Anzeige

Die Martenstein-Kolumne und der Aufschrei um die “Affenhorde der zornigen weißen Journalisten”

Feminismus und Gender-Fragen sorgen im Web gerne mal für hitzige Debatten. Wenn dann noch Rassismus-Vorwürfe, “zornige weiße Journalisten” und eine vermeintliche “Affenhorde” in einer Kolumne von Harald Martenstein dazukommen, ist der Geschlechterkrampf perfekt.

Anzeige

In seiner Kolumne im Zeit Magazin veröffentliche Martenstein eine Art Gegenrede zum Gegenangriff. Seine Waffe der Wahl war die Ironie. Bloß die wird in manchen Kreisen leider nicht als solche wahrgenommen. Martenstein versuchte in der Kolumne mit ironischen Mitteln darzulegen, dass das Schreiben über “Horden” von “zornigen weißen Männern”, die Ressentiments schüren, Formulierungen sind, die selbst so ein klitzekleines bisschen unter Ressentiment-Verdacht fallen könnten. Martenstein schrieb u.a.:

Sie schimpfen über „alte weiße Männer“, die sich feminismuskritisch äußern. Diese schlössen sich „wütend“ in „Horden“ zusammen, was mich ein wenig an Affen erinnert, und schürten Ressentiments. Erlauben Sie dem alten weißen Mann eine Frage, Anna und Christina. Welche Hautfarbe haben eigentlich Sie? Offenbar sind Sie beide jung und schwarz. Was meinen Sie, ab welchem Alter darf man Sie als wütende Affenhorde bezeichnen?

Vor allem an diesem Absatz entzündete sich eine Empörungswelle im Web. Natürlich wird Martenstein wissen, dass die beiden Zeit-Autorinnen eben nicht schwarz sind (sie sind sogar blond!). Ironie dringt aber im notorisch aufgeregten Netz nicht durch. Nachdem Martensteins Kolumne online war, ging so mal wieder ein “Aufschrei” durchs Social Web. Martenstein wurde allenthalben mindestens Machotum und schlimmstenfalls Rassismus vorgeworfen. So auch in diesem Blog. Ein Beitrag, der vielfach verlinkt und geteilt wurde. Schnell war bei Twitter von Maskus die Rede (feministischer Begriff für radikalisierte “Männerrechtler”). Die Kampfzone war abgesteckt.

 Auf der anderen Seite versammelten sich auch einige Befürworter von Martensteins Text und warfen den Feministinnen nicht zuletzt Humorlosigkeit vor.

Ein Vorwurf, der augenscheinlich nicht ganz von der Hand zu weisen ist und auch in Martensteins Text vorkommt:

Kommen Sie, lachen Sie doch auch mal.

Lachen soll ja mitunter krampflösend wirken. Das wäre vielleicht ein ganz guter Tipp für mehr Debatten-Lockerheit im Social Web im Allgemeinen und im Geschlechterkampf im Besonderen. Das und den Begriff “Rassimus” ein bisschen sparsamer verwenden.

Anzeige