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Wie der Spiegel mit Mathias Döpfner abrechnet

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Nein, das Porträt von Mathias Döpfner im aktuellen Spiegel wird in der Chefetage der Axel Springer SE nicht gut ankommen. Auf sechs Seiten bleibt eigentlich kein gutes Wort für den Manager übrig. "Der Kassierer" ist das Stück von Matthias Geyer betitelt. Döpfner wird zum "Hütchenspieler", der "vermutlich auch Vorstandsvorsitzender von BASF" sein könne. Zitiert wird Alfred Neven DuMont, der sagt: "Döpfner betreibt Verrat an der Sache". Für Springer ist das Porträt ein veritabler Imageschaden.

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Döpfner habe gezögert, bevor er dem Reporter Matthias Geyer erlaubte, ihn einige Zeit zu begleiten. Warum Döpfner schließlich zugesagt hat, kann Geyer nur spekulieren. Womöglich, weil sich nach dem Verkauf eines Zeitungs- und Zeitschriftenpakets an die Funke Mediengruppe der Verdacht in der Branche erhärtete, Döpfner betreibe bei Springer den Ausverkauf des Journalismus. Diesen Vorwurf versucht der Springer-CEO seit einiger Zeit zu entkräften.

Dabei sollte ihm der Kauf des Nachrichtensenders N24 eigentlich behilflich sein, doch das mag Geyer nicht gelten lassen. Für den Reporter bedeutet die Übernahme vor allem: “Er hat Stefan Aust gekauft.” In Aust stecke nun ungefähr “das komplette Ebitda all der Blätter, die jetzt weg sind”. Gemeint ist, dass die Zeitungen und Zeitschriften etwa 95 Millionen Euro Ebitda im Jahr erzielten, N24 im Paket mit Aust etwa 100 Millionen Euro gekostet hätten. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Aust bekommt in dem Porträt ebenfalls sein Fett weg: “Man kann nicht behaupten, dass Aust eine neue Erfindung wäre.” Und: Neben Döpfner wirke Aust wie dessen “persönlicher Journalismuspreis”.

Geyer flog mit Döpfner auf eine Investoren-Roadshow von Morgan Stanley, die in einem Luxushotel in Barcelona abgehalten wurde. Was die Investoren vor allem wissen wollen: “What’s next?” Das Geschäftsmodell Publishing scheine vor allem eine Reaktion hervorzurufen: Langeweile. Auch darum habe Döpfner, findet jedenfalls Geyer, “aus einem Verlag einen Supermarkt gemacht, in dem es an der Kasse auch ein paar Zeitungen gibt”. Und Döpfner werde zu einem CEO, “der Gordon Gekko seine Aktie andrehen muss”.

Nicht gut weg kommt auch Friede Springer. Eine Tour mit Döpfner zu Berliner Startups brach sie laut der Darstellung vorzeitig ab. Geyer mutmaßt: “Sie versucht zu verstehen, wo ihr ganzes Geld hingeht.” In einem Gespräch mit dem Reporter versichert die Verlegerin, Döpfner werde “dafür sorgen, dass wir ein Verlag bleiben. Wir sind und einig, dass wir hier nicht mit Matrazen handeln.”

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Im Text macht sich Geyer auch über Listen von “Namen” lustig, die ihm aus der Kommunikationsabteilung unverlangt zugeschickt wurden. Namen von Personen, “die etwas über Döpfner erzählen könnten”. Gesprochen hat Geyer on the record dann aber nur mit Alfred Neven DuMont. Ungewöhnlich hart ist die Kritik, die der Kölner Verleger übt: “Was Döpfner macht, ist mir unverständlich. Zum einen weil man so mit einem Erbe nicht umgeht. Zum anderen weil ich an die Zeitung glaube. Döpfner betreibt Verrat an der Sache.”

Geyers Porträt ist hart, ziemlich unerbittlich, ein Verriss. Die Auswahl des Zitatgebers Neven DuMont zeigt allerdings auch, dass dies ein Verriss mit Ansage ist. Neven DuMont mag die Frankfurter Rundschau gekauft haben, um sie zu retten. Letztendlich hat er sie aber in die Pleite geschickt. Dass nun ein Altverleger von einer “Sache” spricht – dem Zeitungswesen – die der Springer-Chef verrate, legt nahe, dass auch Neven sich hier eine Rolle zuschustert, die ihn in einem guten Licht darstellen soll. Aber auch bei DuMont wird gespart, was das Zeug hält. Allein das Festhalten an Zeitungen ist kein Wert an sich. Was die Branche braucht, ist ein funktionierendes Geschäftsmodell für die digitale Welt. Richtig gut kann nur der Medienmanager aussehen, dem die tatsächliche Transformation einer Medienmarke gelingt.

Vergleichsweise freundlich ging Geyer übrigens vor einer Weile noch mit Bild-Chef Kai Diekmann um. Er war “Der Lehrling“. Unterm Strich ist nun “Der Kassierer” eine bemerkenswerte Abrechnung mit Springer und der Versuch einer Entzauberung Döpfners. Das Stück ist auch ein Signal: es darf wieder gegen Mitbewerber ausgeteilt werden.
Zum Vergleich bietet sich übrigens ein eher harmonisches Interview mit Döpfner an, das die FAZ in der vergangenen Woche veröffentlichte. 

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