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Spiegel: Büchner wird freigestellt; Saffe geht auch; Nachfolger werden noch nicht inthronisiert

Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.), Chefredakteur Wolfgang Büchner

Der gordische Knoten ist durchschlagen, die „bleierne Zeit“ vorbei: Der Machtkampf beim Spiegel ist endgültig entschieden. Am Morgen berichteten bereits der Branchendienst Turi2 und der NDR über die nun unmittelbar bevorstehende Ablösung von Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner. Hier nun die Details: Wie MEEDIA aus sicherer Quelle erfuhr, wird Büchner das Haus mit sofortiger Wirkung verlassen, sein Vertrag zum Jahresende gegen eine üppige Abfindung aufgelöst. Damit endet der wohl am schlechtesten gemanagte Chefredakteurswechsel aller Zeiten. Auch Geschäftsführer Ove Saffe wird nach einer maximal sechsmonatigen Übergangsfrist der Ericusspitze den Rücken kehren. Überraschung: Das designierte Nachfolger-Duo Brinkbäumer/Harms wird noch nicht inthronisiert. Grund: Die Verträge sind noch nicht ausverhandelt.

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Bis Weihnachten, so heißt es im Verlag, hoffe man die Verträge mit den Nachfolgern unter Dach und Fach zu haben. Die besondere Schwierigkeit liegt offenbar darin, dass der derzeitige Vize Klaus Brinkbäumer und Online-Chefredakteur Florian Harms nicht etwa gleichberechtigte Co-Chefredakteure – wie seinerzeit bei der Doppelspitze Müller-Blumencron/Mascolo – sein werden, sondern exakt zugeschnittene Aufgabenfelder und Kompetenzen erhalten sollen. Damit, so hofft die Mitarbeiter KG, würden Dauerstreitigkeiten vergangener Tage vermieden werden können.

Die Mitarbeiter KG war es auch, die die jetzt vollzogene Lösung ersonnen und durchgesetzt hat. Nach Informationen von  MEEDIA hatten die Gesellschafter (neben dem Mehrheitsgesellschafter Mitarbeiter KG auch Gruner + Jahr und die Erbengemeinschaft Augstein) in den vergangenen Wochen nochmals „den Markt gescannt“, doch nach der Absage Giovanni di Lorenzos habe sich – so ein Insider – einfach kein geeigneter externer Kandidat finden wollen.

Die nun getroffene Nachfolgeregelung ist deshalb ein Kompromiss. Viel Applaus werden die Gesellschafter für die Personallösung, die in erster Linie für Kontinuität steht, nicht erhalten. Gefragt sind, mit Blick auf die notwendige digitale Erneuerung, nun Selbstheilungskräfte.

Geschäftsführer Ove Saffe, der in den vergangenen Monaten nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er die von Wolfgang Büchner ersonnene Strategie für die einzig richtige und erfolgversprechende hält, wird ebenfalls einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Da seine Nachfolge aber nicht im Geringsten geregelt ist, hat sich Saffe auf Drängen der Mitarbeiter KG bereit erklärt, die Geschäfte für eine Übergangsfrist weiterzuführen. Den Gesellschaftern bleiben nur wenige Monate, um einen neuen Top-Manager für den Spiegel zu finden – ein Unterfangen, das Eingeweihte als „überaus schwierig“ einstufen.

Update: Mittlerweile gibt es auch die offizielle Pressemitteilung über Büchners Ausscheiden. Hier der volle Wortlaut:

Wolfgang Büchner verlässt die Chefredaktion von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE / Ove Saffe legt die Geschäftsführung des SPIEGEL-Verlags nieder

Wolfgang Büchner (48), seit 2013 Chefredakteur des SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE, verlässt den SPIEGEL-Verlag im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. Dezember 2014. Über die Nachfolge wird in Kürze entschieden. Bis auf Weiteres wird die Redaktion des SPIEGEL geführt von den beiden stellvertretenden Chefredakteuren, Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges. Barbara Hans und Florian Harms, stellvertretende Chefredakteure von SPIEGEL ONLINE, verantworten das Nachrichtenangebot im Internet.

SPIEGEL-Geschäftsführer Ove Saffe: „Wolfgang Büchner hat das Nachrichten-Magazin mit neuem Layout und neuen Formaten und mit der Ausrichtung auf den Erscheinungstermin Samstag erfolgreich weiterentwickelt. Mit SPIEGEL 3.0 hat er ein Digitalisierungskonzept vorgelegt, das die Weichen stellt für notwendige Veränderungen beim SPIEGEL und bei SPIEGEL ONLINE. Für diese Arbeit und sein großes Engagement danke ich ihm herzlich und wünsche ihm für seine berufliche und private Zukunft alles Gute.“

Im Zuge der Veränderungen in der Chefredaktion wird Ove Saffe (53), seit 2008 Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags, sein Amt niederlegen. Im Einvernehmen mit den Gesellschaftern steht er als Geschäftsführer noch so lange zur Verfügung, bis die Nachfolge geregelt ist, längstens jedoch bis Mitte des nächsten Jahres.

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