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Foodwatch und die Lösch-Wut der Deutschen Bank

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Auch die Deutsche Bank hat Facebook als PR-Werkzeug für sich entdeckt. Mit dem Eigenleben des Netzwerks haben die Bänker aber noch so ihre Schwierigkeiten. Am Donnerstag veranstaltete die Bank auf Facebook einen „Experten-Chat“ zum Thema Geldanlage mit dem Chef-Anlagestrategen für Privat- und Firmenkunden. Die Organisation Foodwatch nutzte die Gelegenheit, um das Thema Nahrungsmittelspekulationen zu platzieren.

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Die Bank betätigte eifrig den Lösch-Knopf – und hat nun ein PR-Problem. „2013 war ein herausforderndes Jahr für Anleger. Welche Entwicklungen prognostizieren die Experten der Deutschen Bank für die Märkte im Jahr 2014? In unserem ExpertenChat am Donnerstag, den 23.01.2014 von 17-19 Uhr, stellt sich das Team von unserem Chef-Anlagestrategen für Privat- und Firmenkunden, Dr. Ulrich Stephan Ihren Fragen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!“ – So begeistert lud die Deutsche Bank zu ihrem Facebook-„Experten-Chat“.
Die Aktivisten der Organisation Foodwatch, die sich für Verbraucherschutz und bessere Lebensmittelqualität einsetzt, nutzen die Gelegenheit, um zum wiederholten Mal das bei der Deutschen Bank unbeliebte Thema Nahrungsmittelspekulationen auf die Tagesordnung zu bringen. Solche Spekulationen sorgen für erhebliche Preisschwankungen bei Grundnahrungsmitteln wie Mais und Weizen. Laut Experten tragen Lebensmittelspekulationen zu globalen Nahrungsmittelkrisen bei. Neben Foodwatch setzen sich auch andere Organisationen, wie etwa Oxfam, für einen Stopp von Spekulationen auf Grundnahrungsmittel ein. Die Deutsche Bank hat sich – anders als andere Banken in Deutschland – dazu entschlossen, solche Spekulationen weiter zu betreiben.

Bereits im Vorfeld des „Experten-Chats“ postete Foodwatch immer wieder auf der Facebook-Seite der Deutschen Bank. Foodwatch ging dabei geschickt vor und konzentrierte sich auf eine immer wieder wiederholte Frage: Warum wurde eine angekündigte Studie zu Nahrungsmittelspekulationen nicht veröffentlicht?

Hintergrund: Im Januar 2012 hatte die Deutsche Bank als Reaktion auf die anhaltende Kritik an Nahrungsmittelspekulationen eine Studie zum Thema „Handel mit Agrarrohstoffen und Hunger“ angekündigt, die öffentlich diskutiert werden sollte. Die Studie ist bis heute nicht erschienen. Das Social Media Team der Bank löschte Nachfragen bezüglich der Studie mit dem Verweis auf die Netiquette-Regeln. Demnach würden Kommentare entfernt, die thematisch unpassend sind und Links zu anderen Websites enthalten – Foodwatch hatte auf die eigene Seite verlinkt.
Dass sich die Aktivisten dann auch am Donnerstag in den „Experten-Chat“ einklinken würden, konnte man sich bei der Deutschen Bank ausrechnen. Vorsorglich wies das Social Media Team der Bank bereits in der Eröffnung des Chats darauf hin, dass Postings bezüglich Nahrungsmittelspekulationen gelöscht werden, da da Thema bereits diskutiert worden sei und man sich nun auf das Thema „Geldanlage“ konzentrieren wolle. Die Bank veröffentlichte statt einer Antwort auf die Studien-Frage den Link zu einer Info-Seite zum Thema Nahrungsmittelspekulationen, die vom Oktober 2013 datiert. Eine Studie ist diese Info-Seite freilich nicht. Der Hinweis von Foodwatch und anderen, dass das Lebensmittelspekulationen doch auch zum Thema Geldanlage gehören, wurde ignoriert.

Foodwatch und andere Facebook Teilnehmer stellten die Frage nach der Studie natürlich trotzdem penetrant in dem „Experten-Chat“, das Social Media Team betätigte eifrig den Löschknopf – schon steht die Bank als Zensur-Institut da. Zahlreiche Facebook-Nutzer zeigten sich empört vom Verhalten der Bank. Zwar betont die Bank bei Facebook stets, man suche den „konstruktiven und kritischen Dialog“ – allzu konkret darf es dabei aber offenbar nicht zugehen und die von Foodwatch hartnäckig wiederholte Frage nach der Studie wurde an keiner Stelle beantwortet. Auch auf Nachfrage von MEEDIA erklärte ein Sprecher der Bank lediglich: “Das Thema unseres Experten-Chats lautete Geldanlage 2014. Wir haben mehrfach – auf Facebook und dort auch während des Experten-Chats – darauf hingewiesen, dass wir zum Themenkomplex Agrarrohstoffe und Lebensmittelpreise auf unserer Website Verantwortung ausführlich Stellung beziehen.” Samt Link auf die oben genannte Info-Seite.

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Drei Lehren aus dieser Geschichte:

Lehre 1: Im Social Web lässt sich Kommunikation nicht nach Gusto kontrollieren. Alle Versuche der Deutschen Bank, das Thema Nahrungsmittelspekulationen aus der Diskussion raus zu halten, hatte genau den gegenteiligen Effekt.

Lehre 2: Transparenz ist im Social Web ein Muss. Wie hätte die Deutsche Bank der Debatte transparent begegnen können? Sie hätte schnell und klar auf die Frag nach der Studie antworten müssen. Aus irgendeinem Grund konnte oder wollte sie das aber nicht. Das gab Foodwatch die Gelegenheit, hier immer weiter zu bohren. Es bleibt hängen: Die Bank hat was zu verbergen.

Lehre 3: Größe ist im Social Web relativ. Mit geschickter Strategie kann im Social Web eine relativ kleine Organisation wie Foodwatch ein Milliarden-Unternehmen wie die Deutsche Bank kommunikativ an die Wand drücken.

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