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AP Weltnachrichten: Deutsche Nachtschicht zieht nach Sydney

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Verena Schmitt-Roschmann: "Ein Sparmodell sieht anders aus"

Die Nachtschicht der AP Weltnachrichten arbeitet künftig im australischen Sydney. Zwei Mitarbeiter werden das deutschsprachige Angebot aus der Ferne bestücken. Die Deutsche-Presse-Agentur (dpa), die den Dienst seit einem Jahr in Kooperation mit der Associated Press (AP) anbietet, folgt einem Trend. Im MEEDIA-Gespräch erklärt Redaktionsleiterin Verena Schmitt-Roschmann die Hintergründe.

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“Es ist ein Unterschied, ob man die dritte Zusammenfassung einer Geschichte um fünf Uhr morgens oder fünf Uhr abends schreibt”, sagt Schmitt-Roschmann. Bei der Auslagerung der Nachtschicht ins ferne Australien geht es mal nicht ums Sparen, sondern um ausgeschlafene Mitarbeiter. “Der Einsatz unserer Leute in Sydney verursacht natürlich Aufwand und Kosten. Ein Sparmodell sieht jedenfalls anders aus.” Das Ziel ist ein anderes: In der Nacht mit motivierten Redakteuren frische Geschichten für die hungrigen Medien am Morgen zu produzieren.

Zur Erinnerung: Die AP Weltnachrichten werden seit einem Jahr von dpa angeboten. Es handelt sich um 60 bis 80 Meldungen am Tag, die von einem Dutzend Mitarbeiter, die bisher ausschließlich in Berlin gearbeitet haben, auf Basis der englischsprachigen Storys geschrieben werden. Zusätzlich bietet dpa die AP-Fotos als getrenntes Produkt an. Vor dpa vermarktete die inzwischen insolvente Nachrichtenagentur dapd die AP-Inhalte für den deutschsprachigen Markt. Der Übergang von dapd auf dpa war ein Coup auf dem deutschsprachigen Agenturmarkt.

Redaktionsstandort Sydney - es hätte schlimmer kommen können

Redaktionsstandort Sydney – es hätte schlimmer kommen können

“Die AP Weltnachrichten sind strikt vom dpa-Dienst getrennt. Wir sind komplementär angelegt”, sagen Schmitt-Roschmann und Michael Ludewig, der als dpa-Vize und Auslandschef die AP Weltnachrichten immer mit im Blick hat. “Die AP-Nachrichten setzen ganz andere Schwerpunkte, haben international auch ganz andere Ressourcen. Allein in Birma arbeiten sechs Korrespondenten”, sagt die Redaktionsleiterin. Das Angebot sei nicht angelegt, um Wettbewerber “vom Markt zu drängen”. Sie lobt beispielsweise auch die kuriosen Meldungen aus aller Welt, mit denen das Reporternetzwerk von AP jeden Tag aufwartet

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Das Angebot trage sich bereits nach einem Jahr, heißt es bei dpa. Da insbesondere der AP-Fotodienst eine hohe Qualität hat und bei Medienkunden sehr beliebt ist, verwundert das nicht. Doch auch der Textdienst verdiene Geld. Es gibt sowohl feste Abonnements wie eine Reihe von Testläufen, vor allem bei Regionalzeitungen. Die AP Weltnachrichten richten sich auch an Unternehmen, Verbände, NGOs etc. als Kunden. “Wir müssen wie alle Medienangebote wachsen, um weiter am Markt zu bleiben”, sagt Schmitt-Roschmann.

Die Nachtschicht im Ausland – das ist ein Trend, den eine Reihe von deutschsprachigen Medien für sich entdeckt haben. Springers Welt hat ein Büro in Sydney, das Schwesterblatt Bild hat eines in Los Angeles eröffnet. Schweizer Medien und Agenturen unterhalten ebenfalls Büros in Asien und Australien. Der Süddeutschen Zeitung sagte neulich Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters: “Es ist deutlich effektiver, tagsüber zu arbeiten.”

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