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Kölns neue, junge Tageszeitung XTRA: bunt, voll, aber nicht jugendlich

Express Chefredakteur Carsten Fiedler, Zeitungsprojekt Xtra

Am gestrigen Donnerstag erschien die erste Ausgabe von M. DuMont Schaubergs neuer Hoffnung auf junge Leser. Seit 15.30 Uhr lag XTRA in den Zeitungskästen der Kölner Innenstadt. MEEDIA hat sich das bunte Blatt angesehen – und fragt sich, was aus der Jugend geworden ist.

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Das mit der Jugend ist ja nicht so einfach – vor allem nicht für eine Zeitung. Trotzdem hat M. DuMont Schauberg am Donnerstag eine Publikation für junge Leser auf den Markt gebracht. XTRA erscheint werktäglich um 15.30 Uhr und soll Menschen zwischen 19 und 39 Jahren erreichen. Schon vor dem Start wurde am Projekt gezweifelt. „Du Mont druckt das Internet aus“, war zu lesen, weil sich das Blatt an der digitalen Welt orientieren will. „Der Postillon macht jetzt Mediennachrichten“, hieß es, weil Papier und Jugend – das geht nicht. „Ich kapiere es nicht“, lautete es an anderer Stelle. Und doch ist es passiert. Die erste Ausgabe von XTRA liegt am Kiosk.

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In gleich 13 Ressorts versucht XTRA jungen Kölnern ihre Stadt näher zu bringen. Dabei scheint sich die Tageszeitung, die 50 Cent kostet, in der Menge an Nachrichten zu verlieren. Vieles scheint gewollt, nicht alles ist machbar.

Am meisten lässt XTRA tatsächlich den Charme des Jungen vermissen. Der für die Zeitung zuständige Express-Chefredakteur Carsten Fiedler betont, er habe neben gestandenen und erfahrenen Kollegen wie die beiden Leiter Stefanie Monien (stv. Leiterin Verschmischtes) und Christian Lorenz (Lokal-Chef Köln) junges Personal auf das Projekt angesetzt. Auch solle sich das Blatt „an der Ästhetik der digitalen Welt“ orientieren. Bescheinigen lässt sich ein knalliges Auftreten, inhaltlich laut ist XTRA jedoch nicht. Jugendliche Spritzigkeit und ein freches Auftreten sucht man vergebens.  In ihrer Begrüßung auf Seite Drei betont Stefanie Monien, die Vorbereitungen seien „Xtra-spannend“ gewesen, der Leser solle eine „Xtra-Portion Spaß“ haben. Erwartet hätte er wohl eine freche Ansprache, die dem ganzen Heft fehlt. Sprachlich wirkt es ziemlich bemüht.

Wenig Berührungspunkte mit der Jugend

Die neue Jugendzeitung kommt unaufgeregt daher. Das Ressort Köln News wird mit dem Seilbahndrama, das sich Mitte der Woche über dem Kölner Rhein abspielte, aufgemacht. Berührungspunkte mit jungem Publikum: keine. Weit und breit fehlt der Zeitung ein gewisses Campus-Feeling, Geschichten über Studenten. Generell fällt das Wort Student in der gesamten Ausgabe nur drei Mal. Überflüssig scheinen vor allem Staumeldungen sowie ein nichts aussagender Comic und ein Standbild: Auf einer Doppelseite hat ein Fotograf das Treiben am Kölner Hauptbahnhof eingefangen.

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Darauf wird beschrieben, was die dort abgebildeten Menschen gerade tun – Informationsgehalt: null. Gleiches gilt für die crossmediale Verbindung im Blatt. Bilder, die Nutzer bei „Kölle Live“ – der vor kurzem gestarteten Community des Express – hochgeladen haben.

XTRA fehlt es an Tiefe

Völlig absurd scheint der XTRA-Song. In einer Spalte wird der von zwei Radiomoderatoren eines Lokalsenders ernannt und für die kommende Morgensendung um 7.20 Uhr angekündigt. Unbedingt einschalten! Inwiefern Ausgehtipps in einer Tageszeitung einen Mehrwert bringen, sei mal dahingestellt. Hier scheint der Chefredakteur aber die Stärke seines Blattes zu sehen. Gegenüber MEEDIA erklärt er: „Im Nachhinein kommt mir der Mehrwert, den wir mit XTRA jeden Tag bieten wollen, nämlich die besten Veranstaltungs- und Ausgehtipps für den Kölner Abend, auf der Titelseite etwas zu klein daher.“ Eine gewagte Strategie, zumal sich der Student am Nachmittag die nötigen Infos längst auf Portalen wie Prinz.de besorgt haben dürfte. Dabei macht der Szene-Teil Köln leben noch gewissen Sinn. Das Porträt eines Kölner Barkeepers ist durchaus gelungen. Wobei die vorgestellte Cocktailbar das Budget eines normalsterblichen Studenten sprengen dürfte.

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Unter die Räder gerät das Thema Digitales – und das trotz des Mottos. Mit einer Zielgruppe zwischen 19 und 39 Jahren zielt DuMont vor allem auf eine digitale Generation. Diese allein für ein Papier-Produkt zu begeistern, ist schwierig. Deren Hauptthema so zu missachten, grenzt schon fast an publizistischem Selbstmord. Während auf insgesamt drei Seiten das nationale sowie internationale Geschehen – das sich der Leser am Nachmittag sicher schon woanders besorgt hat – aufgearbeitet wird, finden sich Digitalthemen auf lediglich einer Seite. Aufgemacht hat XTRA das Ressort in seiner erste Ausgabe mit dem sozialen Netzwerk Ello. Ähnlich wie beim Umfragen-Report auf der Titelseite („Hippe Spießer“; XTRA hat 500 Kölner  – online – nach Liebe, Sex, Beruf und Alltag befragt)  wird hier nur an der Oberfläche gekratzt. Dass Ello die Medien bereits vor mehreren Wochen beschäftigt hat, scheint die Redaktion zudem kalt gelassen zu haben.

Dass das Digitale untergeht, würde Express-Chef Fiedler wohl bestreiten. Gegenüber MEEDIA erklärt er: „Die Rückkopplung mit der digitalen Welt spielt bei dem Produkt und der Themengewichtung insgesamt eine Rolle.“ Dies betreffe nicht nur die Verbindung zu Kölle Live. „Das geht soweit, dass wir User einladen, Freitags per Facebook an der Wochen-Themenkonferenz teilzunehmen.“ Nun belegt schon das allein, wo die Leser zu erreichen sind: im Internet.

Ob Feedback kommt, bleibt fraglich

XTRA ist bunt, farblich wie thematisch. Der Zeitung fehlt es aber an Tiefe und jungendlicher Frische. Auf Grund des Erscheinungstermins am Nachmittag könnte die Redaktion aber zumindest aktuelle News vom Tage noch berücksichtigen. Zumindest in der Premierenzeitung ist dies nicht gelungen. Insgesamt fehlt es an Überzeugungskraft. Zwar scheinen die Autoren MDS-Youngsters zu sein, doch ist zu spüren, dass das Heft von den alten Hasen im Geschäft gemacht wird. Angerechnet werden müssen zahlreiche Möglichkeiten, mit denen die Redaktion mit Lesern in Verbindung treten möchte. Auch wird oftmals Feedback eingefordert. Ob dies kommen wird, ist fraglich. Es ist schwer vorstellbar, dass die Jugend zu den bunten Zeitungskästen läuft, statt in der Hosentasche nach dem Smartphone zu greifen.

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