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Bild-Chef Diekmann im Tagesspiegel: „Es gibt keine Medienverdrossenheit“

Ganz schön glatt: Bild-Chef Kai Diekmann

Zum Jahreswechsel hat Bild-Chefredakteur Kai Diekmann dem Berliner Tagesspiegel ein Interview gegeben, in dem es u.a. um die Reiz-Themen PEGIDA und deren Parole von der angeblichen „Lügenpresse“ geht. Diekmann sagt, es gehöre „zum Standardrepertoire aller populistischen, demagogischen Bewegungen, auf die freie Presse einzudreschen“. Von einer Medienverdrossenheit will er angesichts hoher Reichweiten von Bild.de nichts wissen. Dafür stellt stellt er dem finanziell Not leidenden Bildblog Hilfe in Aussicht.

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„Ich glaube allerdings, dass Bildblog das Geld von „Bild“ nicht annehmen würde. Sollte es anders sein, können wir uns gerne darüber unterhalten“, sagt Diekmann auf die Frage, ob er für den Erhalt des Bildblog spenden würde. Ansonsten sei das Bildblog ein „sehr gutes Beispiel für die Notwendigkeit von Paid Content“, so der Bild-Chef. Denn: „Wo kein Geld verdient wird, da gibt es auch keinen Journalismus.“

Bei Fragen zur Rolle der Bild bei der umstrittenen PEGIDA-Bewegung lässt der Tagesspiegel den eloquenten Bild-Chef leider zu leicht vom Haken. Der Tagesspiegel fragt gleich zu Beginn: „Herr Diekmann, kurz vor Weihnachten basteln Sie die Geschichte, dass Christen im Gottesdienst muslimische Lieder singen sollen. Warum befeuern Sie mit der ‚Bild‘ die ‚Pegida‘-Bewegung?“ Hintergrund ist ein Bild-Bericht vor Weihnachten. Dabei haben Bild-Mitarbeiter offenbar mehrere Politiker aktiv angerufen und gefragt, ob diese nicht den Vorschlag vertreten möchten, dass in Kirchen auch muslimische Lieder zu Weihnachten gesungen werden. Als der Grünen-Politiker Omid Nouripour darauf einging, machte Bild eine „Politiker fordern“-Schlagzeile daraus und verkürzte den Vorschlag in der Überschrift nur auf die Muslimischen Lieder in christlichen Kirchen. Es entstand der Eindruck, dass ein Grünen-Politiker fordere, dass in Kirchen nur muslimische Lieder gesungen würden. Im Text selbst war zwar das Zitat Nouripours korrekt und vollständig wiedergegeben – die perfide Montage und Verkürzung in den Überschriften, erzeugte jedoch einen anderen Eindruck.

All das bleibt beim Tagesspiegel-Interview unerwähnt. Stattdessen darf Diekmann ohne Widerspruch darauf verweisen, dass die Bild Nouripour korrekt zitiert habe und auch im Anschluss viel PR in eigener Sache machen. Von seiner Reise nach Südkorea hat Diekmann beispielsweise die „bahnbrechende“ Null-Erkenntnis mitgebracht: „Der wichtigste Trend ist Mobile“. Zum Schluss gibt es dann noch einen lustigen Spruch zu seinem abrasierten Vollbart („Rechtzeitig zum Osterfest muss wieder ein bisschen Wolle her. Wo soll ich sonst für meine Kinder die Ostereier verstecken?“) und schon ist das Interview zu Ende. Schade.

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