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„Zeit für eine Zäsur“ – Spiegel Onliner fordern Gleichberechtigung mit Print

Nach der Trennung von Wolfgang Büchner als Chefredakteur, steht die Print-Redaktion als Sieger da. Aber bei Spiegel Online grummelt es gewaltig. Der Betriebsrat der Onliner verschickte am Nachmittag eine Mail an die Belegschaft von Spiegel Online, die Print-Chefredaktion, die Geschäftsführung und die Personalleiter. In der Mail wird konstatiert, dass die Gräben zwischen Online und Print tiefer sind als je zuvor. Es sei Zeit für eine Zäsur.

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Das Image des Hauses in der Öffentlichkeit sei katastrophal, schreibt der Betriebsrat von Spiegel Online. Der Verlag habe den dringend notwendigen Wandel nicht vollzogen. Besonders brisant sind die Forderungen, die in dem Schreiben gestellt werden. So müsse die künftig Führung aus Heft und Online aus gleichberechtigten Mitgliedern bestehen. Außerdem müsse die „höchst unterschiedlichen Arbeits- und Vertragsbedingungen“ angeglichen werden. Nach wie vor bestehe „ein Gefälle bei Einkommen und Sozialleistungen innerhalb des Hauses“. Die Onliner schreiben: „Auch von unserem Gewinn fließen 42,5 Prozent an die Mitglieder der Mitarbeiter  KG.“

Ein deutliches Zeichen des Selbstbewusstseins der Onliner, die sich in der Öffentlichkeit lange zurückgehalten haben.

Wie zu hören ist, soll es künftig gerade keine gleichberechtigte Chefredaktion Print und Online geben, sondern eine mit genau zugeschnittenen Kompetenzen. Die Zwei-Klassen-Redaktion würde – so die Befürchtung der Onliner – weiter kultiviert werden, nachdem die Print-Seite nun mit dem Rauswurf Wolfgang Büchners triumphiert hat.

Auf Facebook hat der langjährige Print-Redakteur Cordt Schnibben ausführlich mit Wolfgang Büchner als Chefredakteur und seinem Reformkonzept abgerechnet. „Seit heute bin ich wieder optimistisch und ein glücklicher, freier Mensch, der wieder gern zur Arbeit fährt“, schreibt er. Das Schreiben des Spiegel Online Betriebsrats dokumentiert, dass dies die Online-Kollegen ganz anders sehen. Die Debatte um die Zukunft des Spiegel wurde mit der Demission Wolfgang Büchners offenbar nicht beendet. Sie hat gerade erst richtig begonnen.

Hier das Schreiben des SpOn-Betriebsrats im Wortlaut:

„Liebe Kollegen,

die monatelange Hängepartie ist vorbei. Ihr Ergebnis ist: die Gräben zwischen Online und Print sind tiefer als je zuvor. Das Image des Hauses in der Öffentlichkeit ist katastrophal. Der Verlag hat den dringend notwendigen Wandel nicht vollzogen. Wir fragen uns alle, wie es jetzt weiter geht. Was wird aus SPIEGEL ONLINE und manager magazin new media? Was wird aus unseren Arbeitsplätzen?

 Tatsache ist:

– Der SPIEGEL hat 20 Jahre im Internet Maßstäbe gesetzt und geschäftlich mehr Erfolg erzielt als die gesamte Konkurrenz. Wir waren Innovatoren im Medienmarkt.

– Wir besitzen alle Voraussetzungen, um den digitalen Wandel mit Erfolg zu meistern.

– SPIEGEL ONLINE hat die Marke SPIEGEL überhaupt erst in die jüngere Leserschaft transportiert. Für Digital Natives gibt es den SPIEGEL nur in Form seiner digitalen Angebote.

Nötig ist:

– Die Diskussion über die Weiterentwicklung des Digitalen muss die negative Konnotation verlieren. Denn es geht um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Verlages.

– Das Knowhow aus Print und Digital muss genutzt werden.

– Die künftige Führung aus Heft und Online muss aus gleichberechtigten Mitgliedern bestehen.

– Die höchst unterschiedlichen Arbeits- und Vertragsbedingungen müssen angeglichen werden. Nach wie vor besteht ein Gefälle bei Einkommen und Sozialleistungen innerhalb des Hauses. Auch von unserem Gewinn fließen 42,5 Prozent an die Mitglieder der Mitarbeiter  KG.

– Es muss eine bessere und stetige Kommunikation der Führungskräfte gegenüber den Mitarbeitern geben. Es kann nicht sein, dass wir Onliner oft zuletzt von neuen Entwicklungen erfahren.

Es ist Zeit für eine Zäsur. Die Weiterentwicklung des Digitalen ist die Lebensversicherung des gesamten Verlages.

Euer Betriebsrat“

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