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Unge vs. Mediakraft: bekannter YouTuber probt die Revolte gegen seinen Vermarkter

Der YouTuber Simon Unge ("ungespielt") kritisiert Mediakraft

YouTube-Deutschland ist in heller Aufregung. Ein junger Mann namens Simon Unge hat am Wochenende ein Video veröffentlicht, in dem er verkündet, sich von seinem Vermarkter Mediakraft zu trennen. Das Video, in dem Unge scharfe Kritik an Mediakraft übt (“Scheißhaufen”), wurde innerhalb kurzer Zeit über zwei Millionen mal aufgerufen. Der Vorfall zeigt, wie sehr die YouTuber-Szene im Umbruch ist. Und wie sehr sich der Medienkonsum junger Leute von dem älterer unterscheidet.

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Sagen wir mal über 30-Jährige. Über 30-Jährige wären vermutlich geneigt, bei der Nachricht von einem 24-jährigen Typen mit Rasta-Frisur, der in einem Video fast 13 Minuten lang darüber räsoniert und schimpft, warum er sich von seinem YouTube-Vermarkter trennt, als nicht ganz so wichtig einzustufen. Immerhin ist am selben Tag auch Udo Jürgens gestorben.

Für unter 20-Jährige Medienkonsumenten ist Unge dagegen Thema Nummer eins. In seinem Video erklärt er, dass er sich von Mediakraft trennt. Mediakraft ist das größte so genannte Multichannel Netzwerk in Deutschland. Die Firma managt und vermarktet in erster Linie YouTuber. Auch die wohl bekanntesten deutschen YouTuber, die Comedy-Truppe Y-Titty, ist bei Mediakraft unter Vertrag.

Kritik an dem Kölner Unternehmen ist nicht neu. Der mit dem Grimme-Online-Preis ausgezeichnete YouTuber LeFloid hat sich vor kurzem von Mediakraft getrennt und Kritik am Verhalten der Firma geübt. LeFloid, der eigentlich Florian Mundt heißt, engagiert sich jetzt in dem Verein 301+, der den ursprünglichen Spirit von YouTube jenseits von reinen Kommerz-Interessen erhalten will.

Um die Bedeutung des YouTubers Unge ermessen zu können, braucht es einen Blick auf die Zahlen. Simon Unge hat für Mediakraft zwei Channels bei YouTube betrieben: “ungespielt” und “ungefilmt”. Auf “ungespielt” hat er Videos veröffentlicht, in denen er mit anderen Leuten im Wesentlichen das Videospiel Minecraft spielt,bzw. “zockt”. Minecraft alleine ist für Ü30- und erst recht für Ü40-Leute schwer zugänglich. Es ist ein Spiel, bei dem seltsame Welten mit Klötzchengrafik erstellt werden – belassen wir es einfach mal dabei.

Auf “ungefilmt” betreibt Simon Unge ein Video-Tagebuch mit reichlich verwackelten Inhalten. Dass die meisten dieser Videos hunderttausendfach aufgerufen werden mag – wie gesagt – für ältere Leute rätselhaft sein. Der Erfolg ist aber unbestritten. Der Kanal “ungespielt” hat über 1,3 Mio. Abonnenten. “ungefilmt” hat knapp 820.000 Abonnenten. Pro Monat kommt Simon Unge nach eigenen Angaben insgesamt auf über 30 Millionen  Aufrufe (Views) bei YouTube. Der Typ ist eine Ein-Mann-Klickmaschine und mit diesen Zahlen einer der erfolgreichsten deutschen YouTuber.

In seinem Video beklagt er sich nun, dass Mediakraft ihn nicht unterstützt habe, dass dass Unternehmen sich bei der Suche nach Sponsoren nicht engagiert habe usw. Interessanterweise sagt er freilich auch, dass man als YouTuber in seiner Größenordnung “sehr gut verdient” – wieviel genau sagt er leider nicht … Bei Beschwerden habe man ihm von Seiten Mediakrafts gedroht, ihn in die Privat-Insolvenz zu schicken. Mittlerweile reden Mediakraft und Simon Unge nur noch über Anwälte miteinander. Unge musste durch die Trennung von Mediakraft seine beiden erfolgreichen YouTube-Kanäle aufgeben. Er hat unter dem Namen Unge einen neuen aufgemacht, der mittlerweile auch schon knapp über 460.000 Abonnenten zählt, obwohl dort bislang nur ein Trailer-Video zu sehen ist.

Unter dem Hashtag #freiheit sorgte das Unge-Video für Furore bei Twitter und Facebook. Mediakraft hat mit einer ausführlichen Stellungnahme auf die Vorwürfe Simon Unges reagiert. Mediakraft-CEO Spartacus Olsson weist darauf hin, dass man sich gewünscht habe, die Sache ohne Rechtsstreit ausräumen zu können und er verweist auf geltende Verträge und darauf, dass seit dem Einstieg von Mediakraft die Reichweite Unges auf über 30 Mio. Views pro Monat und die Zahl der Abonnenten über eine Mio. gesteigert werden konnten. Unge selbst habe zudem angebotene Leistungen und Kostenübernahmen ausgeschlagen, heißt es in der Stellungnahme weiter. Olsson wörtlich:

“Ungespielt” hat in seinem Video Kritik an Mediakraft Networks geäußert. Wir nehmen diese Kritik sehr ernst. Wir arbeiten tagtäglich daran die vielen Services, die wir unseren Partnern bieten, auszubauen. Wir helfen unseren Partner, Reichweite aufzubauen, damit sie eine langfristige Perspektive als Online-Videomacher haben können. Wir unterstützen bei Produktion und Kreation von neuen Inhalten. Wir schützen die Inhalte unserer Partner und wahren ihre Rechte auf den verschiedenen Plattformen. Auch “Ungespielt” hat von diesen Leistungen profitiert.

In Kommentaren bei Facebook und auf Twitter geht die Kommentierung allerdings eindeutig gegen Mediakraft. Die Mehrzahl der Nutzer – so scheint es – sind auf der Seite von Simon Unge. Vielleicht auch deshalb, weil hier eine klassische David gegen Goliath Geschichte ihren Lauf nimmt: der unabhängige YouTuber gegen den bösen Kommerz-Konzern. Der Fall Unge zeigt aber auch, wie flexibel Inhalte-Produzenten heute agieren können, wie schnell ein neuer YouTube-Kanal mit Hundertausenden Abonnenten entstehen kann. Wer bei so einer Auseinandersetzung am längeren Hebel sitzt – der Vermarkter Mediakraft oder der einzelne YouTuber Unge – das ist keineswegs ausgemacht. Der Streit Unge vs. Mediakraft ist insofern durchaus exemplarisch. Nur ein Profiteur vom Webvideo-Boom steht im jedem Fall schon jetzt ganz unzweifelhaft fest: YouTube.

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