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ADAC: Gelbe Engel in der Shitstorm-Hölle

Der von der SZ aufgedeckte Betrug bei der Vergabe des „Lieblingsauto“ sorgt für heftige Reaktionen. Der Fall stürzt den Automobilclub in eine schwere Image-Krise. Die Wut der Mitglieder entlädt sich auch im Web. Die User schicken die „Gelben Engel“ in die Shitstorm-Hölle.

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Unter der vom ADAC auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme, die auch an die Presse herausgegeben wurde, sammelten sich innerhalb von 24 Stunden über 1.000 Kommentare, Replies – also Kommentare auf Kommentare – nicht mitgerechnet. Unter dem Video mit den Highlights der „Gelber Engel“-Gala sind weitere wütende Stimmen zu finden. Zusätzlich kommen zahlreiche Pinnwand-Posts. Der Tenor der Facebook-Nutzer ist eindeutig: Auf den schweren Imageschaden droht eine Austrittswelle. „Ich bin seit 1985 Mitglied. Morgen geht die Kündigung raus“, schreibt Don Ulfertos Postalez. Porsche Radziejewski veröffentlicht auf der Facebook-Seite des Automobilclubs ein Musterschreiben für die Kündigungdas die Mitglieder nur noch mit eigenen Angaben befüllen und verschicken müssen. Peter Reuter nennt das Handeln des ADAC eine „Schande“. „Mein Vertrauen zu dem ADAC ist hin. Einzig die Einrichtung der Pannenhelfer hält mich NOCH im ADAC. Ich werde mich aber nach fast 30 Jahren um einen anderen Pannenservice kümmern. Ihr standet eigentlich für Vertrauen nicht nur gegenüber Eurer Mitglieder – nein gegenüber der ganzen Republik! Aber Ihr seid nicht besser wie unsere Politiker, Leute wie Hoeneß und seine Konsorten und den ganzen anderen sogenannten Führungselite dieses Landes.“

Die Manipulationen am Leserpreis des ADAC sind für viele auch Anlass, erneut die Positionen des Clubs, der eine Lobby für Autofahrer sein will, in Frage zu stellen. „Jetzt dieser Skandal, gestern die Forderung nach Erhöhung der Mineralölsteuer, Ablehnung der Maut trotz steuerlicher Entlastung der Autofahrer, Finanzierung von vereinsfremden Geschäftszweigen durch Beiträge (Busunternehmen), E10-Werbung, völliges Ignorieren der Mitgliedermeinungen usw…. Das zeigt alles nur, dass der ADAC sich von seinen Mitgliedern und gleichzeitigen Geldgebern völlig entfremdet hat“, schreibt Gil HornDiese Meinung teilt Ronny Klose, der zudem anzweifelt, dass die Chefetage des ADAC nichts von den Manipulationen gewusst habe. „Die Manipulation der Stimmen bei der Leserwahl hat die Führungsriege nicht bemerkt. Wollt ihr die Leute für dumm verkaufen? Die Führungsetage versagt immer öfters. Die Mineralölsteuer muss erhöht werden. Das ist doch auch eine Meinung der ADAC-Führung. Welche Interessen vertritt der ADAC eigentlich.“

Unter der Flut von Negativkommentaren lassen sich allerdings auch einige Stimmen finden, die sich gegen einen Austritt aussprechen. „Die wahren ‚gelben Engel‘ sind die, die einem nachts auf der Autobahn die Karre wieder zum Laufen bringen, die Menschen bergen und in Notsituationen helfen. Sollen die Sesselfurzer doch machen was sie wollen, was interessiert mich das Lieblingsauto? Dem ADAC jetzt die Mitgliedschaft zu kündigen trifft die Falschen und am Ende auch jeden selbst“, schreibt Matthias Engels.

Derzeit halten sich Forderungen nach weiteren Rücktritten der Führungsriege des ADAC noch in Grenzen. Als sich der ADAC für eine Erhöhung der Mineralölsteuer ausgesprochen hat, wurden diese bereits zum ersten Mal laut. Damals gründete sich die Facebook-Gruppe „Wir fordern den Rücktritt von Peter Meyer als ADAC-Präsident„, die heute mehr als 2.000 Mitglieder zählt.

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