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Telekom-Chef: Europa verliert Anschluss

Telekom-Chef Tim Hoettges hat zum Start von Burdas Digitalkonferenz DLD eine neue digital divide ausgemacht. Europa werde gerade von den USA und Asien abgehängt. Denn: Das Datenvolumen wachse zwar um ca. 900 Prozent jährlich, doch die Umsätze der Telekommunikations-Anbieter in Deutschland schrumpften um etwa 10 Prozent. Folge: Die Investitionen in Infrastruktur reichten nicht.

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Die fünf größten Valley-Unternehmen seien mehr wert als alle DAX-Unternehmen, rechnete Hoettges, der seit einigen Monaten Telekom-Chef ist, vor. „Wir sehen das Wachstum außerhalb Europas. Es ist Zeit, zu handeln.“ Die Bandbreite müsse in allen Regionen Europas steigen, doch in einigen Ländern sei noch nicht einmal LTE verfügbar. Es gebe kein „level playing field“ mehr – die Voraussetzungen für IT- und Telekom-Unternehmen in- und außerhalb Europas seien einfach nicht mehr vergleichbar.

Im Gegensatz zu Unternehmen der Branche in Europa wüchsen die Umsätze ihrer Mitbewerber in den USA und Asien um 35 bis 38 Prozent, sagte Hoettges. Die Investitionen, die für eine bessere Infrastruktur der Netze nötig seien, reichten nicht mehr, der Cash Flow sinke. Viel „aggressiver“ als bisher müsse die Bandbreite gesteigert werden. Aber: „Die Unternehmen verlassen Europa.“

Lutz Schüler, Deutschlandchef des Kabelnetzbetreibers Unitymedia, lag indes nicht ganz auf Linie des Telekom-Chefs. Zwar teilte er Hoettges Sicht der schlechten Marktposition Europas („keine große digitale Marke kommt aus Europa“), doch er sagte auch, dass die Telekom Anbieter wie Unitymedia klein halte. Beide Unternehmen müssten besser zusammenarbeiten. Hoettges wollte auf die Kritik aber nicht eingehen, schüttelte mit dem Kopf.

Ein hartes Urteil fällte Rovio-Chef Peter Vesterbacka: „Es ist leichter, Geschäfte in China zu machen, als in Europa.“ Einen einheitlichen europäischen Markt für digitale Angebote wie Musikplattformen gebe es nicht, mit jedem Land müsse ein Unternehmen individuelle Verträge schließen. Auch der Rovio-Chef äußerte Kritik an der Telekom – Partner erhielten keine fairen Umsatzbeteiligungen.

Ein anderes „level playing field“ forderte Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen. US-Unternehmen, die Dependancen in Deutschland betrieben, aber hier keine Steuern zahlten, veränderten über ihre Kostenvorteile den Markt und den Wettbewerb als ganzes. Infrastrukturminister Dobrindt sprach in seiner kurzen Rede (er beteiligte sich nicht an der anschließenden Diskussion) von „innovation fairness“ und stellte noch einmal seine Initiative für eine „Netzallianz digitales Deutschland“ vor.

Hier geht’s zur DLD-Konferenz im Netz.

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