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Bildblog: „Wenn wir nicht genug Geld zusammenbekommen, können wir auf Dauer nicht weitermachen“

Stefan Niggemeier sieht das von ihm gegründete Bildblog in Gefahr. Grund sind die geringen Spendeneinnahmen, von denen die freien Journalisten des Blogs nicht ausreichend entlohnt werden können. An Weihnachten erst gab die Redaktion eine verlängerte Winterpause wegen finanzieller Engpässe bekannt.

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Normalerweise verabschiedet sich die Redaktion des Bildblogs von Weihnachten bis Januar in den Winterschlaf. Dieses Jahr aber macht die Dokumentation der „kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme der Medien“ einen Monat länger Pause. Bis Februar sollen keine Artikel erscheinen und auch die tägliche Rubrik „6 vor 9“ mit aktuellen Lesetipps wird so lange ruhen. Grund dafür seien die niedrigen Einnahmen, die das Medien-Watchblog derzeit verzeichnet, erklären die Macher in einem Blogeintrag „in eigener Sache“.

Wir stecken viel Zeit in den Kampf gegen die täglichen Beklopptheiten, und wir machen es supergerne, aber wir müssen auch unsere Miete bezahlen. Anders gesagt: Je weniger Geld reinkommt, desto weniger Zeit können wir ins BILDbloggen investieren. Und leider kommt momentan zu wenig rein.

Bildblog wurde vor zehn Jahren von Medienjournalist Stefan Niggemeier gegründet und weist regelmäßig auf journalistische Verfehlungen, zunächst bei der Bild, später auch bei anderen Medien, hin. Niggemeiers aktueller Nachfolger ist Mats Schönauer. Alle Beiträge stammen von frei arbeitenden Journalisten. Die Redaktion weist in ihrem Blogeintrag daraufhin, dass hinter ihr kein Verlag oder andere große Geldgeber stehen und sie sich ausschließlich über Werbeeinnahmen und Spenden finanziert.

Damit das Blog auch im neuen Jahr wieder mit prüfendem Auge auf die Medien schauen kann, appelliert die Redaktion an die Leser und verweist auf die Notwendigkeit ihrer Arbeit:

Gerade in den vergangenen Wochen hat sich in besonderer Weise gezeigt, wie fahrlässig einige Journalisten mit ihrer Macht umgehen, und wie wichtig es ist, dass solche Methoden und Fehler öffentlich gemacht werden. Wir sind froh, das hier im BILDblog tun zu können, auch wenn es uns manchmal ganz schön fertig macht und sich einiges sowieso nie ändern wird, Stichwort „EU-Gericht“, Stichwort „Opferfotos“, Stichwort „Bild“. Wir glauben aber, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, dass manche Journalisten zweimal überlegen, bevor sie etwas schreiben — und Leser, bevor sie etwas glauben, vor allem der „Bild“-Zeitung. Und wir wissen, dass viele von Ihnen unsere Arbeit zu schätzen wissen.

Langfristig könnte die finanzielle Lage auch zum Ende des Bildblogs führen. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung sagte Herausgeber Niggemeier:“Wenn wir nicht Genug Geld zusammenbekommen, können wir auf Dauer nicht weitermachen.“

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