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„Unabhängig denkende Menschen“: Die taz bekommt eine Doppelspitze

Gemischtes taz-Doppel: Andreas Rüttenauer, Ines Pohl

Die taz bekommt zum 1. April eine Doppelspitze. Jegliche Aprilscherz-Witze sind überflüssig, auch wenn Neu-Chefredakteur Andreas Rüttenauer früher Kabarettist war. In einer Mitteilung heißt es, Chefredakteurin Ines Pohl habe sich Verstärkung holen wollen. Der Anstoß zur Doppelspitze kam aber vermutlich aus dem taz-Vorstand.

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Ein Anlass für den Umbau an der Redaktionsspitze war der Abtritt von Reiner Metzger als Vize-Chef, der sich auf seine Arbeit für die Wochenend-taz konzentrieren wollte. Seit Metzgers Entschluss, den Vize-Posten aufzugeben, suchte der Vorstand der linken tageszeitung offenbar nach Möglichkeiten, eine Doppelspitze zu installieren. Dem Vernehmen nach fehlte es indes an aufstiegswilligen Kandidaten innerhalb der Redaktion.

Die offizielle Darstellung lautet, dass Ines Pohl, die seit fast fünf Jahren an der taz-Spitze steht, Verstärkung braucht. Pohl sagt: “In einem komplexen Haus wie der taz spricht viel für ein Doppelpack an der Spitze. Ich freue mich sehr darauf, die anstehenden Aufgaben gemeinsam mit Andreas und der Redaktion zu wuppen.” In einem Interview mit der Süddeutschen hatte Pohl den denkwürdigen Satz „Mutti kann nicht immer reingrätschen“ gesagt.

Rüttenauer schreibt seit 2001 für die Zeitung, seit 2006 ist er Redakteur im Sportressort; zwischendurch bewarb er sich mal als DFB-Chef (und twittert hier). Seit 2009 gehört er dem Redaktionsrat der taz an. Am kommenden Mittwoch stellt sich Rüttenauer in einer Redaktionsversammlung den Fragen der Kollegen. Er sagt: “Ich habe so viele intelligente, gut informierte, wissbegierige aber auch verrückte und vor allem unabhängig denkende Menschen in der Redaktion kennengelernt. Mit denen muss es einfach gelingen, den Platz der taz in der deutschen Medienlandschaft zu sichern.“

Vor allem der Hinweis auf „unabhängig denkende Menschen“ kommt nicht von ungefähr. Denn seit jeher gilt die taz als Blatt, bei dem die Chefredakteure eher geduldet werden, weil sonst keiner den im Zweifel umstrittenen Vorturner an der Spitze geben will.

Rüttenauer und Pohl sollen nun gemeinsam den Medienwandel angehen. Die taz schrieb laut Bilanz 2012 rote Zahlen. Geschäftsführer Kalle Ruch steht zumindest der Zukunft der gedruckten Zeitung eher skeptisch gegenüber. Der Verlag stehe vor Jahren des Umbruchs, sagte Ruch bereits im vergangenen Jahr.

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