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Medienanwalt Solmecke: Unges „Freiheit“-Video könnte ihn vor Gericht führen

Der YouTuber Simon Unge ("ungespielt") kritisiert Mediakraft

Der erfolgreiche und bekannte YouTuber Simon Unge hat in einem Video scharfe Kritik an seinem Vermarkter, dem Multichannel Netzwerk Mediakraft, geübt und angekündigt, sich von Mediakraft zu trennen. Der IT- und Medienanwalt Christian Solmecke sieht vor allem „Knebelverträge“ großer YouTube Netzwerke als Grund dafür, dass es derzeit in der Szene der YouTuber knirscht. Mit einer Kündigung per Video ist es in den meisten Fällen nicht getan. Statt „Freiheit“ droht der Rechtsstreit.

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Simon Unge hat mit seinen beiden YouTube Channel „ungespielt“ (zu dem Videospiel Minecraft) und „ungefilmt“ (ein Video-Tagebuch) monatlich über 30 Mio. Views generiert. In einem Video, das im Internet für viel Aufsehen gesorgt hat, hat er seinen Vermarkter Mediakraft heftig kritisiert. Mediakraft habe ihn nicht unterstützt, kein Engagement beim Suchen von Sponsoren gezeigt, Kosten nicht übernehmen wollen und am Ende sogar gedroht ihn finanziell zu ruinieren. Mediakraft hat den Vorwürfen in einer ausführlichen Stellungnahme widersprochen, beide Parteien befinden sich nunmehr in einer juristischen Auseinandersetzung.

Vor einiger Zeit hat sich auch der bekannte YouTuber LeFloid von Mediakraft getrennt. Der IT-Anwalt Christian Solmecke vermutet Knebelverträge als einen Grund für den Ärger: „Die Verträge der großen YouTube Netzwerke können in vielen Fällen als Knebelverträge bezeichnet werden. Die YouTuber bezahlen die erhöhte Reichweite, die sie durch den Beitritt zu einem Netzwerk erhalten, mit einem hohen Preis. Etliche Klauseln der großen YouTube Netzwerke sind nicht transparent, da diese viel zu schwammig formuliert sind. Nicht wenige sind schlicht unwirksam“.

Bei einem Vertrag mit einem Netzwerk komme es vor allem auf die Schlagworte Exklusivität und Transparenz, Rechte und Leistungen, Vergütung und Laufzeit an. Ist ein Vertrag unterschrieben, ist ein YouTuber in der Regel nicht befugt weitere Verträge über seine Kanäle und Videos abzuschließen. Auch neue Kanäle und Videos fallen zunächst unter den bestehenden Vertrag. Solmecke: „Unge wird sehr wahrscheinlich nicht befugt sein einfach einen neuen Kanal aufzumachen. Schon jetzt sind ihm fast 500.000 Fans auf den neu eingerichteten Kanal gefolgt. Mediakraft kann zwar bei Vorliegen einer entsprechenden Klausel nach Vorlage durch den YouTuber einzelne Kanäle und Videos mangels Interesse freigeben. Dies ist hier jedoch kaum zu erwarten.“

Auch mit der von Simon Unge proklamierten „Freiheit“ ist das so eine Sache. „Tatsächlich ist es so,  dass die kreative Freiheit des YouTubers häufig für nicht klar bestimmbare Situationen ausgeschlossen wird. Hier fehlt es oft an der gebotenen Transparenz der Vertragsklauseln“, so Solmecke. Eine Klausel die beispielsweise beinhalte, dass der YouTuber die kreative Entscheidungsgewalt innehat, aber verpflichtet ist, „rechtliche und redaktionelle Vorgaben vom Netzwerk im Falle eines Risikos für den Vermarktungserfolg zu beachten“, sei sittenwidrig. „Es kommt nicht selten vor, dass hier bewusst die geschäftliche Unerfahrenheit der häufig noch minderjährigen YouTuber ausgenutzt wird“, warnt Solmecke.

Auch würden sich die Netzwerke häufig zu hohe Vergütungen einräumen lassen. YouTuber sollten darauf bestehen, tatsächliche Einnahmen einsehen zu dürfen. in den meisten Fällen würden 45 Prozent der Werbe-Erlöse direkt an YouTube gehen, Vermarkter und YouTuber teilen sich die verbleibenden 55 Prozent auf. Laut Solmecke sollten Netzwerke nicht mehr als 20 Prozent davon für sich beanspruchen. „Ich habe schon Verträge gesehen, bei denen YouTuber – nach Abrechnung mit YouTube – die Hälfte der verbleibenden Einnahmen an das Netzwerk abgeben sollten. Beim YouTuber blieben dann noch ca. 0,05 – 0,1 Cent pro Videoaufruf. Bei 30 Millionen Videoaufrufen, können gute YouTuber so zwischen 15.000 und 30.000 Euro im Monat verdienen. Die gleiche Summe erhält aber auch das Netzwerk, oft ohne dass dafür eine entsprechende Gegenleistung erbracht wird“, so Solmecke

Und: Verträge haben eine Laufzeit. Im aktuellen Fall Unge vs. Mediakraft sei es unwahrscheinlich, dass Simon Unge mit seinem Vertrag bei Mediakraft keine Kündigungsfrist einhalten muss. Mediakraft weist in ihrer Stellungnahme ja auch ausdrücklich auf bestehende Verträge hin. Unge bliebe damit für die Laufzeit seiner Verträge mit seinen bestehenden Channels und eventuell sogar mit seinem neuen Channel an Mediakraft gebunden. Solmecke rät: Eine Kündigungsfrist von über drei Monaten sollten YouTuber nicht akzeptieren.

Solmeckes Fazit: Die spontane „Kündigung“ von Unge per Video könnte nicht sofort zu der gewünschten Freiheit führen, sondern eher zu einem langwierigen Rechtsstreit.

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