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Programmbeirat rüffelt ARD-Berichterstattung zur Ukraine-Krise als einseitig und mangelhaft

Über die Medien-Berichterstattung zur Krise in der Ukraine wurde schon viel diskutiert. Immer wieder wird in Kommentarspalten und im Social Web von Nutzern und Zuschauern kritisiert, dass Mainstream-Medien zu einseitig pro westlich berichten und russische Positionen zu negativ darstellen würden. Diese Kritik wird vom Programmbeirat der ARD offenbar uneingeschränkt geteilt. Wie Telepolis berichtet, hat das Gremium die Berichterstattung der ARD zur Ukraine Krise als einseitig, lückenhaft und voreingenommen gerügt.

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Wörtlich heißt es in dem Protokoll der Programmbeirats-Sitzung, die Telepolis vorliegt, u.a., dass wichtige und wesentliche Aspekte des Konflikts „nicht oder nur unzureichend beleuchtet“ beleuchtet worden seien. Die Berichterstattung der ARD in Sachen Ukraine sei insgesamt „nicht ausreichend differenziert“, teilweise sei der „Eindruck der Voreingenommenheit“ erweckt worden und Inhalte seien  „tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen“ gerichtet. Aufgabe des neunköpfigen Programmbeirats ist es, dafür zu Sorgen, dass die ARD dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gerecht wird.

Konkret wurden in zehn Punkten Mängel an der Ukraine-Berichterstattung festgestellt. Vermisst haben die Beiräte außerdem einen längeren Beitrag, der „die tieferen Ursachen der Krise“ verständlich macht. Untersucht wurden u.a. „Brennpunkt“-Sondersendungen und Magazin-Beiträge. Lediglich einige Beiträge von „ttt“, „Plusminus“, „Monitor“ und „Panorama“ hätten „einige wenige positive Themen“ gesetzt. Sämtliche anderen untersuchten Beiträge werden in dem Protokoll als „fragmentarisch“, „tendenziös“, „mangelhaft“ und „einseitig“ kritisiert. Empfohlen wird eine „eine gründlichere Recherche durch die politischen Redaktionen“. Der Programmbeirat hat allerdings lediglich eine beratende Funktion. Im Programmbeirat sitzen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen und Parteien, die in der Regel auch in den Rundfunkräten einzelner ARD-Anstalten Mitglied sind.

Die Bewertungen des Beirats dürften Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Kritiker der Ukraine-Berichterstattung gerade auch in den öffentlich-rechtlichen Medien sein.

Update: ARD-Chefredakteur Thomas Baumann äußert sich wie folgt zu der Kritik des Programmbeirats: „Den Vorwurf einer einseitigen und tendenziösen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt weise ich energisch zurück. Dies habe ich auch gegenüber dem ARD-Programmbeirat deutlich gemacht. Es gab und es gibt zahlreiche Beiträge, Sendungen und Sondersendungen im Ersten Programm, die in der Summe die Lage in der Ukraine und die Ursachen der Krise differenziert und unter verschiedenen Aspekten thematisiert haben und thematisieren. Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Ort tragen unter schwierigsten Bedingungen mit ihrer Arbeit entscheidend dazu bei, unser Publikum umfassend und so wahrheitsgetreu wie möglich zu informieren.“

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