenn lustige Guerilla-Aktionen genau dieses Vorurteil bestätigen. So geschehen bei der MVgida-Demo („Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes“) am Montag. Unfreiwillig warben einige der Demonstranten für ein Nazi-Aussteigerprogramm.

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In Schwerin gingen am Montagabend rund 500 Menschen auf die Straße, um gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes zu protestieren. Während der Abschlusskundgebung hielten die Demonstranten Schilder hoch, auf denen die Web-Adresse der Protestbewegung mvgida.de zu sehen war. Wie vor vielen Demos üblich, wurden – wie Spiegel Online berichtet – entsprechende Plakate vor dem Start verteilt.

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Was die Kritiker der vermeintlichen Islamisierung allerdings nicht wussten – auch, wenn es logisch klingt: Hinter der URL mvgida.de verbirgt sich eben nicht die Internet-Adresse des Mecklenburg-Vorpommerischen Pegida-Ablegers, sondern eine Werbeseite für ein Nazi-Aussteigerprogramm, das sich passend zur Buchstabenfolge „Mecklenburger Versuche gegen intolerante Dursttrecken-Aktivisten“ nennt.

Bereits auf der Startseite werden alle Besucher, die sich irrtümlich auf die Seite verirrten, mit dem Satz begrüßt: „Informiert euch richtig und gackert nicht alles nach“. Bebildert ist das ganze dann natürlich mit ein paar Hühnern, die im Dreck picken.

Wer genau hinter der Aktion steckt, ist noch unklar. Unter mvgida.de finden sich jedoch Informationen, wie Bürger ihren zuständigen Abgeordneten kontaktieren, selbst Demonstrationen organisieren oder das Nazi-Aussteigerprogramm Exit erreichen können.

Die ganze Aktion erinnert etwas an den wunderbaren PR-Stunt, mit dem die Gemeinde Wunsiedel einen Nazi-Trauermarsch gegen das Wissen der Rechten, in einen Spenden-Lauf für Exit umwandelte. Für jeden Meter, den die Demonstranten liefen, ging eine Spende von zehn Euro auf das Konto des Aussteiger-Programms. So finanzierten die Nazis den Ausstieg ihrer einstigen Kameraden.

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