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Image-GAU: ADAC geht in die PR-Vorwärtsverteidigung

Ex-ADAC-Präsident Peter Mayer. Image-Reparatur ausgeschlossen
Ex-ADAC-Präsident Peter Mayer. Image-Reparatur ausgeschlossen

Vorwärtsverteidigung beim ADAC. Nach dem Skandal um Stimmenmanipulationen bei der Wahl zum “Lieblingsauto der Deutschen”, dem Rücktritt von Kommunikationschef Michael Ramstetter und immer neuen Negativ-Schlagzeilen, flüchtet sich der Automobilclub in die Image-Offensive. Auf dem Cover der runderneuerten Motorwelt prangt das Motto: “Die Krise als Chance”.

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Zuerst war da die SZ-Story, dass bei der ADAC-Wahl zum “Lieblingsauto der Deutschen” massiv Stimmen manipuliert wurden. ADAC-Verantwortliche stritten zunächst alles ab und zogen ihre “Gelbe Engel”-Gala samt Wahl wie geplant durch. Kurz danach hat ADAC-Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter die Manipulation eingestanden, alle Schuld auf sich genommen und ist zurückgetreten.

Danach kamen scheibchenweise immer neue Ungeheuerlichkeiten rund um den einstigen Lieblingsclub der Deutschen ans Tageslicht. ADAC-Funktionäre, die sich mit Rettungshubschraubern durch die Gegend fliegen ließen, Pannenhelfer die genötigt wurden, Liegengebliebenen neue Autobatterien anzudrehen – plötzlich war es en vogue, auf die unzulängliche Vereinsmeier-Struktur und den Lobbywahn des Gelbe-Engel-Vereins zu schimpfen. Der ADAC, das darf man ohne Übertreibung sagen, erlebte und erlebt einen Image-GAU.

Was tut man, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht? Man probt die Vorwärtsverteidigung. Die aktuelle Ausgabe der ADAC Motorwelt kommt inhaltlich und optisch runderneuert daher. Die Titelseite ist ADAC-Gelb gehalten, mit einem Pannenhelfer-Autor und der programmatischen Ansage: “Die Krise als Chance”. Auf der ersten Seite präsentiert sich de versammelte Redaktion und blickt die Leser freundlich an. Der Neustart des Clubmagazins falle dabei nur zufällig mit den aktuellen Ereignissen zusammen, heißt es im Editorial. Schon seit Monaten habe man sich Gedanken gemacht, wie das Heft lesenswerter gestaltet werden kann.

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Die Motorwelt präsentiert sich nun in vier Hauptrubriken unterteilt: Auto & Innovation, Sicher & Mobil, Reise & Freizeit sowie Mein Club. Die Aufmacherstory ist aber ganz sicher nicht zufällig eine direkte Reaktion auf die akute Clubkrise. Die Motorwelt interviewt ADAC-Präsident Peter Meyer, der sich angemessen erschüttert und zerknirscht zeigt ohne allzu konkret zu werden. Alles werde auf den berühmten “Prüfstand” gestellt, meint er. Warum angeblich ein Einzelner die Wahl zum “Lieblingsauto der Deutschen” manipulieren konnte, vermag er nicht zu sagen. Zwar kündigt er wolkig an, dass “weitere Schritte” folgen müssten – er selbst meint allerdings nach wie vor, der richtige Mann für die Bewältigung der Krise zu sein.

Die Motorwelt-Redaktion hakt brav alle aktuellen Kritikpunkte ab, ohne schmerzhaft selbstkritisch zu werden. Aus einem Vereins-Organ wird nicht über Nacht eine unabhängige, journalistische Zeitschrift. Der ADAC hat die Prozesse bei der Wahl zum “Lieblingsauto von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte untersuchen lassen. Um die Ergebnisse zu präsentieren, habe sich der Verein der Hilfe der Krisen-PR-Profis der Agentur CNC-Communications versichert, schreibt das Handelsblatt. Die Krisenberater sollen die eigene PR-Abteilung des ADAC unterstützen, die rund 100 Mitarbeiter zähle. 100 Mitarbeiter nur in der PR-Abteilung? Der ADAC hat tatsächlich ziemlich tief sitzende Probleme.

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