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BKA sieht auch deutsche Medien als mögliche Anschlagsziele

Sicherheitskräfte vor dem Axel Springer Haus in Berlin

Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verstärkte die Polizei auch die Sicherheits-Vorkehrungen für viele deutsche Redaktionen. Eine Vorsichtsmaßnahme, die wohl weniger symbolischen Charakter, als einer ernsten Bedrohungslage geschuldet ist. Denn laut Focus schließt das Bundeskriminalamt Terroranschläge auf Redaktionen deutscher Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sender nicht aus.

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Zu diesem Schluss soll das vertrauliches BKA-Papier „Gefährdungslage islamistischer Terrorismus“ gekommen sein, dass dem Nachrichtenmagazin vorliegt. Offenbar beschäftigen sich die deutschen Sicherheitsbehörden schon länger mit ähnlichen Szenarien, wie die blutige Attacke auf die französische Satire-Zeitung.

„Islamkritische Ereignisse im Inland könnten sich bundesweit als Tatimpuls für islamistisch motivierte Gewalt gegen Privatpersonen, Medien(vertreter), öffentliche Sicherheitsorgane und deren Personal eignen“, zitiert der Focus aus der Studie. Weiter heiße darin, dass sich Anschläge in Deutschland „jederzeit“ ereignen könnten. Den Tätern komme es auf „möglichst hohe Opferzahlen und ein Maximum an infrastrukturellem und wirtschaftlichem Schaden“ an – „bei größtmöglicher medialer Aufmerksamkeit“.

„Spätestens seit gestern sind wir froh, wenn Ordnungshüter hin und wieder vorbeischauen“

Vor allem in Berlin verstärkten die Sicherheitskräfte den Schutz einzelner Verlage. So berichtet Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner, dass am Morgen nach dem Attentat sogar Polizisten im Newsroom standen und fragten, ob es allen gut gehe. „Früher erschraken Redaktionen, wenn Polizisten in ihre Büros kamen und fragten sich, welches vertrauliche Material die Einsatzkräfte zu beschlagnahmen suchten“. Weiter schreibt Wegner: „Spätestens seit gestern sind wir froh, wenn Ordnungshüter hin und wieder vorbeischauen und mit Maschinenpistolen und Panzerwesten vor unserem Haus in Stellung gehen.“

„Deutliches Zeichen, dass alles dafür getan wird, um die Pressefreiheit zu schützen“

Auch Springers B.Z. berichtet von einer kräftigen Erhöhung des Schutzes der Verlagsgebäude. „Das ist durchaus beklemmend, aber auch ein deutliches Zeichen, dass alles dafür getan wird, um die Pressefreiheit zu schützen“, sagte am Donnerstag Innensenator Frank Henkel zu der erhöhten Polizeipräsenz vor Redaktionsgebäuden in Berlin.

Aus dem Innenministerium heißt es allerdings auch, dass es keine „konkreten Hinweise auf vergleichbare Anschlagsplanungen in Deutschland oder auch konkrete Hinweise auf terroristisch motivierte Anschläge im Allgemeinen in Deutschland“ gebe. „Die Lage ist ernst, es gibt Grund zur Sorge und zur Vorsorge, aber nicht zur Panik“, so Innenminister Thomas de Maizière (CDU).

Unklar ist noch, wie sich die Gefährdungslage einzelner Redaktionen durch das Abdrucken verschiedener Islamkritischer Karikaturen als Reaktion auf die Anschläge auf die französische Redaktion verändert bzw. verschlechtert hat. Auch aus dieser Angst druckten einige US-Medien die kritischen Zeichnungen in den vergangenen zwei Tagen nur verpixelt. Eine Verhalten, dass vielerorts schon scharf als „beschämend“ kritisiert wurde.

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