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Tele 5-Boss Blasberg: „Ich will kein Ficki-Ficki mehr“

Die kleine Senderrevolution des Kai Blasberg geht weiter. Seit Jahren werkelt der TV-Enthusiast am Umbau des Nischen-Kanals von einer Abspielstation alter Hollywood-Schinken zu einem „Tante Emma-Laden Deluxe“. Nach der Verpflichtung von Oliver Kalkofe und einigen Grimme-Nominierungen schraubt Blasberg mit Wrestling & Co. längst weiter an seinem Projekt. Nächste Ausbaustufe: Ab Juni gibt es keine Sex-Werbung mehr im Nachtprogramm.

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Spricht man mit Blasberg, der seine Medienkarriere als Verlagskaufmann bei der Kölnischen Rundschau begann, wird schnell klar: Er sieht sich als Gegenentwurf zum durchgestylten TV-Mainstream von RTL oder ProSiebenSat.1. Die Fernseh-Multis sind seiner Meinung nach längst zu gut geölten Rendite-Maschinen geworden, die im Grunde die Zuschauer und Macher langweilen.

„Es gibt Menschen aus der TV-Branche und Zuschauer, die von dem, was die meisten Konkurrenten machen, zutiefst frustriert sind“. Deshalb versucht der Münchner ein Alternativ-Programm zu bieten. Das wirkt allerdings oftmals nicht wie aus einem Guss, sondern zerstückelt und zerrissen. Hier mal Oper, da mal Wrestling und dazwischen Kalkofe und Rütten sowie verlässliche Action wie zum Beispiel mit Jean-Claude Van Damme. „Mittlerweile drängeln sich alle anderen Sender derart im Mainstream, dass es für uns nur logisch ist, immer wieder spannende Nischen zu suchen und zu besetzen“.

Er spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Community-Fishing“. Die passende Einkaufsphilosophie bei Filmen lautet dazu dann auch „Alles außer Hollywood“. Oder, wie es der Senderchef flapsig formuliert, ist Tele 5 auch „der Tante Emma-Laden Deluxe. Wie in so einem gut sortierten Geschäft, sollen sie auch bei uns reinkommen und rumstöbern“. Er scheint sicher, dass die Zuschauer dann auch eine besondere Rarität, die sie nicht erwartet hätten, finden, in die sie sich dann auch noch spontan verlieben.

Anders, als die meisten Tante Emma-Länden versteht sich der Münchner allerdings auch auf eine effektive Eigen-PR. Selbst kleine Programm-Änderungen werden bestens verkauft. Blasberg ist weit mehr in den Medien präsent, als andere Chefs kleiner TV-Stationen. Allerdings wurde wohl auch keiner von ihnen bislang für den Grimme-Spezialpreis nominiert. Die Jury lobte damit den Mut des TV-Managers immer wieder spannende Eigenproduktionen wie die ganzen Kalkofe Exzesse, „Walulis sieht fern“ oder auch Ulmens „Who wants to fuck my Girlfried“ ins Programm zu hiefen.

Eine Konsequenz aus dem Sender-Umbau hin zu mehr Qualität ist, dass die Münchner nun ab Juni auf Erotik-Werbung in der Nacht verzichten wollen. „Ich will kein Ficki-Ficki mehr“. Die Ich-Form dieser Aussage ist alleine deshalb schon zutreffend, weil Blasberg ganz offen zugibt eigentlich Fernsehen nur für sich zu machen. „Ich selbst brauche Ablenkung. Immer nur das gleiche, ist der Tod“.

Der Umbau des Senders sorgte allerdings nun auch nicht dafür, dass die Zuschauerzahlen explodieren. Im Mai, wie auch im April lag Tele 5 bei einen stabilen Marktanteil von 0,9 Prozent.

Zudem sei er „kein Freund der Zahl. Die richtet Schlimmes an“. Trotzdem schreibt sein Sender schwarze Zahlen, was trotz aller blasbergschen Versicherungen sicherlich nicht ganz unwichtig ist. Trotzdem lautet seine selbsterklärte Mission: „Ich will als Chef gutes Fernsehen machen. Ich will den Menschen gutes Fernsehen schenken“.

Damit gelingt es dem TV-Macher des kleinen Senders, den Ex-Chef des großen Platzhirsches RTL, Helmut Thoma, zu widerlegen. Der legendäre TV-Boss hatte bei Qualitätsdebatten stets darauf verwiesen, dass der Köder nicht dem Angler, sondern dem Fisch, also dem Zuschauer, schmecken müsse. Blasbergs Köder schmecken vor allem ihm und den TV-Kritikern.

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