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Fotograf des Hitlergruß-Bildes: „Das Verhalten von Jan Böhmermann ist rufschädigend“

Hitlergruß in Jogginghose: Jan Böhmermann twitterte die berühmte Aufnahme von Martin Langer und wurde prompt von dessen Anwalt abgemahnt. 1.000 Euro habe er zahlen müssen, wetterte der Moderator via Facebook und Twitter. Seit Tagen stichelt der TV-Promi weiter in Richtung des Fotografen. Dieser sagt: „Das Verhalten von Jan Böhmermann ist rufschädigend.“

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„Mein Bild hat eine starke Aussage, eine hohe Strahlkraft – und deswegen auch erst recht einen hohen Wert. Das zeigt sich auch an der Nachfrage.“ Martin Langer fühlt sich missverstanden. 1992 hat er während der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen ein mittlerweile berühmtes Foto geschossen: Ein Mann macht den Hitlergruß – und trägt dabei eine Jogginghose mit Urinfleck. In Rostock tobte ein Mob, Steine flogen, Schüsse fielen. „Ich habe in fünf sehr langen Tagen und Nächten meinen Kopf für eine Fotostrecke hingehalten, die eigentlich aus insgesamt 25 Bildern besteht.“ Der Fotograf ist nicht einverstanden damit, wenn sein Bild ungefragt irgendwo auftaucht und verbreitet wird. „Dann entgeht mir das Honorar und, was mir bei diesem Motiv besonders wichtig ist, die Kontrolle über den inhaltlichen Zusammenhang. Denn ich verkaufe meine Bilder nicht an jeden“, erklärt er.

„Das kriegt jeder hin!“

Böhmermann hätte einfach auf ihn verlinken können, betont er. Dann wäre das Honorar auch nicht fällig geworden. „Aber es kann doch nun wirklich nicht so schwer sein, den Urheber herauszufinden. Das kriegt jeder mit wenigen Klicks hin!“, betont der Fotograf.

In einem Facebook-Post erklärt Jan Böhmermann, er habe Langer nicht vorher gefragt, ob er das Bild veröffentlichen dürfe: “Ich befand mich in der (offenbar falschen) Annahme, dass der Fotograf dieses zeitgeschichtliche Fotodokument (möglicherweise unter Angabe des Fotocredits) zur honorarfreien Verwendung außerhalb professioneller Presse freigegeben habe.” Sechs Monate später habe eine Anwaltskanzlei für das unerlaubte Publizieren eines Fotos in der Abmahnung einen Streitwert von 7.000 Euro zugrunde gelegt, unterm Strich sei ein Betrag von 906,50 Euro fällig geworden sowie die Abgabe einer Unterlassungserklärung. Böhmermann betont: “Ich zahle und unterlasse natürlich – unter der Bedingung der genaueren und öffentlichen Betrachtung dieser merkwürdigen Abmahnung.”

„Auch Privatpersonen dürfen das Bild nicht öffentlich posten“

Jan Böhmermann stößt besonders bitter auf, dass ein Kollege von ihm die selbe Abmahnung mit dem selben Streitwert erhalten habe – obwohl es sich bei dessen Account ganz offensichtlich um ein privates Twitterprofil handele. „Kein Promi-Faktor, keine Reichweite“, nennt es der Moderator. Martin Langer sieht dies anders: „Auch Privatpersonen dürfen das Bild nicht einfach so öffentlich posten. Das ist doch im Urheberrechtsgesetz sehr anschaulich geregelt. Daran halte ich mich.“ Das Recht auf Remix findet Langer durchaus diskutabel, hier ginge es aber darum, urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Erlaubnis in den Sozialen Netzwerken zugänglich zu machen. „Mir erschließt sich auch nicht, warum die Inhalte Schaffenden als Einzige leer ausgehen.“

Martin Langer ist gekränkt, er empfindet das Verhalten des Moderators als rufschädigend. „Weshalb werde ich als Täter dargestellt, wenn ich mich an geltende Gesetze halte?“

P.S. Jan Böhmermann gibt noch immer keine Ruhe. Gemeinsam mit William Cohn stellte er das entsprechende Bild nach:

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